Essen+Trinken


Kochendes Fernsehen

Garantiert ohne Kochgerüche

Von Bernd Brühwurst

Im Fernsehen geht es heiß her: Eine ganze Armada von Sterneköchen und sonstigen Saucenschwengel schneidet, schnibbelt, raspelt und siebt auf Brettern und Tellern. Es wird gerührt und geschlagen, Lebensmittel werden in Töpfe geschüttet  und in Pfannen  und auf Rosten wird gebruzzelt, gesiedet, gegart. Dabei wird jede Art von Küchentätigkeit überlagert von labern, labern und nochmals labern.

Kochen kann so lustig sein, das bewiesen schon der bebrillte Sauerkraut-Schnäuzer Horst Lichter („Isch tue jetzt dat Sösschen mit dem Löffelchen in dat Schüsselchen") und sein österreichischer Kollege Johann Lafer, der uns inzwischen von Majonaisentuben, Marmeladen und  Küchenrollen angrinst.

Beide dampfplaudern mit Prominenten aus der Kategorie „C“ und köcheln dabei irgendwas zusammen, was das klatschfreudige Studiopublikum zwar nicht satt macht, aber unterhält. Dafür müssen die Livebesucher des Koch-Theaters an der richtigen Stelle klatschen, nämlich dann, wenn auf der für Fernsehzuschauer unsichtbaren elektronischen Anzeigetafel das Wort „Applaus" aufleuchtet. Zum Schluss bekommen alle noch einen Teller Suppe und können zu Hause erzählen “Isch wor jestern em Fernsehen. Häste misch jesehn?“.

Wieso gucken eigentlich so viele Zuschauer „Koch-Fernsehen", obwohl sie ja nichts riechen oder schmecken, eben nur zusehen können? Und vor allen Dingen: Wer guckt diese digitalen Rühr- und Bruzzel-Orgien? Sind es junge oder auch ältere Arbeitslose, die sich mit der 1,5-Flasche Cola vom Discounter und zwei Tüten Chips auf dem Ikea-Sofa vor der Glotze lümmeln, sind es frustrierte Hausfrauen, die nicht kochen können und sich angeblich Rezepte notieren, in Wirklichkeit aber Fans von den eingeladenen „C"-Promis sind?

Oder sind es Veganer, für die der Anblick von Lichters geschmortem Rollbraten eine Selbstgeißelung darstellt? Wir wissen es nicht, wir kennen nur die Einschaltquoten, diese sind nicht schlecht, sonst gäbe es auf Fernsehkanälen nicht so viele Kochshows.

Eine besondere Variante in den TV-Küchen sind die „Rettungsköche". Halbwegs bekannte, auch mit Sternen bestickte Koch-Artisten wie Frank Rosin retten vor dem Ruin stehende Restaurants mit Rat, Tat und lockeren Sprüchen. Eigentlich haben diese Lokale ihr „Aus“ verdient und dem unbedarften Fernsehzuschauer wird deutlich, was er schon immer heimlich vermutet hatte: In vielen Gaststättenküchen stehen Figuren am Herd, die vorher erfolglos Gebrauchtwagen verkauft haben und jetzt in ihrem Zweitjob mit Lebensmittel hantieren wie ein Einarmiger beim Geige spielen.   

Und um mal wieder Vorurteile bedienen zu können – die meisten Vorurteile entstehen ja aus einem bestimmten Anteil Wahrheit – wurde neulich ein griechisches Lokal vorgeführt, in dem der „Patron" weder kochen, rechnen noch überhaupt arbeiten konnte, sondern mit der Zigarette in der Hand vor seinem Lokal sitzend vom griechischen Müßiggang träumte, während der Rest der Familie erfolglos für die spärliche Kundschaft planlos in der Küche herumlief.

Bei so viel „real soap“ fällt mir als notorischer Restaurantgänger wieder ein, dass ich mir schon vor vielen Jahren geschworen hatte, niemals mehr ein griechisches Lokal zu betreten. In diesen Tavernen konnte man in den sechziger/siebziger Jahren zwar mit wenig Geld und viel Ouzo von der Weltrevolution träumen, aber richtig geschmeckt hat es mir in diesen Weisskraut-Verfütterungsanlagen nie.

Im Fernsehen geht aber auch die Rettung eines maroden griechischen Restaurant gut aus: Am Ende der Sendung sind alle Testesser zufrieden, wobei unklar bleibt, ob es sich bei diesen um ausgehungerte Freigänger handelte oder Losgewinner, die zuvor in den oben beschriebenen Koch-Talkshows ein Freilos gezogen haben.

Unklar bleibt auch, wer eventuell Kochsendungen im Fernsehen sponsert: Da kloppen sich wohl Lebensmittelkonzerne und Medikamentenhersteller um den Platz an der Sonne.

Mein Tipp: Bei der nächsten Kochsendung einfach den Fernseher abstellen, eine CD auflegen, in die Küche gehen und mit Genuss und Freude selber kochen. Dazu empfehle ich natürlich – egal an welchem Gericht Sie sich gerade versuchen - einen trockenen Riesling aus der Pfalz und/oder einen Merlot aus Südfrankreich.