Kultur


Der Bonner Marktplatz mit Rathaus und Zehrgarten beim Besuch des Koadjutors Maximilian Franz in Bonn, 1780, Ölgemälde von Franz Rousseau; Beethoven-Haus Bonn

Lichtstrahlen der Aufklärung

(e.b.) - Beethoven-Haus Bonn erwirbt die Sammlung der Lese- und Erholungsgesellschaft Bonn

Das Beethoven-Haus hat die Bilder- und Büchersammlung der Lese- und Erholungsgesellschaft Bonn erworben, die bedeutende Objekte zur Prägung des jungen Beethoven in Bonn enthält. Unter dem Titel "Lichtstrahlen der Aufklärung" zeigt die aktuelle Sonderausstellung im Museum die Bonner Lese-Gesellschaft als geistigen Nährboden für Beethoven und seine Zeitgenossen.

Seit 1969 befinden sich bereits sieben Portraits von wichtigen Bezugspersonen des jungen Beethoven aus der Sammlung der Bonner Lese- und Erholungsgesellschaft von 1787 in der Obhut des Beethoven-Hauses. Nun galt es, die Sammlung als Ganzes zu sichern und eine dauerhaft qualifizierte Betreuung zu garantieren. Mit der freundlichen Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaften des Landes NRW, der Kulturstiftung der Länder, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie mit Hilfe eines privaten Förderers konnte das Beethoven-Haus die Bilder- und Büchersammlung der Lese, wie sie von ihren Mitgliedern und im Volksmund genannt wird, übernehmen.

Die Sammlung besteht aus 30 Ölgemälden (vorwiegend Portraits) von bedeutendem kulturhistorischem Wert, 20 Graphiken des 18. Jahrhunderts, einigen historischen Fotos sowie der Bibliothek, zu der zahlreiche Bücher zählen, die bereits in der Frühzeit der Lese angeschafft wurden.

Das Beethoven-Haus nimmt die Erwerbung zum Anlass, in Kooperation mit der Lese eine Sonderausstellung zu präsentieren. Anhand der Lese-Sammlung, der Altbestände des Beethoven-Hauses sowie mit Leihgaben u.a. der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn wird anschaulich gezeigt, dass die Vereinigung ein Hort der Aufklärung war und prägenden Einfluss auf den jungen Beethoven ausübte. Lese-Gesellschaften waren zwischen 1770 und 1830 überall in Europa zu finden. Ihre Mitglieder verpflichteten sich auf gemeinsame Wertvorstellungen. Die Vervollkommnung des einzelnen wie der Gesellschaft war das Ziel, das u.a. durch religiöse Toleranz und die Gleichwertigkeit der Stände erreicht werden sollte. Führende Köpfe der Lese waren Lehrer, Kollegen in der Hofkapelle und Freunde Beethovens. Studenten war die Mitgliedschaft zu deren eigenem Vorteil verwehrt. Als aber 1790 Kaiser Joseph II., der ältere Bruder von Kurfürst Max Franz, dem Protektor der Lese, starb, erteilte die Lese dem 19-jährigen Beethoven den Auftrag, eine Kantate auf dessen Tod zu komponieren, was zu seinem bis dahin bedeutendsten Werk führte.

Die Ausstellung beleuchtet auch das Bildungssystem in Bonn, wo es seit 1774 eine kurfürstliche Akademie gab, die 1784 zur Universität erhoben wurde. Als philologische Abteilung waren ihr die Gymnasialklassen eingegliedert. Die Akademie war nur 50 Meter vom Beethoven-Haus entfernt im ehemaligen Jesuiten-Gymnasium gegenüber der Namen-Jesu-Kirche untergebracht. Der 18-jährige Beethoven schrieb sich hier für den Cursus ein. Weitere Themen der Ausstellung, die von Alexander Wolfshohl, dem Archivar der Lese, ko-kuratiert wurde, sind Menschenwürde, Pressefreiheit und Literatur in Bonn sowie der Besuch von Joseph Haydn in der Lese.

 

Lichtstrahlen der Aufklärung Die Bonner Lese-Gesellschaft – Geistiger Nährboden für Beethoven und seine Zeitgenossen 18. Mai 2018 bis 31. Januar 2019 Öffnungszeiten des Museums: April bis Oktober: täglich 10-18 Uhr November bis Januar: Mo-Sa 10-17 Uhr; So 11-17 Uhr

 

(17.05.2018)