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Pütz & Schmitz

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Pütz & Schmitz
Zeichnung R. Wildermann/Text E. Ruckes
 

Sandkasten für Besserwisser?

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Bonn packts an
Bonn packt's an
Bonn packt's aus
Bonn packt's um
Bonn packt's ein
Ach, es wäre ganz einfach, die gegenwärtige Bürger-
befragung zu Einsparungen im städtischen Haushalt sprachlich in der Luft zu zerreissen. Aber bonndirekt hat ein Herz für die Stadt und begleitet das aktuelle Programm im Circus Bonncalli wohlwollend und konstruktiv.


Schon das Premierenpublikum bei der Auftaktveranstaltung am 18.Januar setzte eindeutige Akzente für die Qualität der Bürgerbefragung: Knapp hundert überwiegend ältere Zuschauer, denen ihre individuelle Einstellung zum Thema anzusehen war, lauschten den Worten von Circusdirektor Nimptsch, der sich passend zu diesem Abend den Tonfall eines Seelsorgers zugelegt hatte: „Schließlich ist es ihr Geld, was wir ausgeben müssen“, balzte er übers Mikrofon. Und so nahm auch diese Bürgerveranstaltung ihren verdienten Verlauf.



Bonn packt’s aus

Jetzt packen die Bürger ihre Ideen aus: Das reicht vom Spareffekt über zwei abgedrehte Heizkörper im Stadthaus bis zur Abstellung der Autobahnbeleuchtung kurz vor der Stadtgrenze. Solch geballter Sachverstand bei der Bevölkerung hat auch einen Unterhaltungswert und schon deshalb ist die Bürgerbefragung zu loben: Endlich gibt es auch beim städtischen Haushalt mal was zu lachen.

Bonn packt’s um

Damit der Spaß bei der Bürgerbefragung aber nicht Überhand nimmt, packt die Verwaltung die Vorschläge um: Gute Vorschläge landen beim Stadtrat zur Abstimmung, schlechte Vorschläge landen im Papierkorb. Als gut wird z.B. das Abstellen der zwei Heizkörper im Stadthaus angesehen, weil es eine Mehrheit der Bürger für gut befindet und angeblich € 1000 im Jahr damit gespart werden. Wer hat das eigentlich errechnet? Würde es stimmen, drehen wir einfach 2000 Heizkörper ab und schon spart die Stadt  im Millionenbereich. Was für ein Unsinn!

Als schlecht wird hingegen der Vorschlag zur Abschaltung der Autobahnbeleuchtung gesehen, weil die Stadt gar nicht für diese Kosten aufkommt. Es zeigt allerdings, wie wenig die Bürger über das Finanzierungssystem und die Kompetenzverteilung wissen.

Bonn packt’s ein

Nach Beendigung der Bürgerbefragung werden die ‚guten’ Vorschläge eingepackt und Verwaltung und Stadtrat werden darüber streiten, was brauchbar ist.
Das wird wahrscheinlich sehr überschaubar sein. Gäbe es wirklich effektive und problemlos umzusetzende Möglichkeiten zur Einsparung, so wären sie doch den Kommunalpolitikern längst in den Sinn gekommen. Dafür wurden sie doch gewählt und dafür sollten sie auch irgendwie kompetent sein.

Die Aktion ‚Bonn packt’s an’ ist mehr als ein Sandkasten für Besserwisser, sie hat wenigstens drei Vorteile: Sie vermittelt ein grunddemokratisches Prinzip der permanenten Bürgerbeteiligung, sie beschäftigt notorische Querulanten und Leserbriefschreiber und sie entlastet Oberbürgermeister und Stadtrat zumindest teilweise bei der Beschlussfassung über unpopuläre Haushaltskürzungen.

Nur eines bringt diese Bürgerbefragung niemals: Eine repräsentative Auskunft, wo die Bürger wirklich sparen wollen.