Bonn Rhein-Sieg


Letzter Akt vor dem Landgericht?

Von der Millionenpleite über die Millionenfalle zur Milieufalle

Von Harry Pirsch

War‘s das jetzt? In der vergangenen Woche sprach das Bonner Landgericht in Sachen WCCB vielleicht das letzte Urteil und wies eine Klage und Widerklage zurück. Das leidige Thema über die Millionenpleite beim Bau des inzwischen allerdings erfolgreich agierenden World Conference Centers zog sich über Jahre in verschiedenen Gerichtsterminen und einer als „investigativer Journalismus“ gefeierten  „Wiederkäuerserie“ in Bonns führender Lokalzeitung hin. Und diese Zeitung versank bei ihrer einseitigen Berichterstattung immer mehr in ihrer eigenen Milieufalle. Der damalige Chefredakteur Andreas Tyrock versuchte mit einer kleinen Schar von „Hardcore-Redakteuren“ in teilweise ehrabschneidender Art die ehemalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann als Alleinverantwortliche für die Betrügereien des koreanischen Phantominvestors zu verunglimpfen. Das Blatt wollte Dieckmann „hängen“ sehen und will es eigentlich immer noch. Die kontinuierlich sinkende Auflage von Bonns führender Tageszeitung rettete er damit nicht, aber er vergiftete die Diskussion in Bonn über dieses Thema nachhaltig.

Und so formulierte GA-Lokalchef Baumann letzte Woche in seinem Kommentar zum WCCB-Gerichtsurteil die „Märchenstunde“ sei vorbei. Das wäre in Ordnung, wenn er damit beim GA schon mal anfangen und sich folgende Fragen stellen würde:

# Wie kann es sein, dass ein Investor wegen Betrugs zu immerhin sechseinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, ohne dass er für den durch Betrug angerichteten Schaden Ersatz leisten muss?

# Wie kann es sein, dass am selben Landgericht die erste Zivilkammer den Schadensersatzanspruch trotz des vorliegenden Strafurteils ablehnt und nicht in der Lage ist, bei der die Ablehnung stützende Behauptung, die Stadt habe von den Bonitätsproblemen Kims gewusst, Ross und Reiter zu nennen, stattdessen sich in verrenktem Juristendeutsch ergeht?

# Wie professionell ist denn die Klageschrift der Stadt Bonn gewesen, in der zwar die Hauptbeteiligten der Stadt als Zeugen benannt wurden, es aber niemand bei der Stadt für notwendig hielt, mit den im Jahr 2005 aktiv Beteiligten die faktische Richtigkeit der Klageschrift zu überprüfen? Warum wurde dies unterlassen? 

# Klärt ein Zivilgericht anders auf als ein Strafgericht?

# Hat die Sparkasse rechtswidrig und damit auch strafbewehrt einen Kredit für Eigenkapital an einen Investor vergeben, von dem das Kreditinstitut bereits 2005/2006 überzeugt gewesen sein will, dass dieser das Projekt wirtschaftlich niemals hätte stemmen können?

# Wie wahrscheinlich ist es, dass ein hochkarätiger Vertreter der Sparkasse bei den laufenden Informationen an die Fraktionen des Rates die Zustimmung zum Kim-Vertrag empfohlen haben soll, anstatt den Rat zu warnen?

# Hätten Rat und Verwaltung nicht sofort die Notbremse gezogen und nach anderen Lösungen gesucht?

Das journalistische Machwerk des GA-Lokalchefs ist ein letzter verzweifelter Versuch, an der „investigativen Geschichte“ weiter zu häkeln und die an den Handlungen direkt Beteiligten der Stadt auch künftig weitgehend auszuschließen und auf deren Wissen und Gegenbeweise zu den von Ihnen verbreiteten Positionen zu verzichten. Solange sich der GA nicht um diese Fragen kümmert, kann man ihm getrost in erster Linie die persönliche Abrechnung mit seiner Lieblingsfeindin Dieckmann unterstellen.

Und eines ist ja wohl intelligenten LeserInnen schon lange klar: Das sinkende Auflagenschiff des General-Anzeigers ist damit auch nicht mehr zu retten.