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„Piep, piep, piep: Alle hatten sich mal lieb!"

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tag-der-einheit1_1Es war die Megafete in Bonn: Vom 1. bis 3.10.2011 feierten sich in Bonn die Bundesrepublik Deutschland, das Land Nordrhein-Westfalen und natürlich die Bundesstadt Bonn selbst.


Freiheit
Mit einer gigantischen Material- und Organisationsschlacht nahm sich der Staat die Freiheit, seinen BürgerInnen mal zu zeigen, was er unter einer Feier versteht: Klotzen statt Kleckern.

Einheit
Überwiegend einheitlich fiel auch die Bewertung der Veranstaltung aus: Interessantes Angebot, eine gute Organisation, bestens gelaunte Staatsfiguren und eine Wetterlage vom Allerfeinsten.

Freude
Tag der EinheitEs ist zu begrüßen, dass der Staat leutselig mit seinen ‚Untertanen’ feiert und auch mal „einen ausgibt“. Insofern war die grundsätzliche Festidee schon ein Anlaß zur Freude. Die City verwandelte sich in eine ‚Zeltstadt im Bitburger Land’ und getreu dem alten Spruch „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ wandelten die am ersten Tag doch sehr überschaubaren Massen vornehmlich über die gesamtdeutsche Verpflegungsmeile. Die deutsche Einheit dokumentiert sich eben zuerst einmal in der Möglichkeit, überall alles essen und trinken zu können! Und zu einer Riesenfete gehört natürlich ein Umzug, obwohl ein ehemaliges Motto bei der damaligen Bonn-Berlin-Diskussion lautete: „Umzug ist Unfug“. Alles vergessen, im Rheinland lebt man eben im ‚Hier’ und ‚Jetzt’ und das durchgängige Motto lautete diesmal: „Komm loss mer fiere“.

Und sonst?
Für die Stadt Bonn war das Doppelfest auch eine gute Gelegenheit zur Eigenwerbung. Und die Verantwortlichen bei Stadtwerken, Feuerwehr, Polizei und Ordnungsdienst nutzten die Chance und machten einen richtig guten Job. Selbst Demonstranten sind in Bonn irgendwie relaxter, das muß an der Rheinluft liegen.

Tag der Einheit
Die Ordnungsmacht auf dem Weg...
Tag der Einheit
...zum Privateinsatz.
Bemerkenswert: Auch G.A.-Chefredakteur Andreas Tyrock scheint endlich in Bonn angekommen zu sein: Er forderte in einem lesenswerten Kommentar, den Schwung des Festes in den Alltag zu übernehmen und formulierte: „Glückwunsch, Bonn! Morgen heißt es: An die Arbeit, Bonn!“  Mal sehen, wie es weiter geht.

Bei so viel Konsens mußten die faulen Rosinen richtig gesucht werden und man bekommt beinahe ein schlechtes Gewissen, wenn man ein paar kritische Anmerkungen macht:

Während der Bonner Oberbürgermeister im Verein mit Bundes- und LandespolitikerInnen von Balkonen, Plätzen und Bühnen grinste und dabei für Bonn eine gute Figur machte, sah man von der lokalen Politprominenz nicht viel. Das hat ja auch sein Gutes und so kann das peinliche Gejammer der City-Stadt-Verordneten Christiane Overmans (CDU) einmal mehr nichts als Kopfschütteln hervorrufen: In ihrem schwarzen Stadtmagazin ‚downtown’ lamentiert die politische Lichtgestalt über das Fest als ‚politischen Jahrmarkt’ und schwadroniert über „...Einbringung der Stadt als Ort der Debatte in die Förderalismus-diskussion“. Zusätzlich beklagt sie die Schließung öffentlicher Toiletten in der City („Keine stillen Örtchen mehr?“). Bei derart geballter politischer Kompetenz bleibt nur die Frage an Frau Overmans: „Wer hat eigentlich die politische Mehrheit in der Stadt?“

Kopfschütteln auch über die Schnapsidee von City-Marketing, dem Doppelfest noch einen ‚verkaufsoffenen Sonntag’ anzufügen. Der geriet allerdings zum Megaflop, was die Verantwortlichen zu dem Statement verführte, dies sei eben eine Werbeveranstaltung! Wer von den auswärtigen Besuchern kauft in einem solchen Festgetriebe ein paar Schuhe und welche BonnerInnen eine Wohnzimmerlampe im Fachhandel, wenn sie auch sonst in der Stadt sein können?

Merken sollte man sich auch, daß die ‚heilige’ Kuh’ der Bonner Universität, die Hofgartenwiese, zugeplattet wurde (u.a. für einen Ausschank des Bonn-Flüchtlings Friedhelm August Drautzburg!), obwohl sonst andere Veranstaltungen, wie etwa der Circus Roncalli, dort nicht stattfinden dürfen.
Und noch ein Wort zu den Besucherzahlen: Während in der Vorberichterstattung zum dreitägigen Fest abenteuerliche Zahlen von bis zu einer Million (‚Express’) genannt wurden, steht nun die Ziffer 800.000 im Raum. Da sei doch mal wenigstens eine kritische Frage zum Fest erlaubt: Wer zählt so etwas eigentlich und vor allen Dingen wie? Oder wird hier etwas ‚schön’ gerechnet?
Dennoch: Ein sehr gelungenes Fest!
Kommentare (1)
Bonn Fest Olé
1 Freitag, 07. Oktober 2011 um 06:48 Uhr
Michael.Kloeckner
Freude! und alle anderen Fremdwörter für das gleiche Gefühl..... Es hat mir auch gefallen. Aber es bleibt immer der bittere Beigeschmack:
Oder war es doch "panem et circenses". Brot und Spiele für das geschundene Volk??? Hatte ohne Zeifel was davon! Ablenkung von Katastrophenleistungen im Regionalen wie im Bundespolitischen. WCCB und Euro-Rettungssschirm bleiben als Zeichen verantwortundsloser politischer Entscheidungsträger im Kopf. Und von was wird das eigentlich alles bezahlt??? Und dann stelle mir gerade vor, wie das alles bei dem derzeitigen Wetter ausgesehen hätte....