Danke, Sergej Maingardt!
![]() |
| Wenn grober Unfug zu ‚Kunst’ wird: Lärmkiste auf dem Bürgersteig. |
Nimptschman packt aus
Das virtuelle Interview zum Jahresstart 2013:
Das Gespräch fand in der obersten Etage des ursprünglich als Hotel vorgesehenen WCCB-Gebäudes gegenüber dem ehemaligen Bundestag statt.
Die Fragen stellten Harry Hirsch und Gundula Gans.
Bonndirekt: Herr Nimptschman, wie gefällt Ihnen die neue Verlagsadresse von Bonndirekt?

Bonndirekt: Da sind wir doch direkt beim Thema: Was sind denn die wichtigsten Bonner Baustellen in 2013?
Nimptschman: Die Oper, der Bonner Sport-Club und der Stadtrat. Bei diesen drei Themen müssen in diesem Jahr Fakten geschaffen werden.
Bonndirekt: Das überrascht uns jetzt, wir hätten Wichtigeres erwartet. Dann erzählen sie mal, wie es denn so laufen soll.
Nimptschman: Zunächst die Oper: So wie die Oper jetzt aufgestellt ist, ist sie nicht mehr brauchbar. Wer kann sich schon einen Ferrari leisten, wenn er nicht mal mehr das Geld in der Hose hat, um zu tanken.
Wir sollten die Oper komplett verkaufen, am besten an einen reichen Mineralölkonzern und dann für einen Euro monatlich zurückleasen. Auf diese Weise sparen wir die Unterhaltskosten, die jaulende Kulturszene ist beruhigt, die verhassten Mineralölkonzerne können ihr Image aufpolieren und den Preis für die Oper auch noch steuerlich geltend machen.
Dafür kriegt die Bonner Oper dann einen neuen Namen: Shell-Oper oder Ess(o)per oder Total-Oper. Eine Möglichkeit wäre auch, sie an einen Waschmittelkonzern wie Johnson&Johnson oder Henkel zu versilbern, dann könnten wir sie ‚Seifen-Oper’ nennen, was auch schon ein Programmhinweis wäre.

Bonndirekt: Hört sich ziemlich schräg an, was ist denn mit dem Bonner Sport-Club?
Nimptschman: Der BSC ist Bonns Skandalclub Nr. 1 und so etwas wie eine Heimatbühne. Kein Verein in der Region wurde vom zuständigen Verband so oft bestraft und gemaßregelt wie die Bonner Balltreter, kein Verein leistete sich so ausgiebig Funktionärsintrigen, finanzielles Missmanagement und Lachnummern hinter den Kulissen wie dieser Theken- und Stammtischclub, wo sich Großmannssucht, rheinischer Schlendrian und Selbstbesoffenheit die Klinke in die Hand geben.
Deshalb wird der BSC zunächst einmal umbenannt in ‚FC Rat und Verwaltung’. Diesen Verein gab es schon mal zu Zeiten von Oberbürgermeister Daniels, damals kickten in dieser Truppe Leute aus dem Stadtrat und der Stadtverwaltung gemeinsam. Die treten heute mehr gegeneinander an.
Die Auftrittsrechte des umbenannten BSC verkaufen wir an das Nachmittagsprogramm von RTL2, die Einnahmen spenden wir an Pro-Sportstadt Bonn und wenn die Zuschauer schlechten Fussball sehen wollen, können sie gleich zum 1.FC Köln fahren. Dafür spendieren wir ihnen sogar das ‚Grotten-Fussball-Ticket’ für die Hinreise nach Köln. Auf dem Gelände des Sportpark Nord, wo der BSC bisher spielte, bauen wir das Festspielhaus und bringen so die Hochkultur den einfachen Bürgern aus der unmittelbaren Umgebung näher.
Bonndirekt: Das wird ja immer schräger, Herr Nimptschman. Jetzt sind wir aber gespannt, was ihre Perspektiven für den Stadtrat sind.
Nimptschman: Dem Stadtrat wird zunächst ein Fortbildungsprogramm verordnet. Es muss möglich werden, dass Stadträte, die auch in städtischen Aufsichtsräten sitzen, endlich lernen, wie man eine Bilanz liest. Es ist ein Unding, dass man als Stadtverordneter eigentlich keine Qualifikation nachweisen muss und dafür auch noch Sitzungsgelder, Aufwands-entschädigungen, und was es alles an kleinen Vergünstigungen gibt, kassiert. Wer sich nicht fortbildet als Kommunalpolitiker, bekommt auch kein Geld mehr. Oder wir machen Kommunalpolitik zum gut bezahlten Hauptjob, dann bekommt man dafür auch gute Leute mit Sachverstand.
Bonndirekt: Das neue Jahr fängt ja toll an, da hat der General-Anzeiger aber viel zu schreiben.
Nimptschman: Dafür bekommen sie ja auch viele Preise von Organisationen, die vorher keiner kannte und die dadurch sich selber erst in Szene setzen.
Bonndirekt: Da bringen Sie uns aber auf eine Idee: Bonndirekt könnte ja auch einen Journalistenpreis spenden, infrage kommende Bonner Empfänger fallen uns da sofort ein. Andere Frage: Kennen Sie eigentlich den Bonner Oberbürgermeister?
Nimptschman: Nein, ich habe aber von ihm gehört und ihn mal auf einer Zeichnung gesehen.

Bonndirekt: Hier ist ein Foto von ihm. Wie beurteilen Sie ihn?
Nimptschman: Sieht ordentlich aus. Der Mann hat wahrscheinlich den schwierigsten Job in der Stadt und wirkt manchmal etwas verunsichert.
Bonndirekt: Und wenn er verunsichert ist, bestellt er sich Gutachten.
Nimptschman: Ja, was soll er denn machen? Handelt er selbst, droht ihm die schwarz-grüne ‚Fachjury’ mit der Kommunalaufsicht. Handelt er nach Beratung, wird ihm unnötiges Geldausgeben vorgeworfen. An seiner Stelle würde ich den Job aussitzen bis 2014, dann wird ein neuer Stadtrat gewählt und er ist ja noch für ein Jahr länger als Oberbürgermeister gewählt. Dann gilt: Neues Spiel, neues Glück!
Bonndirekt: Tja, Herr Nimptschman, das hört sich ja alles sehr zukunftsträchtig an, was Sie uns da erzählen. Am besten veröffentlichen wir dieses Interview direkt als Satire.
Nimptschman: Ja wie? Ich dachte, Sie wären ein Ableger vom Satiremagazin ‚Titanic’. Für wen arbeiten Sie denn wirklich?
Bonndirekt: Das wissen wir auch nicht und wenn, würden wir es Ihnen bestimmt zuletzt sagen. Trotzdem schönen Dank für das Gespräch. Sie können auch gleich hier zum Fenster wieder rausfliegen.

Text E. Ruckes/Zeichnungen R. Wildermann
Nach dem Interview trafen sich Interviewter und Interviewer noch zu einer gemeinsamen Weinprobe mit den umliegenden Landräten und beschlossen danach, im übernächsten Jahr wieder einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.
Schluss mit Weihnachtsgedudel auf dem Glühweinmarkt!
Von Toni Trunk
Endlich spart die Bonner Verwaltung mal an der richtigen Stelle. In den letzten Jahren wurde das traditionelle Betrinken auf dem Weihnachtsmarkt immer stärker durch die seichten Gesänge von der Bühne gestört. Doch nun hat die Stadt diesem Ohrenschmalz Einhalt geboten und spart sich die 35.000 Euro für die Zurschaustellung von krächzenden Kinderstimmen, schiefen Geigenklängen und sonstigem begleitenden Blockfötengewimmer.
Ganze Schulklassen fielen regelmäßig ein, um auswendig gelerntes ‚besinnliches Liedgut‘ vorzutragen. Sämtlichen Musikschulen und Bläsergruppen wurde hier eine Bühne für öffentliche Zurschaustellung ihrer eingeschränkten Talente geboten. Ab sofort sind stimmungsvolle Trinklieder angesagt!
Nun können sich die Bonner und angereiste Touristen von den britischen Inseln auf die Kernkompetenzen des Marktes besinnen: Geistreiche Getränke alle zwei Stände und als Grundlage geschätzte 20 Bratwurstbuden. Es werden wohl paradiesische Verhältnisse ab dem 23. November herrschen, wenn die Straße am Sterntor nicht mehr von Eltern und Großmüttern verstopft wird, die ihre Blagen beim Absingen irgendwelcher Weisen fotografieren und filmen. Der freudig erregte Weihnachtstrinker kommt nun beim Glühweinhopping schneller von Stand zu Stand. Verfolgt wird er dabei aus den Lautsprechern der Stände durch die anspruchsvollen Weihnachtslieder von Wolfgang Petry, Mickie Krause und anderen Schlagerheinis und -heinos bis hin zu gelegentlichen kölschen Mundartinterpretationen („Mer loosen de Dom en Kölle“).
Auf dem gesparten Platz wird nun eine Kindersammelstelle eingerichtet, damit die Eltern endlich beide Hände zur Aufnahme verschiedener Getränke frei haben. Weitere Freudenbotschaften lassen auch nicht lange auf sich warten: Bei der langen Weihnachtsmarktnacht kann sogar bis 0 Uhr gezecht werden. Bleibt zu hoffen, dass nächstes Jahr noch die öden Stände mit langweiligem Krimskrams wie Christbaumkugeln, Lametta, Fensterschmuck, Kerzen und Räuchermännchen durch weitere Getränkebuden ersetzt werden, damit der Bonner Weihnachtsmarkt endlich den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde schafft: Als größte Glühweintankstelle im südlichen Rheinland.
Pütz & Schmitz

Zeichnung R. Wildermann/Text E. Ruckes
Seite 3 von 9



