Stadtgespräche


Beethoven als "Lustspiel"?

Bonner Stadtpolitik bietet ein besonderes Schauspiel. Beteiligt sind Parteien, Verwaltung und Opernintendant. 

(m.e.) - Die Story geht so: da hat es einen Bonner gegeben, dessen Geburtstag sich 2020 zum 250.Mal jährt. Zwar hat dieser Bürger schon sehr früh Bonn verlassen, aber schließlich steht der Stadt ein Anteil an seinem Ruhm zu. Deswegen war die Politik in den letzten Jahren auch sehr bemüht, dieses Ereignis für Bonn  zu beanspruchen – mit ausgiebiger finanzieller Hilfe des Bundes und des Landes. Weil der Bonner Politiker eher sparsam ist, hat er auf ein größtenteils fremd finanziertes Festspielhaus verzichtet. Man hat ja alles. Oder genauer: man hatte alles. Plötzlich war der wichtigste Veranstaltungsort aus baulichen Gründen nicht mehr verfügbar. Eine andere Kulturstätte, z.B. die sanierungsbedürftige Bonner Oper, wäre zu nutzen. Da muss aber die Stadt der städtischen Oper unter Leitung des städtischen Intendanten für die Nutzung eine Entschädigung zahlen. Weil der Ort, die Oper, dann keine eigenen Aufführungen durchführen kann. Wohlgemerkt: jeder Sitzplatz in der Bonner Oper wird mit bis zu 200 € täglich subventioniert – von der Stadt. Man soll auch schon in Berlin nachgefragt haben, ob man die Zuschüsse für das Beethovenjahr nicht erhöhen könne, weil man ja keinen Ort usw. habe.

Bonnopoly Teil 2?

Vor einiger Zeit gab es eine Inszenierung im Bonner Schauspiel: Bonnopoly. In der Beschreibung für das Stück heißt es: „Gemeinsam gehen sie der Frage nach, wie sinnvoll eine unternehmerische Stadt ist, die schwarze Zahlen schreibt, wenn ihre Bürger sich nicht mehr leisten können, in ihr zu wohnen. Was bringt Wirtschaftlichkeit auf Kosten der Bevölkerung?“ Eine spannende Fragestellung. Die könnte man jetzt erweitern: “Was bringt es der Stadt ein Beethovenfest zu veranstalten, wenn überall die Türen zu sind?“ Aber vermutlich würde eine Absage nur funktionieren, wenn es seitens des Bundes dafür auch entsprechenden Schadensersatz gäbe. Man hat sich schließlich bemüht. Ob das aber reicht?

01.05.2018