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Zweimal Alaaf! - Tempo 30 - Gängelnde Gutmenschen

Der Karneval steuert auf seinen diesjährigen Höhepunkt zu, da wollen bestimmte Teile aus Politik und Bevölkerung nicht hinten anstehen und liefern gleich eine klassische Lachnummer. ‚Flächendeckend Tempo 30’ in Bonn oder zumindest die Einführung von Tempo 30 auf den Hauptverkehrsstraßen lautet der Beitrag und der ist ein echter Brüller. Und dies in verschiedene Richtungen: Die Befürworter brüllen ihre Aktion in Gremien wie dem Umweltausschuss, die Gegner brüllen vor Wut und manche brüllen vor Lachen über so viel Hirnfreiheit.

Zu den Befürwortern zählen SPD, GRÜNE, die Radfahrerlobby um den ADFC, Teile der Verwaltung und die Schar ‚gängelnder Gut-Menschen’, die nur unser Bestes wollen.

Zu den Gegnern zählen mehrheitlich die CDU, FDP und Bürger Bund, SWB (Bus und Bahn), Taxifahrer, ADAC und die Schar von Beschäftigten, die morgens und abends möglichst schnell zur Arbeit und wieder zurück muss.

Die Straßenverkehrsbehörde weist auf erhebliche Kosten hin: Für Ampel-Anpassung müsse man mit rund 150.000 Euro rechnen, hinzu käme derselbe Betrag für die Vergabe an Fremdfirmen. Außerdem sei eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit aus Lärmschutzgründen nur zulässig, wenn eine erhebliche Belastung für die Anwohner vorliegt, und das bedeutet einen Lärmpegel von mindestens 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts. Zunächst soll es eine einjährige Testphase geben mit dem Ziel, den Lärm auf den stark belasteten Straßen um mehr als zwei Dezibel zu verringern.

Und was ist mit der Kontrolle? Vertrauen ist laut Lenin gut, Kontrolle allerdings besser. Und ohne diese ist das ganze Projekt natürlich zum Scheitern verurteilt, es sei denn, es werden weitere Kontrolleure angeschafft, die wiederum Geld kosten, was bekanntlich in unbegrenztem Maße vorhanden ist. Übrigens: Ende 1998 wies die Kölner Bezirksregierung die Bonner an, eine gerade fertig gestellte Tempo-30-Zone in Bonn-Niederholtorf  aufzuheben und die Kissen und Schilder wieder zu entfernen. Die Begründung lautete unter anderem, dass die Ortsdurchfahrt übersichtlich sei und keinen Unfallschwerpunkt bilde.

Aus den Parteien hört man auch etwas zum Thema ,Tempo 30‘. Arno Hospes (Verkehrspolitischer CDU-Sprecher) "Ich persönlich halte das Projekt für totalen Unsinn." FDP-Verkehrssprecher Frank Thomas: "Wir halten das für eine unnötige, überflüssige Verlangsamung des Verkehrs".

Dagegen Werner Esser (SPD): „Grundsätzlich halte ich es für eine gute Idee, an innerstädtischen Strassen das Tempo zu reduzieren“. Und erst Hartwig Lohmeyer (GRÜNE): Er befürwortet eine flächendeckende Tempo-30-Regelung im Stadtgebiet.
 
Bleibt zu hoffen, dass Autohasser, gängelnde Gutmenschen, Überzeugungsradfahrer mit ihrer Tempo-30-Initiative bei der nächsten Kommunalwahl im Mai genau so abstürzen wie die GRÜNEN mit ihrer Veggi-Initiative bei der letzten Bundestagswahl.

Wir brauchen nicht ständig ideologische Weltverbesserer, die uns realitätsfern erzählen, was für uns gut ist und wie das Leben funktioniert. Von mir aus könnt ihr mit dem Einrad aus dem Zirkus zur Arbeit fahren, zu Hause weiße und braune Eierschalen separat entsorgen, die Heftklammer vom Teebeutel abknipsen und der Wiederverwertung zuführen, ihr könnt Tofu lutschen, nur Äpfel von Streuobstwiesen essen, selbstgezogenen Brennessel-Tee trinken und mit einem Hamsterrad im Keller eigenen Strom erzeugen. Macht was ihr wollt, aber lasst die Mehrheit in Ruhe. Kauft nicht Billig-Grundstücke in der Nähe von Eisenbahngeleisen oder Sportflughäfen und fordert nach dem Einzug Lärmschutzwände oder die Einstellung des Flugbetriebs. Fordert keine Radwege für allein erziehende Mütter mit Migrationshintergrund und beschwert euch nicht über Konzertlärm in der Rheinaue oder den einmal im Jahr stattfindenden Umzug einer Schützenbruderschaft. Lasst uns in Ruhe mit eurem fürsorglichen Egoismus oder zieht einfach weg. Macht es euch so schön, wie ihr es wollt, aber bleibt auch unter euch.

Ihr geht der Mehrheit nur noch elend auf den Senkel und bei der nächsten Kommunalwahl in vier Monaten werden wir euch vorher genau fragen, was ihr vorhabt und danach unsere Wahlentscheidung treffen!