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Pütz & Schmitz

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Pütz & Schmitz im Bayernzelt
Zeichnung: R. Wildermann Text: E. Ruckes
 

Bonner Vergnügen

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Pützchens Markt Pützchens Markt
Das Riesenrad auf der Riesenkirmes Träge Masse
Puetzchen Anstich Pützchens Markt
Lokalprominenz Rettung naht
Beethoven Weihnachtsmarkt
Beim Stadtfest immer dabei Weihnachtsmarkt
Rheinkultur Marathon
Rheinkultur Marathonlauf
Rheinufer bei Rhein in Flammen Rhein in Flammen
Selbstversorger Der Rhein brennt
   

Der Kommentar zum Thema

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Freiluftspektakel

Der Bonner Veranstaltungskalender ist auch 2010 prall gefüllt. Allein in der Innenstadt finden bis zu 200 ‚Events’ statt, wie Festveranstaltungen inzwischen auf ‚denglisch’ genannt werden. Der Münsterplatz ist damit zum Rummelplatz der City geworden.

Hinter der Feier-Freudigkeit stecken vor allen Dingen knallharte finanzielle Interessen der Aussteller und Gewerbetreibenden, aber auch der Stadt Bonn. Bei den Großveranstaltungen „Pützchens Markt“ und „City-Weihnachtsmarkt“ machen die Anbieter von Speisen und Getränken ihren ‚Jahres-Reibach’, von dem sie andere schlecht laufende Kirmesveranstaltungen mitfinanzieren. Und die Stadt kassiert über die Standgebühren ebenfalls prächtig. Dagegen ist eigentlich nichts zu sagen, wäre nur nicht der seit langem fade Beigeschmack, was die Wartelisten für die Betreibung eines Standes angeht. Hier wurde schon vor Jahren reklamiert, auch anderen Standbetreibern einmal eine Chance zu geben. Aber es setzte sich letztlich doch eine Praxis durch, die von manchen als ‚Bonner Klüngel’, anderen als ‚Schausteller-Mafia’ bezeichnet wurde. Die guten und langjährigen Kontakte von Bonner Schaustellern in die Bonner Stadtverwaltung reichten letztlich immer noch aus, dass auf Pützchen und dem Weihnachtsmarkt mehr oder weniger seit vielen Jahren alles beim Alten bleibt und der rheinische Satz weiter gilt: „Mer kennen ons, mer helfen on“ (Wir kennen uns, wir helfen uns). Lediglich die Handwerker- und Weihnachtsbuden erfahren – quasi als ‚Alibi’ – eine gewisse Fluktuation. Andererseits bleibt auch die Frage, was ein häufiger Wechsel eigentlich bringt. Die etablierten Standbetreiber haben schließlich bewiesen, dass sie es können und die Besucher sind zufrieden. Betreiberwechsel um jeden Preis machen also auch keinen Sinn.

Ob die Feier-Freudigkeit in den nächsten Jahren weiter anhält, erscheint fraglich. Zumindest die Veranstaltungen, die ohne Sponsoring nicht auskommen, haben eine ungewisse Zukunft. Dazu zählen natürlich die Konzerte auf der Museumsmeile ebenso wie andere Musikveranstaltungen. Mittelfristig werden sich wohl nur noch Veranstaltungen durchsetzen, die sich aus eigener finanzieller Kraft tragen. Pützchen und der City-Weihnachtsmarkt werden dazu zählen. Die Stadt Bonn sollte dabei aufmerksam auf Qualität achten.
   

Bonner Feste: Masse oder Klasse?

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Puetzchens Markt
BONN
Pützchens Markt
Weihnachtsmarkt
Bonn-Fest
Marathonlauf
Rheinkultur
Rhein in Flammen
Großveranstaltungen ziehen Massen an. Nicht erst seit den Ereignissen der Love-Parade in Duisburg stehen auch in Bonn Form und Gestaltung von Großveranstaltungen auf dem Prüfstand. Oberbürgermeister Nimptsch reagierte schnell und beauftrage verwaltungsintern eine Analyse der Bonner Massenevents. Dabei leistete der Bonner Feuerwehr-Chef ganze Arbeit: Er machte Verbesserungsvorschläge zum Thema Sicherheit, wobei er sich allerdings  bei der Präsentation seiner Verbesserungsforderungen in Form und Ton vergriff.

Neben den berechtigten Sicherheitsbedenken bei solchen Veranstaltungen ist eigentlich auch eine Analyse der Qualität der wichtigsten Großveranstaltungen einmal von Interesse.

Zum Beispiel PÜTZCHENS MARKT:

Das rheinische ‚Münchner Oktoberfest’ ist die bekannteste und beliebteste Kirmes im weiteren Umkreis. Die opulente Ausstattung mit attraktiven  Fahrgeschäften auf Pützchen hat auch einen Grund: Der rechtsrheinische Bonner Stadtbezirk Beuel, zu dem auch Pützchen zählt, beheimatet einige der bekanntesten Schausteller. Bonn ist also eine Hochburg des Schaustellergewerbes und für diese ist Pützchens Markt gleichermaßen ein Heimspiel wie eine Prestigeveranstaltung. Und das zweigeschossige ‚Bayernzelt’, sozusagen die ‚Seele von Pützchens Markt’ sucht ebenfalls seinesgleichen in der rheinischen Kirmeswelt und erfreut sich höchster Beliebtheit bei Besuchern, Kommunalpolitikern und gelegentlich auch auseinandersetzungsfreudigen Rabauken. Trinken steht bei der Mehrheit der Pützchen-Besucher jedenfalls auf Platz ‚1’. Dafür sorgen ebenfalls die vielen ‚Vereinsbuden’, wo beispielsweise Karnevalsvereine ihre Fans um sich Scharen und mit Bierverkauf die Vereinskasse auffrischen. Die Zahl der Ausfälle mit Polizeieinsatz hält sich in Grenzen, aber Pützchens Markt ist nun mal eine Kirmes und keine Kulturveranstaltung.
Wertung:  Eindeutig mehr Masse als Klasse.

Zum Beispiel CITY-WEIHNACHTSMARKT:

Auf Münster-, Bottler- und Friedensplatz läuft seit vielen Jahren ein Szenario unter dem Namen ‚Bonner Weihnachtsmarkt’ ab. Der Markt ist bei Besuchern aus Bonn, der Region und auch aus dem Ausland (England!) recht beliebt. Der Schwerpunkt liegt auch hier auf Essen+Trinken in schlichter Ausstattung (Glühwein, Kölsch, Eierpunch, Reibekuchen, Räuberfleisch und Bratwurst). Die einheitlich dimensionierten Holzbuden mit Kunsthandwerk  vermitteln eindeutig mehr weihnachtliche Stimmung als manche Glühwein-Tankstellen, andererseits wird das Angebot an echtem Kunsthandwerk immer geringer, Industriekitsch ist auf dem Vormarsch.

Das einheimische Weihnachtsmarkt-Publikum ähnelt schon seit Jahren immer mehr dem Publikum auf Pützchens Markt, bzw. es ist das gleiche Publikum, so wie auch die meisten Getränke- und Essstände auf dem Weihnachtsmarkt von den Pützchen-Betreibern gestellt werden. Entsprechend rustikal geht es zu, von vor-weihnachtlicher Besinnlichkeit keine Rede, ein knallhartes Geschäft mit harten Besitzstands-Bandagen und immer mehr sinkendem Niveau.
Wertung: Viel Masse, immer weniger Klasse!

Zum Beispiel MARATHONLAUF:

Eine ganz andere ‚Kundschaft’ als Pützchen oder der Weihnachtsmarkt spricht der alljährlich von der Kölner RheinEnergie gesponserte Marathonlauf an. Hier geht es um Unterhaltung und Spaß – zumindest für die Zuschauer am Wegesrand und am Ziel-Einlauf auf dem Marktplatz. Sicherheitsbedenken und übermäßiger Alkoholkonsum sind bei dieser Veranstaltung Fremdwörter.
Wertung: Verstreute Masse, solide Qualität.

Zum Beispiel BONN-FEST:

Das von City-Marketing auf die Beine gestellte Bonn-Fest hat sich nach schlimmen Anfängen mittlerweile gemausert. Im EXPRESS stand damals zu lesen: „Das Bonn-Fest ist die Fortsetzung von Pützchens Markt in der Innenstadt“. Dieser Satz gilt heute nicht mehr, ein ansprechendes Unterhaltungsprogramm mit Bonner Facetten hat die Veranstaltung spürbar aufgewertet.
Wertung: Masse und ‚Bonner Niveau’.


Zum Beispiel RHEINKULTUR:

Ein langjähriges erfolgreiches Musik-Spektakel besonders für jüngeres Publikum. Dazu eine Spezialität: Alles umsonst. Das zieht zwar Massen, aber auch schwarze Schafe. Inzwischen steht die Rheinkultur auf der Kippe, der ‚Null-Tarif’ ist in Gefahr, ein Ende der Veranstaltung wäre ein Verlust für die Bonner Event-Szene.
Wertung: Viel Masse mit gemischter Qualität.

Zum Beispiel RHEIN IN FLAMMEN:

Die Feuerwerksorgie mit illuminierten Ufern und Lampion-behangenen Schiffen treibt Hunderttausende an den Rhein. Dabei wurden tonnenweise Getränke und alles, was sich zum Grillen eignet, heran geschleppt. Danach sah die Rheinaue immer aus, als hätte ‚Rhein in Flammen’ in der Endenicher Müllverbrennungsanlage stattgefunden. Inzwischen ist die Selbstversorgung verboten und Getränke sind käuflich zu erwerben. Das Publikum ‚dankte’ es mit neuer Abwesenheit.  
Wertung: Immer weniger Masse, auch nicht mehr richtig Klasse.