Ein Ruck(es) geht durch Bonn ...


Die ewig ungelöste Frage: Was ist Kunst?

Der Leserbrief „shitstorm“ in den regionalen  Zeitungen, der über den Beethoven-Vergewaltiger Markus Lüpertz herauf gezogen ist, zeigt vor allen Dingen: Die Frage „Was ist Kunst“ ist eine Frage für die Ewigkeit, sie wird nie beantwortet werden. Und auch der geniale Satz von Bertolt Brecht: „Kunst ist, wenn man unter Beifall mitten in die Stube scheisst“ bringt uns nicht weiter. Sie bringt höchstens die Erkenntnis, dass die abgelieferte Arbeit Beifall braucht, um wahrgenommen zu werden.

Es geht nicht darum, ob Lüpertz seine „Trash-Art“ handwerklich solide fertigt oder mit welchem Material er arbeitet, es geht auch nicht darum, ob die Statue hübsch oder hässlich ist, es geht darum, wie man aus Unfähigkeit und Provokation einen Profit generiert. Dieser Profit kann sich in Geld und/oder Ruhm niederschlagen. Will der Künstler ganz auf „Nummer Sicher“ gehen und erfolgreich sein, kanzelt er seine Kritiker auch noch als ungebildete Spiesser ab, die zwar wissen, wie man einen Weihnachtsbaum schmückt, aber von der Ästhetik und der Interpretation eines Kunstwerks vollkommen unbeleckt sind.

„Ich bin für mich zu einer großartigen Lösung gekommen. Wenn andere das nicht verstehen, ist es bedauerlich. Aber vielleicht kommen sie später dahinter“, so Lüpertz im Bonner EXPRESS. Klar, ich habe auch schon großartige Texte geschrieben, für die meine Leser leider zu blöd waren.

Wer mit solch einer verquast-elitären Einstellung auch noch Geld verdient, ist eigentlich auf dem richtigen Weg. Er läuft allerdings Gefahr, von einem nicht unbeträchtlichen Teil nicht ernst genommen zu werden. Dass sich unter umstrittenen Künstlern erstaunlich viele „Professor“ nennen dürfen, wirft ganz andere Fragen auf. Offensichtlich fallen unterdurchschnittlich begabte Handwerker eher durch eine Gesellenprüfung als dass sie bei einer Habilitation scheitern.

Ich finde es gut, dass Lüpertz seinen Sperrmüll im Stadtgarten abstellen darf. Es ist ein positives Zeichen von Toleranz in dieser Stadt, auch wenn sich viele darüber aufregen und das Ordnungsamt an Normalbürger Bussgelder verteilt, wenn sie ihren Unrat öffentlich abstellen. Man sollte „bonnorange“ allerdings darüber informieren, die Statue beim nächsten Abfuhrtermin stehen zu lassen, sonst wird Bonn noch zum Gespött in dieser Republik.

Und Lüpertz? Ach, der Mann ist 73, hoffentlich kann ich in diesem Alter auch noch so clever die Leute veräppeln und damit Geld verdienen.

Und Beethoven? Der geniale Choleriker und Komponist hätte wahrscheinlich Lüpertz in den Hintern getreten oder sie wären zusammen in Beethovens früherer Stammkneipe („Em Höttje“) einen saufen gegangen.