Satire


Pack(t) die Badehose ein

Die Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt“ ist baden gegangen, drei von vier Bonner Stadtbezirken haben sich nicht naß machen lassen von einer populistischen Initiative, die sich in ihrer „David-Rolle“ gegenüber dem Bonner „Goliath“ nahezu suhlte.

Man wird den Eindruck nicht los, dass es den Kurfürstenbad-Anhängern nur indirekt um das marode Planschbecken ging, viel mehr Spass hatten die Godesberger Bademeister daran, die Stadtgesellschaft mal etwas aufzumischen. Das ist ihnen ja auch gelungen, was wiederum erklärt, weshalb sie sich irgendwie als Sieger fühlen. Einen seriösen Politikbeitrag haben sie indes mit ihrem teilweise niveaulosen Kasperle-Theater sicherlich nicht geliefert. Es wird auch für immer ein Geheimnis bleibe, wer von den Befürwortern des Kurfürstenbades in den letzten Jahren oder überhaupt jemals das Bad besucht hat. Ich vermute mal, dass die Mehrzahl der „Ja-Sager“ niemals dort die Badehose angezogen hat. Und da sind wir beim Punkt für das knappe Ergebnis: Unterschwellig mobilisierte der Bürgerentscheid viele Menschen, die mit der aktuellen Situation im Stadtbezirk Bad Godesberg unzufrieden sind und dies teilweise zu recht, aber auch zu unrecht, der Kommunalpolitik zuweisen. Da braucht man dann ein Thema, um „denen da oben“ mal richtig eins auszuwischen. Ist das der Preis für mehr Demokratie und manifestiert sich ‚mehr Demokratie‘ eigentlich in Bürgerentscheiden? Ich habe nie viel gehalten von mehr Bürger-beteiligung zwischen den Wahlterminen. Wozu wählen wir denn unsere politischen Vertreter und wozu haben wir denn eine immer häufiger zu unrecht beschimpfte Verwaltung? Mit Bürgerentscheiden ruft man auch Geister, die man nur schwer wieder los wird. In unseren ach so modernen Zeiten kann die Post ja nicht einmal einen Briefkasten irgendwo aufhängen, ohne dass sich sofort eine Bürgerinitiative gründet, die nachzuweisen versucht, dass der Briefkasten eine allein erziehende Mutter mit Kinderwagen am gefahrlosen Passieren hindere. An allen Ecken und Enden tauchen Klugscheißer auf, die mit ihrem Halbwissen idiotische Vorschläge abliefern, wie unser Miteinander zu regeln sei. Könnt ihr euch nicht ein anderes Hobby suchen? Wie wäre es mit ‚Ikebana‘ an der Volkshochschule oder schafft euch eine Modelleisenbahn an! Dieser Bürgerentscheid, bei dem sich „Ja- und Nein-Sager“ jetzt als Gewinner fühlen, hat in Wirklichkeit zwei Verlierer. Die Ja-Sager haben verloren, weil sie nicht überzeugend waren und die Nein-Sager haben auch nicht gewonnen, weil sie ebenfalls nicht eindrucksvoll überzeugen konnten. Aus „win-win“ wird ganz schnell „loose-loose“. Immerhin haben die Befürworter des Zentralbades aber jetzt die Möglichkeit, ein glaubhaftes und finanziell abgesichertes Konzept vorzulegen. Und wenn sie dies schnell schaffen, lag ich als gebürtiger Godesberger mit meiner Wahlentscheidung richtig: Ich habe gegen das Kurfürstenbad, also mit „Nein“ gestimmt.