Historisches


Kulturgeschichte: 650 Jahre Pützchens Markt

Mehr als ein simpler Jahrmarkt

(e.b./e.r.) - Aus Anlass des 650. Jubiläums von „Pützchens Markt“ in Bonn-Beuel erschien eine umfassende Kulturgeschichte dieses großen rheinischen Jahrmarktes. herausgegeben. Das Buch umfasst 295 Seiten  mit rund 450 Abbildungen.

Zur Chronik 'Pützchens Markt. 650 Jahre in Bonn am Rhein' haben amhafte Kulturwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler, allesamt Jahrmarktfans, mit unterschiedlichen Aspekten Beiträge verfasst. So handelt das Buch von der Vita und der Verehrung der Heiligen Adelheid von Vilich, die an der Stelle, an der in Pützchen heute noch der kleine Brunnen (= Pützchen!) steht, ein Quellwunder bewirkt haben soll – Ursprung des bis heute lebendig gebliebenen Wallfahrtsgeschehens und des daraus entstandenen Jahrmarktes. Ausführlich wird die Entwicklung des Jahrmarktes beschrieben; einen Schwerpunkt bildet dabei die Ausgestaltung des Jahrmarktes und der Wandel der Schaustellungen seit dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Der „Pluutenmarkt“ (von Plunder = Tuche, Kleider) als bis heute lebendiger Krammarkt am Rande der großen Festwiese und die bis heute in Restformen bestehenden, sich für die fünf Tage öffnenden „Hauswirtschaften“ sind Eigenheiten des Pützchens Markt, die ebenso unter die Lupe genommen werden wie religiöse und profane Bräuche, die diesen Jahrmarkt charakterisieren: Der von Jahr zu Jahr größer werdende Festumzug zum Marktbeginn, der Festgottesdienst am Marktsonntag im großen Bayernzelt, der „Köttzug“ der Schützenbruderschaft und der von den Schaustellern organisierte „Tag der Waisen- und Heimkinder“ am Marktmontag und nicht zuletzt der Musikantenumzug der „Komödianten“, die früher mit ihren Kleinzirkussen und Freiluftarenen das Bild des Jahrmarktes mit prägten.

Wie hat sich das gastronomische Angebot auf Pützchens Markt in den letzten 200 Jahren gewandelt, welche Formen und Bedeutung haben Glücks- und Geschicklichkeitsspiel auf dem Jahrmarkt in den letzten einhundert Jahren gehabt? Dies sind weitere Themen, ebenso wie die kolorierten Postkarten vom Pützchens Markt der Kaiserzeit oder der „Foto-Eisbär“, mit dem man sich noch zu Beginn der 1960er-Jahre auf dem Rummelplatz ablichten lassen konnte. Es wird aber auch mit immer wieder kolportierten Falschinformationen aufgeräumt – etwa zur Beteiligung von Zigeunern am Jahrmarkt als Bärenführer, Wahrsager, Artisten oder Schausteller. Natürlich kommen in dem Buch auch viele Schausteller, Marktbeschicker und Zeitzeugen zu Wort.

Hinter dem Buch steckt mehrjährige Forschungsarbeit: Quellen im Landesarchiv NRW und im Bonner Stadtarchiv wurden erhoben und der gesamte Bestand der seit über 120 Jahren erscheinenden Schausteller-Zeitung “Der Komet“ sowie weitere Zeitungsarchive ausgewertet. Viele Zeitzeugen sind den Aufrufen der Herausgeber gefolgt, haben private Fotografien und Dokumente vom Pützchens Markt zur Verfügung gestellt und persönliche Erinnerungen beigetragen.

Fundiert recherchiert und dokumentiert, bietet das Buch sowohl eine in dieser Form einmalige wissenschaftliche Bestandsaufnahme eines Volksfestes als auch eine kurzweilige Lektüre. Eine Monographie, wie sie bislang nur für wenige bedeutende Volksfeste und Jahrmärkte erstellt worden ist.

'Pützchens Markt. 650 Jahre in Bonn am Rhein'

Herausgegeben von Karl-Heinz Erdmann und Michael H. Faber

Mit Beiträgen von Pia Baumert, Gabriele Dafft, Alois Döring, Karl-Heinz Erdmann, Heribert Faber, Michael H. Faber. Dagmar Hänel, Marco Heinz und Ute Herborg

Bonn, Bouvier Verlag, 2017 / ISBN 978-3-416-04014-3 / 39,90 Euro