Ein Ruck(es) geht durchs Land


Ausblick statt Rückblick

2018: Alles wird besser, nichts wird gut!

Die ersten Jahresrückblicke gibt es im Fernsehen schon in der ersten Dezemberhälfte zu sehen. Aber man sollte das Jahr eigentlich ja nicht vor Silvester loben. Bei BONNDIREKT ist bekanntlich vieles anders. Hier gibt es keinen Jahresrückblick, hier gibt es einen nicht ganz ernst gemeinten Ausblick ins Jahr 2018.  

Denn eines steht in dieser immer wirrer werdenden Welt wohl fest: Zu ertragen sind viele zeitgeistige Kuriositäten ohnehin nur noch mit Ironie, Satire, etwas Spott und manchmal sogar Zynismus.

BONNDIREKT beschreibt deshalb in einer Mischung von Realität und erfundenem Unfug Ereignisse, von denen zu befürchten ist, dass sie eventuell so oder ähnlich eintreten können. Der alltägliche Wahnsinn im Großen und Kleinen, der uns umgibt und meist nervt, kann mitunter aber auch unterhaltsam sein. Und so stellen wir uns 2018 von Januar bis Dezember vor:

Januar

Was wir in 2018 überhaupt nicht mehr haben wollen, sei an drei von unzähligen Beispielen genannt. Dazu zählen u.a.:

# Vollkommen verhaltensgestörte, sogenannte Helikopter-Eltern, die ihren verhätschelten Nachwuchs mit dem Achtzylinder-SUV in den Klassenraum fahren, nicht parken und wenden können, zu Hause zur Rettung der Umwelt weiße und braune Eierschalen trennen und sich als ‚Gutmenschen‘ in der Kommunalpolitik oder im „Verein zur Schaffung von Radwegen nur für allein erziehende Mütter“ engagieren.

# Wir wollen auch keine ökologisch angehauchten Junglehrer-Ehepaare, die sich für 0,50 Cent pro Quadratmeter ein Grundstück an der Autobahn kaufen, dort bauen und nach Fertigstellung des Hauses sofort eine Lärmschutzwand auf Kosten der Allgemeinheit fordern.

# Wir wollen auch nicht  zur Zahlung von Fernsehgebühren gezwungen werden, die uns einen nicht mehr zu überbietenden „Helene-Fischer-Musik-Schrott“ aufdrängen, Rate- und Talkshows für  Debile senden und wir wollen vor allen Dingen wissen, was die Akteure in diesen Sendungen daran verdienen: Von den ModeratorInnen über  musikalische NotenschänderInnen bis zu den Rate- und DiskussionsteilnehmerInnen.

# Wir wollen vieles nicht mehr in diesem Staat, der uns im Deckmantel der Fürsorge daher kommt, dabei Altersarmut fördert und gleichzeitig die Leistungskraft des Mittelstands für zweifelhafte Finanzierungen missbraucht..

Das reicht zunächst als Auftakt, wenden wir uns doch mal den Ereignissen zu, die in Bonn und der Region im neuen Jahr stattfinden oder hoffentlich auch nicht.

Februar

Nachdem das Weihnachtsgeschäft für den Bonner Einzelhandel dank vieler Straßenbaustellen, teilweise geschlossener Parkhäuser und rigoroser Verfolgung falsch parkender Autos durch die Verwaltung eher bescheiden ausfiel, startet City-Marketing jetzt eine bashing-Initiative gegenüber den großen Versandhäusern und dem Konsumverhalten insbesondere der jüngeren Endverbraucher, weil dies die Hauptursachen der Absatzschwierigkeiten im stationären Einzelhandel sind.

Dreimal in der Woche wird irgendein Konsumartikel bei Amazon und Konsorten bestellt und wieder zurück geschickt. Damit werden Lieferverkehre multipliziert und Straßen bis in Randbezirke verstopft. Und neben den schon länger agierenden Pizzadiensten bieten jetzt auch große Lebensmittelketten wie REWE die Möglichkeit, sich 200 Gramm Kartoffelsalat, eine Tube Senf, Zahnstocher und eine halbe Flasche Prosecco nach Hause liefern zu lassen. Die moderne Generation koch-unfähiger Hypster nimmt so etwas schon vermehrt in Anspruch.

Alles lässt man sich bringen, als Folge veröden tagsüber die Innenstädte und nur noch bei einsetzender Dunkelheit bevölkert sich die City zum ‚Feiern‘ oder ‚Chillen“, gelegentlich auch zu kleineren Raubtaten. City-Marketing schlägt deshalb von Montag bis Freitag eine Ausgangssperre von 24 bis 06.Uhr vor und weist darauf hin, dass internationale Versandhäuser wie Amazon ihre Mini-Steuern überwiegend in anderen Ländern zahlen und nicht dort, wo sie ihre Gewinne machen und die Straßen verstopfen. Ein Mitglied der Bonner Einzelhandelsszene, das nicht genannt werden will, formuliert es so: „Man könnte auch sagen, wer bei großen Versandhändlern kauft, unterstützt mehr oder weniger eine kriminelle Vereinigung“. Nicht nett gesagt, aber irgendwie ist was dran!

März

Der Bonn-Bad Godesberger politische Aktionskünstler Axel Bergfeld („Viva Viktoria“ / „Rettet das Kurfürstenbad“)  gründet eine neue Bürgerinitiative zur Wiederherstellung des Bad Godesberger Draitschbrunnen an. Die Initiative trägt den Namen „Wasser marsch!“ und verfügt schon kurze Zeit nach ihrer Gründung über 17 Mitglieder. Bergfeld: „In Bad Godesberg werden Bäder geschlossen und Godesberger Mineralwasser gibt es auch schon lange nicht mehr. Womit soll der Zusatz ‚Bad‘ im Namen Godesbergs eigentlich noch begründet werden?“  Wenn genügend Unterschriften gesammelt sind, kündigt Bergfeld einen Bürgerentscheid zur Aufnahme von Brunnenbohrungen an.

April

Die Bonner Karnevalisten sind sich traditionell uneinig, schließlich ist Karneval eine ernste Sache und Humor muss korrekt verwaltet werden, ähnlich wie der Brandschutz. Zuletzt gab es Ärger um den Rosenmontagszug und die Frage,  wie man mit dem von Tierschützern geforderten Teilnahme-Verbot für Pferde umgehen sollte. Der Festausschuss „Bonner Karneval“ mit seiner Vize-Spaßbremse Stephan Eisel legte eine „Pferde-Verordnung“ vor und initiierte damit das Ende der traditionellen Rösser-Paraden im Zug.

Für einzelne Karnevalsgesellschaften ist der Festausschuss dasselbe, was für manche Ärzte die ‚Kassenärztliche Vereinigung‘ ist: Ein ungeliebter Lobby-Vormund, auf den man gerne verzichten würde. Nach Informationen des BONNDIREKT-Karnevalsreporters A.Laaf wird man sich für den nächsten Rosenmontagszug auf einen Kompromiss einigen: Im Zug gehen nur noch Holzpferde mit und damit gäbe es wenigstens beim Anblick herumhoppelnder uniformierter Karnevalsreiter mal was Richtiges zu lachen. Die Riege der Hardcore-Tierschützer hat allerdings auch dagegen Protest eingelegt, weil sie damit „Die Rolle des Pferdes in der Gesellschaft“ verunglimpft sieht.

Mai

Der Bonn-Bad Godesberger politische Aktionskünstler Axel Bergfeld („Viva Viktoria“ / „Rettet das Kurfürstenbad“ / „Wasser marsch“) fordert den sofortigen Rücktritt vom Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan, kurz OBAS genannt. Er wirft OBAS manipulierte Informationspolitik bei den Themen „Neues Zentralbad“ und „ViktoriaKarrée“ vor.

Erreicht die Bürgerinitiative mit dem Namen „OBAS muss weg“ das notwendige Quorum, will Bergfeld den OB per Bürgerentscheid abwählen lassen.

Juni

Der 1.FC Köln und der Bonner SC sind beide aus ihren Ligen abgestiegen, spielen demnächst zweit- bzw. fünftklassig. Ein guter Grund für eine Fusion beider Vereine unter dem Namen 1.SC Köln/Bonn. Nach der Sparkasse Köln/Bonn, der Volksbank Köln/Bonn und dem Flughafen Köln/Bonn wird das sicherlich die vierte Köln-Bonner Erfolgsnummer.

Juli

Klima und Umweltschutz sind zum beherrschenden Thema geworden. Das bedeutet: ‚Prima Klima‘ auch in Bonn. Bei der Klimakonferenz im November 2017 wurden die Teilnehmer mit Elektrobussen aus der ganzen Republik vom neuen Bahnhof hinter der Museumsmeile zum WCCB in die Rheinaue gekarrt. Das klappte wunderbar, weil die Busse die 500 Meter mehrmals am Tage problemlos schafften.

In der Praxis des alltäglichen Linienverkehrs sieht das schon anders aus. Die sechs E-Busse der Stadtwerke Bonn verbringen mehr Zeit in der Werkstatt als auf der Straße und ihre Kilometer-Reichweite ist sehr überschaubar. Das soll sich jetzt ändern: Die SWB planen im neuen Jahr die Anschaffung von 100 Elektrobussen und ebenfalls 100 Ladestationen rund um Bonn an der Peripherie, damit die Busse dort ständig geladen und mit ausreichender Akku-Kapazität umweltfreundlich durch Bonn fahren können.

Weil das aktuelle Stromnetz für den anfallenden Strombedarf aber nicht ausreicht, wird der Strom an den Ladestationen direkt erzeugt: Dies geschieht mit von Dieselmotoren betriebenen Strom-Erzeugern. Dazu werden die Dieselmotoren der vorhandenen Busse ausgebaut und finden so eine kostengünstige neue Verwendung.  Der Umwelt schadet dies nicht mehr als vorher, weil der Feinstaub-Ausstoß gleich bleibt und es egal ist, ob die Dieselmotoren zur Fortbewegung oder zur Stromerzeugung verwendet werden. Für das Image Bonns als Klimastadt machen die E-Busse natürlich eine bessere Figur und wirken deeskalierend auf Umwelt-Aktivisten.

Für die motorlosen alten Busse gibt es ebenfalls eine neue Verwendung: Sie dienen nach Einstellung der Briefzustellung durch die Post zukünftig als stationäre Abholstationen für Briefe und Päkchen und stehen fußläufig auf den Parkplätzen der zahlreichen Supermärkte in Bonn.

August

Der Wachtberger Gemeinderat („Drachenparlament“) beschließt mit einer knappen 20:19-Mehrheit seine Selbstauflösung. In einem Schreiben an Bezirksregierung und Kommunalaufsicht nennt er als Begründung: „Wir schaffen es nicht, weil wir es nicht können“. Regierungspräsidentin Walsken entspricht der Bitte um Selbstauflösung und ernennt einen ehemaligen Beigeordneten zum „Gemeindeverweser“ von Wachtberg. Daraufhin treten die Bürgermeisterin, der erst 2017 gewählte Beigeordnete und die Kämmerin ebenfalls zurück.

Das frühere Gemeinderatsmitglied Kleikamp (CDU) erklärt noch am gleichen Tag seine Bereitschaft zur nächsten Bürgermeisterkandidatur, wenn man ihn darum bitten sollte. Sollte er allerdings nicht gebeten werden, stände er trotzdem zur Verfügung.

September

Die Verkaufszahlen von Bonns führender Tageszeitung sinken seit Jahren kontinuierlich. Angestrebte Kooperationen mit anderen Zeitungsverlagen gestalten sich schwierig, weil auch diese mit der Internet-Konkurrenz kämpfen und das Kartellamt eventuelle Zeitungsfusionen misstrauisch beäugt. In diesem Zusammenhang sorgte das „1-Euro“-Übernahmeangebot von BONNDIREKT an den GA für Heiterkeit  in der Bonner Leserschaft und für Heiserkeit bei Bonns führender Tageszeitung.

Oktober

‚Pützchens Markt‘ und der Bonner Weihnachtsmarkt fusionieren. Schon seit vielen Jahren handelt es sich bei den führenden Fress- und Saufbuden-betreibern ja um die gleichen Anbieter, da hilft auch keine Ausschreibung. Damit sich das Ganze für die notleidenden Schausteller lohnt, werden die Buden  zukünftig unmittelbar  nach Abschluss von Pützchens Markt auf Bottler-, Friedens- und Münsterplatz aufgebaut. Der Markt nennt sich dann ‚Rheinischer Markt‘, bleibt auch über das Bonn-Fest stehen und nennt sich ab 11.11. ‘Karnevalsmarkt‘. Am Totensonntag bleib der Markt ebenfalls geöffnet, statt Karnevalsliedern werden gregorianische Choräle abgespielt und nur alkoholfreier Glühwein sowie glutenfreie Reibekuchen angeboten.

Ab Montag nach dem Totensonntag heißt der Markt dann ‚Weihnachtsmarkt‘ und bleibt auch über die Weihnachtstage geöffnet. Neue Attraktionen wie das aus Nürnberg stammende „Lebkuchen-Synchron-Weitwerfen“ verleihen dem Weihnachtsmarkt zusätzlichen Freizeitspaß.

Sylvester ist wegen Inventur geschlossen und ab Neujahr nennt sich der Markt dann wieder ‚Karnevalsmarkt‘. Auf diese Weise wird den Besuchern der Innenstadt über rund fünfeinhalb Monate anspruchsvolle Unterhaltung und Gastronomie wie auf ‚Pützchens Markt‘ garantiert. Diese Regelung gilt zunächst nur während der zweijährigen Umbauzeit des Bonner Münsters. Aber was im Rheinland zweimal hintereinander stattgefunden hat, ist ja bereits Tradition und an Traditionen wird hier nicht gerüttelt.

November

Die Kosten für die Renovierung der Beethovenhalle haben immer noch nicht den Finanzierungsnachschlag des Berliner Flughafens und des Stuttgarter Bahnhofs erreicht. Aber in Bezug auf zeitliche Verzögerung liegen die Bonner gegenüber den anderen Krisenbaustellen ganz gut im Rennen.

In Zockerkreisen werden gegenwärtig Wetten abgeschlossen, welcher Bau zuerst fertig wird: Der Berliner Flughafen, der Stuttgarter Bahnhof, die Bonner Beethovenhalle oder der Kölner Dom. Die meisten Wetter rechnen damit, dass der Kölner Dom zuerst fertig wird. Entsprechend niedrig ist seine Gewinnquote für Zocker, während die an der Renovierung der Beethovenhalle beteiligten Baufirmen reichlich verdienen werden.

Dezember

Der Bonn-Bad Godesberger politische Aktionskünstler Axel Bergfeld („Viva Viktoria“ / „Rettet das Kurfürstenbad“ / „Wasser marsch“ / „OBAS muss weg“)  gründet eine fünfte Bürgerinitiative unter dem Namen „Freies Bad Godesberg“. Damit beabsichtigt er eine kommunale Neuordnung, in der Bad Godesberg als von Bonn unabhängige Stadt sich wieder selbst regiert.

Auch bei dieser Initiative wird ein Bürgerentscheid angestrebt, egal welche politische Ebene letztlich zuständig ist und ob ein solches Bürgerbegehren überhaupt rechtlich zulässig ist. Bergfeld hat da unterbewusst Katalonien im Kopf und ist wild entschlossen, Bad Godesberg aus den Klauen der alten Stadt Bonn zu befreien. Nach der Veröffentlichung eines Gutachtens der Landesregierung über „Verfassungswidrige separatistische Aktivitäten“ flüchtet Bergfeld nach Brüssel und eröffnet dort einen weiteren Bio-Laden.