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Pütz & Schmitz

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Zeichnung R. Wildermann/Text E. Ruckes
 

Der Kommentar zum Thema

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Graurheindorf ist überall

Graurheindorf ist ein linksrheinischer, ganz im Norden Bonns liegender Ortsteil mit einer sehr engen Hauptstrasse. Über deren Gestaltung streiten sich seit mehreren Jahrzehnten die Einwohner mit dem Ergebnis:  Es passiert nichts.
In ‚Groß-Bonn’ ist es ähnlich: Großprojekte werden erst gar nicht begonnen oder werden tot geredet oder enden im Finanzchaos. Da freut man sich über alles, was doch noch zustande kommt wie jetzt das Metropol. Und da ignorieren wir auch gerne die Nachtreterei von notorischen Nörglern wie der Initiative ‚Pro Metropol’. Diese Leute sind  früher nicht in das Kino gegangen und werden heutzutage nicht in die Buchhandlung gehen. Das Ergebnis solcher Enthaltung in punkto Bildung erfährt man dann in der Argumentation der ach so klugen Kritiker.

Wenn kommunale Großprojekte nicht spätestens zu Beginn des zweiten Jahres einer fünfjährigen Wahlperiode in Beschlüsse umgesetzt sind, ist der Drops gelutscht. Spätestens ab Ende des dritten Jahres ist schon wieder der nächste Wahltermin im Visier und dann ist Schluss mit Entscheidungsfreude bei unseren Freizeitpolitikern. Dann wird auf die Wiederwahl hin gearbeitet und das bedeutet: Nur ja nichts falsch machen und wenn ich nichts mache, mache ich auch nichts falsch.

Andererseits: Mehr Bürgerbeteiligung bringt auch nichts, sie fördert höchstens die Furcht gewählter Volksvertreter, keine Entscheidungen zu treffen und auf aktuelle Stimmungen zu schielen. Wer beteiligt sich denn an den endlosen Schwatzrunden wie dem ‚integrierten Handlungskonzept’ oder dem neuerlichen ‚Masterplan’ für die Bonner City? Immer die gleichen Eiferer ohne jede Basis- oder Wählerlegitimation, aber immer schlauschlau. Solche Diskussionsrunden sind nichts anderes als Sandkästen, in denen eitle Dummköpfe ihre Förmchen backen und die zuständige Verwaltung mit Herrn Isselmann und Frau Rohde freuen sich, daß sie potentielle Querulanten kontrolliert beschäftigt haben.

Die Stadt Bonn ist wie ein voll besetztes Fußballstadion: Auf den Rängen wissen alle, was auf dem Rasen passieren sollte und wie man gewinnt. Nur: Auf dem Rasen sind überhaupt keine Figuren, die spielen (können). Und deshalb passiert nichts außer ewigen Debatten, die für Stillstand sorgen. Und Stillstand ist bekanntlich Rückschritt!
   

„La maladie bonnaise“

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Bonner Stadthaus
Bonner Spezialitäten
Bahnhofsvorplatz
Festspielhaus
Metropol
WCCB
Die ‚Bundes- und Beethovenstadt Bonn’ plagt eine Krankheit, die als ‚Bonner Krankheit’ ebenso schwammig wie konkret beschrieben werden kann. Ihre Symptome sind: Endloses Zerreden von Projekten durch selbst ernannte Experten und Unentschlossenheit der im öffentlichen Raum handelnden Personen. Besonders deutlich wird dies an Bauprojekten, die durch ihre schiere Bestandsgrösse besonders im optischen und politischen Focus stehen. Und da wären unter anderem:

Die ‚never-ending’-Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes, die ‚Nichtabriss- und Nichtbaudiskussion’ um die vorhandene Beethovenhalle und um das geplante Festspielhaus, die ‚Kulturschlacht’ um eine neue Nutzung des früheren Metropol-Kinos und natürlich die Schlammschlacht um Bonns ‚UN-vollendete’: Das WCCB.

Die Diskussion um die Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes ist die älteste der hier angeführten Beispiele. In den achtziger Jahren verhinderte besonders der Protest Bonner Sozialdemokraten den Bau der ‚Ungershalle’, dafür handelte man sich das offene ‚Bonner Loch’ ein. In den neunziger Jahren legten die Bonner Innenstadt-Kaufleute einen eigenen architektonischen Entwurf vor, der lediglich wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde nach dem Motto: „Hauptsache, wir haben mal darüber geredet“. In den letzten zehn Jahren zerredete die unselige Frau Dr. Sonntag mit ihrem Arbeitskreis zur Bewahrung des historischen Stadtgefüges jeden konstruktiven Ansatz und mittlerweile ist mal wieder Stillstand der Sachlage außer einer gelegentlichen banalen Pressemeldung.

Die Diskussion um Beethovenhalle und Festspielhaus wird im nächsten Jahr viele, die keine politische und finanzielle Verantwortung haben nicht daran hindern, in epischer Breite ihre Meinung zum Thema zu verkünden. Besonders gerne geschieht dies inzwischen mittels Initiativen und Vereinen. Entscheidungen werden weiter verzögert und bevor das große Kulturkonzept vorliegen wird, werden die potentiellen Festspielhaus-Sponsoren mit Rücksicht auf ihre Bilanzen es sich noch mal überlegt haben. Die personelle Spitze der Kulturschaffenden aus Theater und Konzert wird sich neue Pfründe außerhalb Bonns suchen, was Bonn nicht unbedingt nur schaden muss.

Das WCCB wird irgendwann fertig, interessant ist eigentlich nur noch, ob der Kölner Dom es vielleicht vorher schafft, ein komplett saniertes Bauwerk zu sein und die Sparkasse Köln/Bonn als ‚Dombauverein’ oder ‚WCCB-Förderverein’ weiter geführt wird.

Ein Silberstreif ist das Metropol: Hier wurde mal was fertig, wenn auch mit Protest bedingter Verzögerung und es ist auch noch eine Attraktion für die City daraus geworden. Dies stellen natürlich die Unverbesserlichen vollkommen in Abrede und palavern jetzt von ‚barbarischer’ Architektur.

Und so wird deutlich, woran Bonn krankt und leidet: An einer immer größer werdenden Schar ignoranter Besserwisser, die sich zu jedem Thema einbringt, aber nie konstruktive und bezahlbare Lösungen parat hat.

Ein Haushaltssicherungskonzept, bei dem die Bonner finanziell nichts mehr in ihrer Stadt zu sagen haben, könnte da nicht einmal die schlechteste Lösung sein und zur Genesung von der ‚bönnschen Krankheit’ beitragen.
   

Bonner Krankheitsbilder

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Kennedybruecke November 2010 Graurheindorfer Strasse
Eine Brücke wird 'verschlimmbessert'
In Graurheindorf sind sogar die Autos grau
Bahnhofsvorplatz 2010 Bonner Loch
Wo war eigentlich früher das Planungsamt? Stadt-Entrée: Bonner 'Visitenkarte'
metropol metropol
Metropol früher Metropol heute
Beethovenhalle 2010 WCCB November 2010
Das 'alte' Festspielhaus
Das 'neue' Konferenzzentrum