Bonn Rhein-Sieg


Foto: Innogy

Bonn: Elektromobilität kommt nicht voran

(m.g.) Elektroautos sind in Bonn kaum vorzufinden. In Sachen Elektromobilität tut sich in der Bundesstadt so gut wie nichts. BONNDIREKT hat sich bei der Stadt nach der Zahl der gemeldeten E-Autos erkundigt. Auf den ersten Blick ist die Antwort beeindruckend. „Ende Juni dieses Jahres waren 10.559 Elektrofahrzeuge in Bonn zugelassen“, informiert Andrea Schulte, Sprecherin der Stadt.

Aber „davon sind 10.149 auf die Deutsche Post zuglassen“. Und die sind über ganz Deutschland verteilt. Das heißt, dass in Bonn höchstens 410 private E-Autos auf den Straßen unterwegs sind. Ende letzten Jahres waren in Bonn 255.732 Fahrzeuge zugelassen. E-Autos machen also einen sehr geringen Anteil des motorisierten Verkehrs in der Stadt aus.

Das zeigt sich auch an der Anzahl vorhandener Ladesäulen. In Bonn und einem Umkreis von zehn Kilometern gibt es laut des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gerade einmal 45 öffentliche Ladesäulen mit 93 Ladepunkten. In Hamburg sind es 339 Säulen mit 684 Ladepunkten.

Zwar steht die Stadt dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur positiv gegenüber. Bereits 2016 hatte die Verwaltung im Rahmen des Ratsbeschlusses „Förderung der Elektromobilität aufgrund der Möglichkeiten des Elektromobilitätsgesetzes" darauf hingewiesen, dass sie gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn die Möglichkeit des sukzessiven Aufbaus von Ladeinfrastruktur zu prüfen.

Aber das Vorhaben stößt schnell an seine Grenzen, wie Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt Bonn erklärt. „Der Verkauf des Stroms an den Ladesäulen deckt für den Investor nicht die Investitionskosten.“ Hinzu komme, dass „es ist immer noch nicht ausreichend absehbar wie, sich die Ladetechnologie (Schnellladen / Normalladen) zukünftig entwickelt, und Investitionen, zum Beispiel ausschließlich in Normalladeangebote, deshalb vielleicht verloren sind“.

Hinzu kommt, dass es in den Bonner Straßen sehr eng ist. Das macht es schwer, geeignete Plätze für Ladesäulen zu finden. Außerdem ist die Anzahl der E-Fahrzeuge nach wie vor sehr gering und der Platz für den Aufbau von Ladesäulen und die Umwidmung von Parkplätzen stehe in Konkurrenz zu anderen Nutzungen und Funktionen.

Der BDEW bestätigt die Probleme beim Ausbau der Infrastruktur. „Für die Ladesäulenbetreiber ist das bisher eine Investition in die Zukunft und ein wichtiger Beitrag, um die Energiewende auf die Straße zu bringen. Der Durchbruch der Elektromobilität kann aber erst gelingen, wenn die Automobilindustrie endlich Modelle auf den Markt bringt, die in Preis und Leistung mit Verbrennern konkurrieren können. Angebote im Premiumsegment helfen hier nicht weiter. Da mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zuhause oder am Arbeitsplatz stattfinden, ist zudem wichtig, dass der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur erleichtert wird: durch den Abbau rechtlicher Hürden sowie finanzielle Anreize“, sagt Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Aber auch in NRW kommt der Ausbau der Ladesäulen nicht voran. In den letzten zwei Jahren wurden 3841 Förderanträge bewilligt, landesweit aber nur 171 Ladepunkte auch tatsächlich gebaut und in Betrieb genommen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Bundesweit gingen bei 15.953 Bewilligungen 1033 neue Ladepunkte ans Netz.

19.07.2019