Kultur


Fünf Fragen an Dr. Bernhard Spies

Zum Jahresende 2017 beendete Dr. Bernhard Spies seine Tätigkeit als kaufmännischer Geschäftsführer der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Seit 2007 stand er zehn Jahre an der Spitze dieser renommierten Kulturinstitution und führte sie aus einer wirtschaftlich heiklen Situation auf ein aktuell solides kaufmännisches Fundament. In einem Interview beantworte Dr. Spies fünf Fragen von BONNDIREKT. Die Fragen stellte Erwin Ruckes.

1.(Bonndirekt): Bei ihrem Antritt 2007 hatte die Bundeskunsthalle 1,7 Mio Euro Minus, ihr Nachfolger übernimmt Anfang 2018 mit einem Gewinnvortrag von 4-5 Mio. Sind Sie ein Finanzgenie oder nur hartnäckig im Umgang mit dem Finanzamt?

(Dr. Spies): Weder noch, ich bin kein Genie und auch nicht verbohrt im Umgang mit dem Finanzamt. Aber solides und kontrolliertes Planen bei den Finanzen ist natürlich hilfreich. Neue Strukturen und Leitungsfunktionen waren hilfreich. Alle Entscheidungsträger im Haus haben nur etwas bestellt, wenn das Geld dafür auch zur Verfügung stand. Ein elektronisches Rechnungs- und Kontrollsystem, eine strenge Budgetierung haben zu Einsparungen geführt und auch dazu, dass es seit 2009 keine Überschreitungen mehr gegeben hat.

Bei den Besucherschätzungen lagen wir ziemlich genau. Dazu wurde sich auch eines internen Schätzungsgremiums bedient, welches  mit Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen besetzt ist.

80 Prozent der Finanzierung leistet der Bund, dessen Rückhalt wir auch bei der Grundsatzauseinandersetzung mit dem Finanzamt hatten. Das Wissen um die Unterstützung aus Berlin hat unseren ‚langen Atem‘ bei der Durchführung der Finanzamt-Verhandlungen stabil gehalten. In dieser Diskussion ging es um das Umsatzsteuergesetz, welches besagt, dass eine museumsähnliche Einrichtung einem Museum gleichgestellt werden kann. Ein Museum besitzt eine Sammlung, die Bundeskunsthalle besitzt keine. Aber es gab 1995 eine Bescheinigung des Regierungs-präsidenten, dass wir einem Museum gleichgestellt und von der Umsatzsteuer befreit sind. Dagegen haben wir Einspruch eingelegt und geklagt. Vor dem Finanzgericht Köln gab es eine Entscheidung, die besagt: Wir haben keine Sammlung und sind damit zur Umsatzsteuer verpflichtet. Bedeutet: Wir müssen auf die Eintrittsgelder Steuern zahlen, aber wir können für alle Leistungen, die wir einkaufen, die Vorsteuer geltend machen.

Das machte zwei Millionen pro Jahr. Da sich das Verfahren mit dem Finanzamt von 2008 bis 2016 hinzog und es unseren Widerspruch gegen alle Einkommenssteuer-bescheide gegeben hatte, gab es zum Ende der Auseinandersetzung eine Rückzahlung von 21 Millionen Euro plus fünf Millionen Zinsen.

2.    (Bonndirekt): In einer lokalen Tageszeitung stand, dass Sie sich über erneute Konzerte auf dem Museumsplatz anlässlich des Beethovenfestes 2020 freuen würden. Muss man da einen Gesinnungswandel vermuten oder gibt es heute ganz andere Voraussetzungen?

(Dr.Spies): Ich bin nicht gegen Konzerte, aber der Platz rechnete sich ja in der früheren Konzeption nicht. Die Stimmung bei den Konzerten war sicherlich gut, aber es muss ja auch finanziell stimmen.  Wie es da auch im Hinblick auf Beethoven 2020 weiter geht, wird man sehen. Das entscheiden jetzt die Nachfolger.

Man soll den Platz nutzen und dies haben wir in der Vergangenheit mit Außenveranstaltungen auch getan. Wir hatten dieses Jahr auf dem Museumsplatz schon im Persischen Garten mit über 120.000 Besuchern doppelt so viele wie in einer Konzertsaison.

3.(Bonndirekt): Auf den Pressekonferenzen in den letzten Jahren vermittelten Sie und Intendant Rein Wolfs immer ein gut funktionierendes Führungsteam der Bundeskunsthalle. Wie war die Zusammenarbeit im Alltag?

(Dr.Spies): Künstlerische und kaufmännische Leitung der Bundeskunst-halle haben sehr konstruktiv miteinander zusammen gearbeitet. Aber das Konstrukt einer solchen Doppelführung bedeutet auch: „Deckungsgleichheit ist nicht gewollt!“ Bedeutet: Da gibt es natürlich auch Diskussionen oder Konflikte und dies ist gut so. So ein  Haus wie die Bundeskunsthalle muss prüfungsfähig erhalten bleiben und dies funktioniert nur, wenn aller künstlerischer Anspruch auch sauber gerechnet wird.

Umgekehrt kann auch der kaufmännische Leiter kreativ werden und Ideen zur künstlerischen Umsetzung geben: Die ‚Themencafés im Foyer sind auf diese Weise entstanden. Dafür stand Geld zur Verfügung und deshalb habe ich die Umsetzung angeregt.

4.(Bonndirekt): Gibt es im Kulturbereich bei vielen Bürgerinnen und Bürgern eine Gesinnung, die durch „Nimm-Haltung“ und kostenlose Inanspruchnahme angebotener Kulturdarbietungen gekennzeichnet ist? Ist da immer staatliche Kulturfinanzierung geboten?

(Dr.Spies): Mit 10€ im Grundpreis sind wir in Bonn moderat, in Düsseldorf sind es 12€. Wir gewähren außerdem eine Reihe von Nachlässen, die Kunst und Kultur möglichst vielen Menschen Erlebbarkeit ermöglichen sollen. Bundeskultur wird in Deutschland stark finanziert. Meine Sorge zu diesem Thema: Kultur muss aus der Gesellschaft kommen und kommunale Kulturpolitik hat immer weniger Geld für kommunale Einrichtungen wie z. B. Musikschulen oder ortsansässige Kulturinstitutionen. Ich nenne hier mal als Beispiel das ‚Springmaus-Theater‘.

Was ihre Frage nach ‚Nulltarifen‘ angeht: Einladungen zu Ausstellungen kann man auch als Spende verwenden. Wenn ich als Person der Öffentlichkeit, auch als Politiker gratis zu einer Ausstellungseröffnung eingeladen bin, wird es sicherlich gerne gesehen, den regulären Eintrittspreis der Veranstaltung zu spenden.

5.(Bonndirekt): Auf welcher Bank am Rhein finden wir Sie demnächst, wenn Sie mit Weißbrotkrumen die umher schwirrenden Tauben füttern? Im Ernst: Wie und was planen Sie in der Zukunft?

(Dr. Spies): Da ich schon rechtsrheinisch, also auf der Sonnenseite des Rheins wohne muss ich mir diese natürlich nicht ständig von der linken Seite angucken. Und um die Frage ebenfalls ernst zu beantworten: Die Museumslandschaft stellt heutzutage hohe Anforderung an eine effiziente, rechnerisch saubere und damit erfolgreiche Organisation. Meine Erfahrungen in diesem – besonders dem digitalen – Bereich würde ich gerne anderen Kulturinstitutionen vermitteln. Das Thema lautet hier: „Moderne Verwaltung, wie bekommt man die Anforderungen umgesetzt?“

Zur Person:

Bernhard Spies wurde 1950 in Bremen geboren, hat Mathematik und Physik studiert, wurde 1984 in Bonn promoviert. Bevor Spies 2008 sein Amt als Kaufmännischer Geschäftsführer der Bundeskunsthalle antrat, war er unter anderem Direktor des Zentrums für politische Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Dortmund, Direktor für Ausbildung und Berufsausbildung der Industrie- und Handelskammer Rostock, Leiter der Internationalen Gartenschau Rostock, und Projektmanager beim Europäischen Sozialfonds, Erfurt. Spies ist verheiratet, hat fünf Kinder und lebt in Bad Honnef.