Bonn Rhein-Sieg


Abzocke bei Mieten: Das Geschäft mit den Studenten

(m.g.) Saftige 20,60 Euro Miete sollen Flüchtlinge mit einem Job pro Quadratmeter für ihre Unterkunft in einem Container in Bornheim zahlen. Das sind Villenpreise. Aber so manche Studenten in der Bonner Innenstadt würden eine solche Miete begrüßen. Denn: Oft müssen sie noch deutlich mehr für eine Unterkunft berappen.

So berichten Bonner Studenten beispielsweise von einem Haus in der Nähe vom Juridicum. Dort werden 400 Euro Monatsmiete für ein möbliertes Zimmer mit zwölf Quadratmetern verlangt. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von 33,33 Euro. Für die körperliche Hygiene und den Toilettengang gibt es ein Etagenbad. Insgesamt werden dort mehr als zehn solcher Wohneinheiten an Studenten vermietet. Entstanden sind diese durch die Auflösung der Etagenwohnungen, die sich ursprünglich in dem Haus befanden. Die Mietpreisbremse greift hier nicht, da möblierte Zimmer vermietet werden.

Das ist schon eine heftige Sache. Das meint auch der Bonner Mieterbund. „Die Immobilie befindet sich im Stadtgebiet Bonn-Mitte. Wenn wir den aktuellen Mietspiegel Bonns zur Grundlage nehmen, besagt dieser, dass die Miete für eine 20 Quadratmeter Wohnung in dieser Gegend bei rund 220 Euro liegt“, sagt Heike Keilhofer, Sprecherin des Mieterbundes. Und für eine Wohnung von 120 Quadratmeter fällt eine Miete von rund 980 Euro an. Zehn der Studentenzimmer haben zusammen 120 Quadratmeter. Die Mieteinnahmen dafür belaufen sich auf 4000 Euro.

Bernhard von Grünberg, Vorsitzender des Mieterbundes, kritisiert hier, dass die Stadt ihre Augen verschließt. „Sie prüft überhaupt nicht, wie die Wohnungssituation in den einzelnen Gegenden Bonns ist“, so von Grünberg. „Denn wenn die Stadtverwaltung hier einen Wohnungsmangel feststellen würde, könnte der Sachverhalt als eine Ausnutzung einer Wohnungsmangellage ausgelegt werden, was eine Ordnungswidrigkeit ist.“

Helmut Hergarten, Hauptgeschäftsführer des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Bonn/Rhein-Sieg, meint dazu: „Grundsätzlich können wir da nichts sagen. Schließlich darf jeder mit seiner Immobilie machen, was er will. Aber was mir hier bitter aufstößt, sind die zwölf Quadratmeter pro Wohneinheit. Das ist ja wie eine Legebatterie für Hühner. Unsere Studenten haben eine bessere Lebensqualität verdient.“