Ein Ruck(es) geht durchs Land


Die Bistumsfalle(1)

Der Kardinal als Racheengel?

Ja, man kann tatsächlich von einem „Fall Schumacher(s)" sprechen. Es wird sich allerdings bald zeigen, ob aus dem „Fall Schumacher" ein „Fall Kardinal Woelki" und zum Schluss ein „Fall Erzbistum Köln" wird.

Eine knappe Woche nach dem erzwungen-freiwilligen Rücktritt des in Bonn zwar nicht unumstrittenen, aber sehr populären Münsterpfarrers und Stadtdechanten reiben sich nicht nur Bonner Katholiken die Augen. Was war das denn für eine Nummer? Wo leben wir denn im Hier und Jetzt? Im Zeitalter von Ketzer- und Hexenverbrennung? Oder der Großinquisition?

Nein, wir leben in Bonn und diese Stadt befindet sich im Erzbistum Köln und Köln hat für Jecken und Fußballfreunde auch viel mit „Jeföhl(Gefühl)“ zu tun. Letzteres empfinden Kirchgänger und auch Nicht-Kirchgänger in Bonn gegenwärtig nicht. Sie empfinden eher ein Gefühl von Wut und Ohnmacht über eine autokratische Bistumsführung, die mit ihrem eigenen Personal in einer Weise umgeht, wie es sich nicht einmal patriarchalische Firmenchefs im vergangenen Jahrhundert erlaubten. Nur ein US-Präsident Trump überbietet Kardinal Woelki noch in der Stillosigkeit seiner Entlassungen.

Was ist passiert?

Die katholische Kirchengemeinde St.Martin(Münsterpfarrei) ist in einer finanziellen Schieflage. Das ergab eine Revision der Jahre 2009-2014, die das erzbischöfliche Generalvikariat trotz mehrmaliger Aufforderung durch die Bonner Rendantur erst in den Jahren 2016/2017 nach der holperigen Einführung einer neuen Software durchführte.

Das Ergebnis der Revision bestand u.a. in der Erkenntnis, dass in Bonn über Jahre hinweg das Substanzkapital der Kirchengemeinde dazu benutzt wurde, um Liquidität im alltäglichen Geschäft zu gewährleisten. Die Gelder wurden hauptsächlich gebraucht, um die defizitären Wirtschaftsbetriebe Münsterladen und Münster-Carré zu stützen und die beim Bau dieser Institutionen entstanden Mehrkosten auszugleichen. Gemeinsam mit dem Generalvikariat wurde seit Ende 2017 in zahlreichen Sitzungen versucht, die finanziellen Probleme zu lösen. Eine erste Entscheidung war der Beschluss zur Schließung des Münsterladens.

Einen Tag vor Christi Himmelfahrt wurde Schumacher  von der Justiziarin des Erzbistums mitgeteilt, dass dieser als Stadtdechant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes die Verantwortung zu übernehmen hätte und man seinen Rücktritt von allen Ämtern erwarte. Sollte er dieser Erwartung nicht entsprechen, werde Kardinal Woelki ihn seiner Ämter entheben. Schumacher übernahm die Verantwortung und trat zurück.

Wie geht es weiter?

Bei der Aufklärung des „Finanzskandals", bei dem sich übrigens niemand persönlich bereichert hat, werden noch einige Fragen zu klären sein: Die wirtschaftlichen Aktivitäten in der katholischen Kirche waren noch nie von hoher Transparenz gekennzeichnet und dies auf allen Ebenen. Von Finanzskandalen der Vatikanbank hinab über Immobiliengeschäfte der Bistümer bis zu wirtschaftlichen Aktivitäten auf Gemeindeebene: Für das gläubige „Fußvolk" bleibt der „Religionskonzern" Katholische Kirche weitgehend undurchsichtig. Mafiöse Strukturen? Vielleicht, aber diesen Eindruck wird auch das Erzbistum nur entkräften können, wenn es seine Bilanzen und Besitzverhältnisse mal für alle verständlich offen legt.

Und der Kardinal? Interessant ist die Frage, ob er selbst auch ein Getriebener ist. Getrieben aus der zweiten Reihe der Bistumsverwaltung, dort wo Hardliner und Beton-Katholiken vermutet werden dürfen. Waren es diese Hofschranzen, pardon „Domschranzen", die von eigenen Fehlern abzulenken versuchten und den Bonner Stadtdechanten als „Bauernopfer" sahen?  Oder ging es um strategische Kirchenfragen, bei denen Schumacher schon mal eine andere Denkrichtung verfolgte als der erzkonservative Erzbischof?

Es ist aber gleichgültig, ob Kardinal Woelki sich zu der in dieser Form völlig inakzeptablen Ämterenthebung von Schumacher treiben ließ oder ob er diese selbst angestrebt hat: Seine eigene Glaubwürdigkeit ist dahin! Sein Führungsstil ist schon jetzt diskreditiert und er liefert ein übles Schauspiel ab, das mit seiner eigentlich christlichen Mission überhaupt nichts mehr zu tun hat. Es ist ihm aber immerhin gelungen, sich bei vielen Gläubigen noch schneller unbeliebt zu machen als sein Vorgänger Meissner.

In Bonn wird man mit großer Aufmerksamkeit das weitere Geschehen verfolgen und wenn erforderlich, auch aktiv begleiten. Der zweite Teil der „Bistumsfalle“ auf www.bonndirekt.com ist bereits in Arbeit.