Bonn Rhein-Sieg


Bonn: Zu hohe Gewerbesteuer und Flächenmangel

(m.g.) Haribo hat Bonn im letzten Jahr den Rücken zugekehrt und seine Firmenzentrale nach Grafschaft in Rheinland-Pfalz verlegt. Die Begründung: Keine attraktive Fläche für einen Neubau in Bonn vorhanden und zu hohe Gewerbesteuer. Denn während das Unternehmen in Bonn der Hebesatz für die Gewerbesteuer bei 490 % liegt, fallen in der Gemeinde Grafschaft nur 330 % an und ist damit deutlich attraktiver als Firmensitz.

„Das ist das große Problem in Bonn“, meint Jannis Ch. Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn Rhein-Sieg Euskirchen. „Die Gewerbesteuer bei uns in Bonn ist einfach zu hoch.“ Erfolgreiche Unternehmen mit guten Gewinnen würden darüber nachdenken einen neuen Standort mit einer attraktiveren Gewerbesteuer zu erschließen. „Und Unternehmen, die nicht so hohe Gewinne machen, können es sich nicht leisten, über einen Umzug nachzudenken.“

Vassiliou plädierte für eine moderatere Gewerbesteuer. „Das macht den Standort Bonn attraktiver und ermöglicht den Unternehmen bessere Gewinnzahlen.“ Und das sei nicht das einzige Problem. „Erfolgreiche Unternehmen denken nach einer Zeit automatisch über eine Expansion ihres Betriebs nach. Und auch an Expansionsflächen mangelt es in Bonn und Umgebung.“

Dabei müssen Unternehmen gar nicht großartig suchen, um ein lukrativeres Plätzchen zu finden. Siehe Haribo. Bis nach Rheinland-Pfalz ist es nicht weit. Rund 15 Kilometer rheinaufwärts. Und dort gibt es genügend Expansionsflächen und eine attraktiv niedrige Gewerbesteuer.

„Die Gewerbesteuer ist schon ziemlich hoch in Bonn und Umgebung“, bestätigt auch Michael Schmaus, Referent für Wirtschaftspolitik bei der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg. „Sie liegt über dem NRW Durchschnitt und ist auch höher als in Aachen, Köln und Leverkusen.“ Aber das Hauptproblem in Bonn bleibe der Mangel an Expansionsflächen für das Gewerbe. „Und findet dann ein Unternehmen eine Gegend mit geringeren Grundstückspreisen und einer besseren verkehrstechnischen Anbindung, ist es nicht mehr weit bis zum Wegzug.“

Wie das Presseamt der Stadt Bonn mitteilte, schwankte das Gewerbesteueraufkommen in den vergangenen Jahren in Bonn regelmäßig um 200 Mio. Euro. „Grundsätzlich geht die Verwaltung allerdings trotz vereinzelter Unternehmens-Wegzüge vor dem Hintergrund der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und der vorliegenden Steuerschätzungen insgesamt von einem weiter steigenden Gewerbesteuerertrag aus.“

Und auf das Problem der nötigen Expansionsflächen für Unternehmen habe die Stadt auch ein Auge. „Um hier für Entlastung zu sorgen und den eigenen bzw. neu nach Bonn kommenden Unternehmen adäquate Flächen anbieten zu können, kooperiert die Stadt verstärkt mit dem Rhein-Sieg-Kreis und den direkten Umlandkommunen. Der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn haben dazu jeweils den gleichen Gutachter beauftragt, um belastbare Aussagen für zukünftige Gewerbeflächenbedarfe zu treffen und Handlungsempfehlungen zu geben, welche Areale für eine interkommunale Flächenentwicklung festzulegen sind.“

„Ergebnis des Gewerbeflächengutachtens für Bonn ist, dass die Potenzialflächen für gewerbliche Entwicklung zur langfristigen Deckung der Bedarfe in Bonn nicht ausreichen. Deshalb wurden auch Flächenpotenziale in Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises untersucht, die für eine interkommunale Zusammenarbeit geeignet erscheinen und unter der Ägide einer regionalen Bedarfsdeckung gemeinsam zwischen Bonn und der jeweiligen Nachbarkommune entwickelt werden können. Derzeit besteht eine enge Kooperation bei einer gemeinsamen Gewerbeflächenentwicklung zwischen Bonn und der Umlandgemeinde Alfter sowie der Stadt Bornheim.“

Damit ist klar, Bonn kommt beim Flächenwachstum an seine Grenzen. In Kombination mit der unattraktiven Gewerbesteuer gehen Experten von weiteren Abwanderung aus. Dies aber würde weitere Erhöhungen der Gewerbesteuer nach sich ziehen, um den Ausfall im Stadthaushalt zu kompensieren.

Unbeeindruckt von der Entwicklung präsentiert sich die Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn vom 13. – 16. März auf der größten Immobilienmesse Mipim im französischen Cannes, um für ihren „attraktiven Wirtschaftsstandort“ zu werben. Da kann man sich schon mal fragen, ob die bestehenden Standortbedingungen ausreichen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.