Stadtgespräche


Wer zahlt die Zeche für die Umgestaltung im Viktoriakarre?

Die Bürgerwerkstatt ist beendet. Viele Vorschläge für die Neugestaltung des Viktoriakarrees liegen auf dem Tisch. Jetzt warten alle auf die Bewertung durch die Expertenkommission am 30. September. Schon jetzt ist aber klar, dass es bei der „Wundertüte von Vorschlägen“ schwer sein wird, Ende des Monats eine einheitliche Meinung zu finden. Viele Beteiligte sprechen deshalb schon von einem Flop, der nur Zeit gekostet habe. Vor allem die geringe Beteiligung von durch die Neugestaltung wirklich Betroffenen an den Veranstaltungen zeigt, dass die große Masse der Bonner nicht mobilisiert werden konnte. Ablehnung zu den neuen Vorschlägen der vier Planer Büros gab es bereits von den Marktleuten. (siehe Bericht von gestern) Außerdem, so Kritiker, spielte die wichtige Frage, wie die neuen Konzepte finanziert werden sollen, in der Ideenfindung keine Rolle.

So fasst der Kommentar von Friedel Frechen, langjähriger Sprecher der Stadt Bonn, auf Facebook die Situation gut zusammen: „Auch die Frage, wer die Markthalle gewinnbringend betreiben bzw. die Verluste tragen will, ist bislang noch in der Wundertüte versteckt. Die Pläne sind für Investoren weitgehend uninteressant.“

BONNDIREKT hat die wichtigsten Fraktionen im Bonner Stadtrat gefragt, ob die Stadt jetzt selbst die Rolle des Investors übernehmen sollte. Bis auf die SPD, die sich scheinbar noch keine Meinung gebildet und bis zum Redaktionsschluss nicht geantwortet hat, haben alle Parteien Position bezogen.

„Stadt ist nicht der Eigentümer“

„Die Stadt kommt als ein solcher Investor nicht in Frage“, sagt Marcel Schmitt, Fraktionsvorsitzender vom Bürger Bund Bonn. „Die Stadt ist nicht Eigentümer des gesamten Karrees und wird es aus finanziellen wie wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten und der wohl kaum vorhandenen Verkaufsbereitschaft der übrigen Liegenschaftseigner auch nicht werden“, so Schmitt. „Unabhängig von den Plänen der SIGNA halten wir eine Aufwertung des Bereiches durch bauliche Veränderungen für dringend notwendig. Durch Schaffung von mehr Einzelhandel am Standort kann dabei einer mit den neuen Geschäftsflächen vor dem Bahnhof drohenden Schieflage des Zentrumsgefüges entgegen gewirkt werden. Für den Fall, dass im Viktoriaviertel bauliche Umgestaltungen oder Erweiterungen zur Realisierung kommen, sollten sich deren Ausdehnungen am heute in der Umgebung vorhandenen Maß orientieren.“

Unwirtschaftliche Vorschläge

Ähnlich die Sichtweise bei der Bonner CDU. „Wir werden die vermutlich nicht umsetzbaren Pläne zur Kenntnis nehmen. SIGNA wird die so wohl nicht umsetzen und das Vorhaben in geänderter Form anstreben. Unwirtschaftliche Vorschläge wird auch kein privater Investor umsetzen und das kann ich gut verstehen“, sagt Georg Fenninger, Mitglied im Rat der Stadt Bonn und Fraktionsgeschäftsführer der CDU. „Die Stadtverwaltung hat keinerlei Absichten und keine Mittel, um Teile des Karrees selbst zu kaufen und zu bauen. Das dient auch nicht der Daseinsvorsorge. Die CDU ist an weiterem Stillstand nicht interessiert und möchte hier endlich eine tragfähige Lösung.“

Kein Umzug des Stadtmuseums

Für Hartwig Lohmeyer, Planungspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen ist es zu früh, sich mit der Frage nach einem Investor zu beschäftigen. Er spricht sich aber für den Erhalt des Stadtmuseums in dem Bereich aus. Während der Vorstellung der Vorschläge im Remigius-Saal kritisierte er deshalb die Pläne der schwarz-grünen Ratsmehrheit im Stadtrat, das Stadtmuseum zum Kolpinghaus umzusiedeln. Die dafür notwendigen fünf Millionen Euro könnten einem besseren Verwendungszweck zugeführt werden.

Signa soll Investor bleiben

Die Frage nach dem Investor beantwortet Achim Haffner, Fraktionsgeschäftsführer der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Bonn noch deutlicher. Die Frage stelle sich momentan für ihn nicht. Es existiere mit der Firma SIGNA ein solventer Investor, so Haffner. „Es bleibt jetzt abzuwarten, inwieweit Signa die in der Planer-Werkstatt entwickelten Vorschläge umsetzen kann und möchte.“ Wenn die Stadt sich nicht in der Rolle des Investors für die Vorschläge zur Umgestaltung des Karrees sieht und auf der anderen Seite kein Investor für deren Umsetzung gefunden werden kann, droht die Umgestaltung zu scheitern. Dies würde auf Jahre wieder Stillstand bedeuten. Denn hat Bonn schon jahrelang bei den Planungen zur Süd- und Nordüberbauung am Bahnhof erlebt. Die Zeche würde in diesem Fall wieder die Bonner Bürger zahlen.

(MG)