Satire


European Song Contest

Musikalischer Schrott für verblödetes Publikum

Von G. Lotzer

Zuerst die gute Nachricht: Der diesjährige ‚European song contest“ (ESC) ist vorbei. Dann noch eine gute Nachricht: Deutschland hat mal wieder nicht gewonnen, wurde immerhin Vorletzter und das ehrt uns. Warum?

Weil es einfach ehrenvoll ist, nicht als Spitze auf einem unsäglichen musikalischen Müllhaufen zu sitzen. Der European Song Contest ist nichts anderes als eine Olympiade von Notenschändern, inszeniert als perfekte Business-Show geldgeiler Veranstaltungshaie und dargestellt von untalentierten Idioten für schwachköpfige TV-Glotzer.

Und hier die schlechten Nachrichten:

Nirgendwo ist besser zu beobachten, wie musikalische Resteverwertung in grenzenlosen Profit umgewandelt wird. Jeder ambitionierte und tanlentierte Amateurmusiker, der sich im subtilem Zusammenwirken von Melodien, komplizierten Akkordfolgen, Rhythmen und Tempi auskennt, hat einen qualitativ höheren Wert als die auf der Bühne herum hampelnden  Schlagerfuzzis, deren musikalische Defizite durch ein wirres Outfit und eine großklotzige Bühnenshow kompensiert wird. ESC ist einfach das intonierte Grauen und wahrscheinlich deshalb beim grauen Massenpublikum auch so beliebt.

Ist es schlimm, wenn Deutschland in diesem Wettbewerb meist zu den herausragenden Verlierern zählt? Überhaupt nicht. Richtig schlimm ist nur, dass es nächstes Jahr zum wiederholten Male eine solche Veranstaltung geben wird. Die einzig sinnvolle Funktion, die der ESC  erfüllt ist diese: Es ist eine Art von  'Ersatzkrieg' in einem ansonsten zersplitterten Europa, das sich aufgrund einer gemeinsamen EU-Mitgliedschaft richtige Kriege nicht mehr leisten darf.

Die „ESC“-Taste oben links auf allen Computertastaturen wird gedrückt, um aus einem Programm zu fliehen.  Auf TV-Fernbedienungen sollte es auch eine spezielle ESC-Taste geben: Beim Drücken erfolgt sofortige Abschaltung des European Song Contest.