Zeitgeist


Das "Geht-immer"-Präsent

Die Flasche Wein: Das-Geht-immer-Präsent

Neulich beklagte sich im Züricher Tages-Anzeiger eine Leserin darüber, dass sie als Dank dafür, ein herrenloses Handy an sich genommen und extra den Besitzer ausfindig gemacht zu haben, nur eine Flasche Portwein bekam. Da waren sie wieder: Die ruhelosen Flaschen, die fast nie getrunken werden, aber ganz schön rumkommen, die man geschenkt bekommt und weiterverschenkt.

Alkoholisches zu verschenken zeugt weder von besonderer Originalität noch von Nachdenken über die Persönlichkeit des Beschenkten. Da wäre zunächst einmal die Einfallslosigkeit an sich: So eine Flasche Wein ist ja oft genug ein ‚Das-geht-immer-Präsent‘, also eine Art kleinster gemeinsamer Nenner und damit in erster Linie: Laaaaaangweilig. Zudem schwingt da latent eine lieblose Botschaft mit, nämlich: „Ich wusste nichts Besseres und vor allem hatte ich keine Lust, mir darüber noch lange Gedanken zu machen. So wichtig bist du mir jetzt auch wieder nicht, sorry, also hier ist die Flasche“. Schön ist das nicht, obwohl: Grundsätzlich meint es jemand, der etwas mitbringt, gut. Es zählt die Geste. Wenn das Schenken oder das Mitbringsel zum Eiertanz wird, bei dem man dauernd befürchten muss, ins Fettnäpfchen zu treten oder das Gegenüber zu verletzen oder zu beleidigen, dann ist das schon etwas erschöpfend. Und was schenken Sie, wenn Ihnen nichts Kreatives einfällt? Schreiben Sie es mal an BONNDIREKT unter redaktion@bonndirekt.de.