Bonn Rhein-Sieg


Kaiserpassage vor dem Aus?

Tote Hose am Abend

(m.g.) Geschlossene Rolltore: So präsentiert sich die Kaiserpassage seit Mitte Dezember abends ab 21.00 Uhr sowie an Sonn-und Feiertagen den Bonner Stadtbesuchern. Kurz vor Weihnachten erhielten die Mieter Post vom Verwalter DGIM aus Düsseldorf. In dem Schreiben, dass BONNDIREKT vorliegt, wurden sie einen Tag vor Umsetzung der Maßnahme im Auftrag des Eigentümers ZURICH informiert. Ein Ansprechpartner bei der DGIM oder eine Telefonnummer für Rückfragen sucht man auf dem Schreiben vergeblich. Gute Kommunikation mit den Mietern sieht sicherlich anders aus.

Aller Protest der Mieter gegen die Schließung half bislang nichts. Auf Nachfrage von BONNDIREKT äußert sich Werner Haller, Mitarbeiter bei der ZURICH-Unternehmenskommunikation. „Wir sind von unseren Mietern darauf angesprochen worden, dass sich immer mehr Obdachlose in der Passage rumtreiben. In unseren Augen ist die Schließung deshalb die richtige Maßnahme und wir stehen dazu". Dass sich die Obdachlosen-Szene durch die Baumaßnahmen am Bonner Loch neue Aufenthaltsräume gesucht hat, ist sicherlich unstrittig. Eine Schließung der Passage, die bislang täglich bis 23 Uhr zugänglich war, sei unsinnig, so ein Mieter. Schließlich sei es nur im Mittelbereich der Passage an den Aufzügen möglich sich im Untergeschoss zu verstecken, um beispielsweise nachts in der Passage zu übernachten. Bei einem Rundgang sei es für einen Sicherheitsdienst leicht, Obdachlose vor Schließung aufzuspüren.

Keine Platzverweise

Und auch die Aussage von Haller, dass man den Sicherheitsdienst angewiesen habe, die Obdachlosen ständig im Auge zu behalten, wird von den Mietern bezweifelt. So wurden bislang in solchen Fällen weder die Polizei eingeschaltet noch Platzverweise erteilt. Wäre dies geschehen, wusste man auch bei der Stadt Bonn von dem Problem. Aber ohne entsprechende Meldungen sieht sich die Stadt nicht in der Verantwortung. „Da es sich bei der Kaiserpassage um Privatgelände handelt, kann und wird der Stadtordnungsdienst dort nicht kontrollieren. Die Stadt ist auch keine Miteigentümerin", erklärt Stefanie Zießnitz, Mitarbeiterin des Presseamtes der Stadt.

Passage verliert weiter an Boden

Die Schließung hat zur Folge, dass die Bonner seitdem nicht mehr abends und an Wochenenden durch die Passage bummeln können, wodurch die verbliebenen Geschäfte weiter an Aufmerksamkeit verlieren. Schon seit Jahren glänzt die Kaiserpassage mehr durch Leerstand als durch ein attraktives Warenangebot. Ein neues Problem der Schließungen ist, dass jetzt auch kein Gastronom mehr die Möglichkeit hat, sich bei den Öffnungszeiten dort sinnvoll anzusiedeln. Das Ergebnis ist bereits sichtbar: Das Café Giornale, neben dem dm-Markt und der Hofgarten-Apotheke der Frequenzbringer in den Abendstunden, ist seitdem geschlossen. Wie sich die letzten Geschäfte in der Kaiserpassage mit der Strategie des Eigentümers im zunehmenden Konkurrenzkampf mit der neuen Nord- und Südüberbauung zukünftig behaupten sollen, bleibt unbeantwortet. Weitere Geschäftsaufgaben in der Kaiserpassage werden deshalb erwartet.