Bonn Rhein-Sieg


„Beethoven ist unser größtes Pfund“

(m.g.) Unerwartet heftige Kritik erntete die Bonner Stadtverwaltung, nachdem sie dem Ausschuss für Wirtschaftsförderung ein neues Stadtmarketingkonzept präsentierte. Dieses stellt Ludwig van Beethoven in den Mittelpunkt. Der Slogan lautet „Bonn ist Beethoven. Weil …".

Hintergrund: In 2020 feiert die Stadt Bonn den 250. Geburtstag Beethovens. Entsprechend soll das Stadtmarketing Bonn neu ausgerichtet werden, über das Jahr 2020 hinaus. Ziel ist es, die unterschiedlichen Facetten Bonns als Beethoven-, UN- und Universitätsstadt herauszustellen. Dabei soll Beethoven als „Brücke beziehungsweise Botschafter“ dienen.

Allen im Ausschuss vertretenen Fraktionen stieß dies übel auf. Das Ganze sei viel zu Beethoven-lastig, so die Kritik. Ist das so? BONNDIRKET fragte bei Marketing-Expertin Maike Reinhardt nach. Sie ist Geschäftsführerin der puls48 Veranstaltungsmanagement GmbH.

Sie hat wenig Verständnis für die Kritik. „Ich finde den Ansatz prima. Beethoven ist unser großer Junge. Er hat Ausstrahlungskraft, auf ihn sollte man setzen.“ Die Kampagne sei nicht kurzfristig angelegt. „Beethoven kann dabei den ersten Schritt darstellen. Und von ihm zu der UN ist es nicht weit.“ Schließlich hat er die Europahymne komponiert.

Die EU ist ein Verbund von Staaten, genau wie die Vereinten Nationen auch. „Und in einem zweiten Schritt lässt sich das Claim der Kampagne schnell an die UN anpassen“, so Reinhardt. Das gleiche gelte für das Thema „Universitätsstadt Bonn“. Marketing sei schwierig. „Das kann man sich nicht zu einem Zeitpunkt anschauen und sagen das ist gut oder schlecht. Eine solche Kampagne muss gelebt und immer wieder verändert werden.“

Klar ist, dass Beethoven nur der Anfang der Kampagne sein kann. Das meinen auch andere Marketing Experten. Nicole Hölscher, Geschäftsführerin der Bonn/Berliner-Werbeagentur Kreativ Konzept und Mitglied der Vollversammlung der IHK Bonn merkt an: „Natürlich ist Beethoven eine wichtige Identifikationsfigur für den Standort Bonn. Man darf aber darüber nicht vergessen, dass sich die aktuelle wirtschaftliche Dynamik des Standorts aus den guten Rahmenbedingungen, z.B. in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und internationales Umfeld speist. Nur Beethoven reicht dann eben auch nicht."

„Aber Beethoven ist nun mal unser größtes Pfund. Und ja, über ihn lassen sich Brücken zu anderen Themen bauen“, sagt Reinhardt. Dieser Ansicht sind auch die Verantwortlichen bei City-Marketing Bonn. „Wir haben das Thema bei City-Marketing besprochen und dort sieht man das auch so“, so die Expertin.

Damit steht der Vorstand von City-Marketing nicht alleine. „Beethovens Verehrung für die Natur kommt am besten in seiner wundervollen 6. Symphonie, der Pastorale, zum Ausdruck. Sein Traum, dass die Menschen in friedlicher Harmonie mit der Natur leben, ist Inspiration für uns alle, die das Privileg haben, in seiner schönen Heimatstadt zu leben und zu arbeiten", sagt Patricia Espinosa, Exekutiv-Sekretärin des Rahmenabkommens der Vereinten Nationen zum Klimawandel.

06.06.2018