Bonn Rhein-Sieg


Graffiti nervt - gehört in Bonn aber zum Alltag

(m.g.) Kaum stand der weiße Bauzaun um das Uni Hauptgebäude am Hofgarten passierte das, was zu erwarten war. Unbekannte beschmierten ihn von oben bis unten mit Graffiti. Überrascht hat das keinen. „Erstaunlich wäre es gewesen, wenn der Zaun nicht sofort beschmiert worden wäre,“ meint eine Passantin kopfschüttelnd.

Für die Bonner sind sie mittlerweile zum Alltag geworden. Illegale Graffiti. Aber gewöhnen können sie sich nicht daran. Da muss man nur einmal bei den Stadtwerken nachfragen. „Die 800 Bus- und 81 Bahnhaltestellen sowie die 99 Schienenfahrzeuge und 190 Busse der SWB Bus und Bahn sind immer wieder Ziel der Sprayer“, erklärt Michael Henseler Sprecher der Bonner Stadtwerke. Und die Kosten der Beseitigung sind horrend und werden letztendlich vom Kunden getragen.

„Für 2017 haben wir die Zahlen noch nicht. Aber von 2012 bis 2015 haben die Stadtwerke jährlich rund 270.000 Euro ausgegeben, um das Graffiti wieder zu entfernen. 2016 waren es 220.000 Euro“, so Henseler. Bei Haus & Grund Bonn hat man schon lange aufgehört, sich darüber aufzuregen. „Da kann man Nichts machen, dem ist der Hausbesitzer hilflos ausgeliefert“, sagt Helmut Hergarten, Hauptgeschäftsführer des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Bonn/Rhein-Sieg.

Das Ganze sei ein frustrierendes Thema. „Wenn sich Mitglieder mit einem Graffiti Problem an uns wenden, empfehlen wir nur, das Graffiti so schnell wie möglich zu entfernen und bei der Polizei Anzeige zu erstatten.“ Das mit dem Graffiti in Bonn sei schrecklich. „Wenn man zum Beispiel die Kölnstraße betrachtet, ist es schlimm zu sehen, wie viel gesprayt wird“, so Hergarten. „Und das Schlimme ist, dass die Sprayer nicht gefasst werden. Der Polizei kann man da keine Vorwürfe machen. Und in der ganzen Stadt Kameras zu installieren, geht auch nicht.“

Die Stadt Bonn selber musste letzte Jahr in 156 Fällen Graffiti beseitigen. „Insgesamt war eine Fläche von rund 3.845 Quadratmetern betroffen und die Kosten beliefen sich auf 97.850 Euro“, sagt Markus Schmitz, Sprecher der Stadt. Anzeige habe die Stadt nur in 37 Fällen erstattet. „Die meisten Fälle werden wegen Geringfügigkeit nicht angezeigt.“ In der polizeilichen Kriminalstatistik sind für das Jahr 2017 in der Stadt Bonn 432 Fälle von Sachbeschädigungen durch Graffiti erfasst. Das sind 122 Fälle weniger als im Vorjahr.

„Illegales Graffiti ist eine Straftat, die entsprechend geahndet wird. Die Polizei verfolgt konsequent alle angezeigten Graffitischmierereien“, sagt Simon Rott, Sprecher der Bonner Polizei. Von den im Jahr 2017 erfassten Delikten konnten 52 Straftaten aufgeklärt werden. Dabei wurden 39 Tatverdächtige ermittelt. „Das entspricht einer Aufklärungsquote von 12 Prozent, 2016 lag die noch bei 7,6 Prozent.“

Haus & Grund beteiligt sich an dem Bündnis „Gemeinsam gegen Graffiti“. „Aber so wirklich hilft das auch nicht“, meint Hergarten. „Die Stadtwerke arbeiten ebenfalls aktiv in der Ordnungspartnerschaft“, sagt Henseler. Dennoch habe man die jährlichen Reinigungskosten gerade Mal um 50.000 reduzieren können. In dem Bündnis setzen sich die Stadt Bonn, Stadtwerke, Haus & Grund, Polizei Bonn, Bundespolizei und die Deutsche Bahn für ein ansehnliches Stadtbild und gegen Vandalismus ein.