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Der Kommentar zum Thema

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„Shoppen“: Konsumrausch im Legoland-Center

Was läuft denn so im Einzelhandel? Eines läuft auf jeden Fall: Die englische Sprache. Sie beherrscht die Welt des Einkaufens und das beginnt schon mit dem Wort „shopping“. Dieses Wort wird dem Endverbraucher mit gnadenloser Penetranz eingehämmert. „Go shopping, go go“!!!

Auf den Fenstern der Geschäfte kleben aggressive grell-farbene Werbeträger mit der Aufschrift „Sale“ oder „Sold out“ oder für Akademiker das Zeichen „%“. Nach dem Eintritt in ein Kaufhaus verkünden Schilder an der Rolltreppe, wo sich die „mens world“ befindet und wo es „Livingroom“-accessoires gibt. Ich habe weder in London noch in New York, Chicago, Barcelona oder Moskau mal ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Sonderangebot“ oder „Preisrabatt“ gelesen. Was treibt uns eigentlich – auch in Bonn – in diesen Anglizismen-Dschungel? Glauben wir etwa, damit unsere Weltläufigkeit unter Beweis stellen zu können? Bonn bleibt eine provinzielle, sympathische Großstadt, daran ändert auch nichts ein verquastes „shopping-english“ von „low-budget“-Gehirnen aus der Werbe- und Verkaufsbranche.

Und dann das Rabatt-Theater: Kundenkarten, Punkte sammeln, ja sogar die alten schlecht klebenden Rabattmarken gibt es wieder und das sogar in der Apotheke. Und wer bei Mondschein am Freitag, dem 13., kauft, erhält noch 13% Mondrabatt. Natürlich auf die ‚Mondpreise’, die vorher willkürlich hoch gesetzt wurden.

Dabei ist Fakt: Es gibt nichts geschenkt, nicht mal im Geschenkehandel. Besser wären da schon realistische Preise und vor allen Dingen fachkundige Beratung, Service bei Reklamationen und Freundlichkeit. Genau dort liegen auch nach wie vor die Chancen des innerstädtischen Einzelhandels mit seinen gewachsenen Strukturen und einem lebendigen Ambiente, wo man Freunde und Bekannte in der City trifft. In seelenlosen, klinisch-sauberen Fabrikverkaufs-Tempeln findet sich so etwas nicht. Und was nützt ein Gratis-Parkplatz, wenn man vorher ein Vielfaches an Benzin verfahren hat. Da ist selbst die teuerste Tiefgarage noch billiger.

Fazit: Outlet-Center im Dunstkreis dicht besiedelter Regionen sind überflüssig. Sie dienen höchstens als Einkaufs-Mekka für Sparschweine aus der unteren Mittelschicht, befrieden aber sicher die Großmannssucht von kleinen Kommunalpolitikern, deren Blick nicht über die Gemeindegrenze reicht. Das gilt auch für Gelsdorf im Nirwana zwischen Ahrtal und Voreifel.
 

Pütz & Schmitz

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Pütz & Schmitz

Zeichnung R.Wildermann/Text E. Ruckes
   

City Flair

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Einkaufen in Bonn Einkaufen in Bonn
Ist das City-Flair?
Wo ist hier der Flair?
Einkaufen in Bonn Einkaufen in Bonn
"shopping-english" Feel good
Einkaufen in Bonn Einkaufen in Bonn
Zum Weglaufen Wer nichts zu sagen hat, braucht ein Handy
Einkaufen in Bonn Einkaufen in Bonn
City-Flair Lernt (d)englisch im Kaufhof
   

Schoppen bis der Arzt kommt?

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Outlet-Center Gelsdorf
Factory Outlet Center
Retortendorf ?
Prärielandschaft ?
Zweite Wahl ?
Billigheimer ?
In der Nähe von Bonn, in der beschaulichen Grafschaft hinter Rheinbach, konkret auf den Feldern in Gelsdorf, soll ein riesiges Einkaufscenter gebaut werden. Nicht irgendeines, nein, ein „Factory Outlet Center“ soll es diesmal sein, mit weit über 20.000 qm Fläche und einem Umsatz von 50 Millionen Euro. Mitten in der fruchtbaren Kraut- und Rübenlandschaft glauben die Grafschafter Gemeindepolitiker einen starken Drang des Endverbrauchers nach Markenartikeln aller Art, insbesondere im Bekleidungsbereich, erkannt zu haben.

Sechs Factory Outlet Center (FOC) dieser Größe gibt es in Deutschland. Darunter versteht man ein Fabrikverkaufszentrum mit mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche. Fabrikzentrum? Fabriziert wird die Mehrzahl von Markenartikeln eigentlich in China, damit die Gewinnspanne des Handels stimmt. Das Angebot ist im Modebereich überwiegend durch preiswerte Zweite-Wahl- oder Auslaufprodukte gekennzeichnet. Im grenznahen Ausland gibt es Outlet Center in Maasmechelen und Roermond.

Ob der überdimensionierte Einkaufstempel mit dem Namen „Eifel-Ahr-Portal“ überhaupt kommt, ist noch gar nicht sicher. Zwar haben Befürworter und Gegner des FOC jeweils Gutachten vorgelegt, diese enthalten jedoch – wer hätte es vermutet? – gegensätzliche Einschätzungen. Die Gegner erwarten existenz-bedrohende Umsatzeinbrüche und Pleiten, während die Befürworter, die sich nur im Investorenbereich und bei der Grafschafter Kommunalpolitik befinden, eine rosige Zukunft mit Synergieeffekten verkünden.
Der erste Bauabschnitt umfasst 13.000 bis 15.000 Quadratmeter. Davon sollen 3.000 bis 5.000 Quadratmeter für Direktvermarktung regionaler Lebensmittel genutzt werden und der größte Teil für Outlet-Shops. In einem zweiten und dritten Bauabschnitt sind weitere 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche geplant. In geschlossener Phalanx stehen der Rhein-Sieg-Kreis, die Bundesstadt Bonn und die kreisangehörigen Kommunen der geplanten FOC-Ansiedlung entgegen und lehnen sie rundweg ab. Die Bürgermeister der unmittelbar betroffenen Nachbarorte Meckenheim und Rheinbach sprechen von einem ‚Disneyland für Konsumenten’ und von der Gefahr, dass in ihren Städten nur Billigläden verbleiben.

Die zuständigen Behörden im benachbarten Rheinland-Pfalz signalisieren zur Zeit noch Abneigung gegen eine Genehmigung, aber es gibt mit einem ‚Zielabweichungsverfahren’ die Möglichkeit einer Planungsumkehr. Im März 2011 sind Wahlen im benachbarten Bundesland, und in der Politik ist bekanntlich morgen nicht mehr wahr, was gestern noch unumstritten war.