Bonn Rhein-Sieg


Das große Flattern

(m.g.) Zurzeit sieht man sie überall in Bonn. In fast jedem Garten und allen öffentlichen Parkanlagen. Schmetterlinge: In außergewöhnlich hoher Anzahl flattern sie durch das Grünzeug und dafür gibt es Gründe. BONNDIREKT sprach mit Karl-Heinz Jelinek. Er ist der ausgewiesene Schmetterling-Experte des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und für dessen Kreisverband Rhein-Erft tätig.

„Ja, der Eindruck stimmt. In diesem Jahr gibt es sehr viele Schmetterlinge hier in unserer Region“, so Jelinek. „Vor allem waren die Witterungsumstände ideal für das Schlüpfen der Schmetterlinge. Im April war es so warm wie in einem Mai. Und im Mai war es so warm wie in einem Juni. Außerdem gab zu der Zeit genug Regen.“ Das seien optimale Bedingungen für die Raupen, um sich zu Schmetterlingen zu entwickeln.

„Und da es in den letzten zwei Jahre sehr wenige Schmetterlinge gab, nahm auch die Zahl der Parasiten ab, die von den verpuppten Raupen profitieren. Manche Insekten, wie Schlupfwespen, legen ihre Larven bei den verpuppten Raupen ab. Die Brut ernährt sich dann von der Raupe, die so stirbt.“ Weniger Parasiten gleich mehr geschlüpfte Schmetterlinge.

Ein weiterer Grund für die vielen Schmetterling könne auch deren Schlüpfverhalten sein. „Sind die Bedingungen nicht gut, kann eine verpuppte Raupe das Schlüpfen in die nächste Saison verschieben. Und es kann sehr gut sein, dass das dieses Jahr zu der aktuellen hohen Population an Schmetterlingen beigetragen hat“, erklärt Jelinek. Vor allem viele „Große Kohlweißlinge“ seien zu sehen, die vor kurzem noch selten vorkamen.

Und dann kann es noch eine Erklärung geben. „Das ist aber nur eine Vermutung. Schmetterlinge legen ein ausgeprägtes Migrationsverhalten an den Tag. Sind die Bedingungen in einer Region zu schlecht für sie, wandern sie ab. Genauso wie Menschen das auch machen. Und es kann schon sein, dass die Bedingungen weiter im Süden oder Osten zu schlecht waren, so dass die Schmetterlinge zu uns abgewandert sind.“

Aber nicht nur für Schmetterlinge sind die Bedingungen gut, sondern auch für Zecken oder Mücken. „In diesem Jahr ist das Zeckenrisiko insgesamt besonders hoch“, sagt Dr. Gerhard Dobler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, das auch mit der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und dem Universitätsklinikum Bonn kooperiert. „Wir werden die höchste Zahl an Zecken in den letzten zehn Jahren haben.“

Mehr Zecken bedeutet immer auch ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Borreliose kann deutschlandweit von Zecken übertragen werden und ist in etwa jeder vierten Zecke zu finden – unabhängig von der Region. Hier hilft zur Vorbeugung nur Wachsamkeit nach Waldspaziergängen und Aufenthalten im Freien. Je schneller die Zecke entfernt wird, umso geringer ist die Gefahr an Borreliose zu erkranken. Um der Gefahr einer Hirnhautentzündung vorzubeugen, kann und sollte man sich impfen lassen, so der Appell des Wissenschaftlers.

06.07.2018