Gesundheit


Uniklinik und Stadt: gemeinsam für Kinder

(m.g.) Das Universitätsklinikum Bonn geht voran. Als erstes Klinikum der Region will es sich gemeinsam mit der Stadt Bonn verbindlich für den Schutz von Kindern einsetzen. Eine entsprechende Kooperation wurde jetzt schriftlich mit der Stadt vereinbart. Und dabei soll es nicht bleiben.

Die Vereinbarung regelt die Zusammenarbeit mit der Behörde bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Ziel der Kooperation ist es, den Schutz von Kindern und Jugendlichen unter anderem durch schnelles und abgestimmtes Handeln sowie professionelle Diagnostik und Behandlung weiter zu verbessern. „Mit dieser Vereinbarung bauen wir die bereits seit vielen Jahren gelebte und bewährte Praxis nun auch offiziell weiter aus“, stellt Professor Wolfgang Holzgreve fest, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums.

BONNDIREKT fragte beim Bonner Jungendamt nach, warum erst jetzt eine Kooperation dieser Art mit einem Krankenhaus abgeschlossen wurde und nicht schon viel früher. Daraufhin ließ das Amt mitteilen, dass „nach § 8a Abs. 4 SGB VIII für das Jugendamt die gesetzliche Pflicht besteht, mit Jugendhilfeträgern und -diensten zum Thema Kindeswohlgefährdung Vereinbarungen abzuschließen. Dieser Pflicht sind wir in Bonn vorrangig nachgekommen. Eine gesetzliche Pflicht, auch mit Kliniken entsprechende Vereinbarungen abzuschließen, besteht nicht. Dennoch finden wir es inhaltlich sinnvoll und sehr wichtig, auch mit anderen Kooperationspartnern, wie Kliniken, derartige Vereinbarungen abzuschließen und dadurch transparente und verbindliche Verfahrensweisen festzulegen. Die nun getroffene Vereinbarung mit der UKB war daher ein guter und wichtiger weiterer Schritt. Auch mit den anderen Krankenhäusern, insbesondere Geburtskliniken, ist perspektivisch von unserer Seite aus vorgesehen, ähnliche Vereinbarungen auf den Weg zu bringen.“

Mit der Kooperationsvereinbarung wird eine vor zwölf Jahren durch die Kinderschutzgruppe des Universitätsklinikums eingeführte Praxis schriftlich festgehalten: Danach leiten Ärzte, Pfleger oder Hebammen Verdacht auf jedwede körperliche oder seelische Misshandlung oder Vernachlässigung sowie bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch eine diagnostische Abklärung ein. Bestätigt sich der Verdacht, wird umgehend ein Ansprechpartner des Jugendamts hinzugezogen. Daneben wird durch die Kooperation nun ein zusätzliches jährliches Treffen eingerichtet, bei dem Mitarbeiter der beiden Institutionen gemeinsam die bisherige Zusammenarbeit überprüfen, sich über die eingeführten Abläufe austauschen und weitere Kooperationsinhalte besprechen.

Das Universitätsklinikum behandelt derzeit im Durchschnitt zwei Kinder pro Woche, bei denen sich der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bestätigt. „Da wir nicht nur Kinder aus Bonn behandeln, streben wir für die Zukunft auch Kooperationsvereinbarungen mit den Jugendämtern der angrenzenden Kreise an“, sagt Dr. Ingo Franke, geschäftsführender Oberarzt der Kinder- und Poliklinik.