Ein Ruck(es) geht durchs Land


Sommertheater!

Von Erwin Ruckes

Ferienzeit ist nicht nur, wenn die Sonne scheint, Ferienzeit ist auch, wenn in den Nachrichten die dritte und vierte Reihe aus der Politik sich mit Pressemeldungen zu Wort meldet. In diesem Jahr hat zwar die erste Reihe der Politik mit dem Streit der Unionschristen und den Hauptdarstellern Merkel und Seehofer auch ein paar formidable Beiträge zum Sommertheater geliefert, aber die wahren Probleme liegen doch woanders.

Zum Beispiel auf dem Friedhof: Deshalb äußerten sich zwei Bonner Kommunalpolitiker, deren Namen man sich nicht unbedingt merken muss, zum in der Tat bewegenden Problem, dass sich die Grabsteine auf dem Alten Friedhof in der City sehr leicht bewegen lassen und zum Umfallen neigen.

Haben wir sonst keine Probleme? Dem Bonner General-Anzeiger war dies jedenfalls ein größerer Artikel wert und die beiden kommunalen Spitzenpolitiker standen auch mal wieder in der Zeitung. Es ist zu befürchten, dass wir bis Ende August noch weitere Berichte dieser Qualität erhalten.

Was die Leser mögen!

Jetzt sage ich Ihnen mal etwas in eigener Sache: Da schreibt man sich Blasen an die Fingerkuppen, um der geneigten oder auch weniger geneigten Leserschaft alles Mögliche an schrägen politischen und sonstigen Nummern in Bonn und der Region darzulegen und erhält dafür durchaus respektable Resonanz. Aber was interessiert eigentlich die Leser wirklich?

Banales interessiert sie. Offensichtlich! Wenn eine jahrzehntealte Frittenbude die Türe für immer schließt,  interessiert das mehr Menschen, als wenn BONNDIREKT über Geheimverhandlungen bezüglich einer Eingemeindung von Bonn nach Köln berichten würde.

In der letzten Woche verkündeten wir als erste Bonner Nachrichtenquelle die Schließung von Adi Plonka’s Gourmet-Tempel für „Einfach-Kost“ in der Lennéstrasse. Die Resonanz hat uns überrascht. Da fragen wir uns einfach: Was ist hier los? Sind das die wichtigen Themen in Bonn? Wer tickt hier nicht richtig? Die Autoren von BONNDIREKT oder die Leser?

Wer die vor sich hin siechenden, regionalen Printmedien und deren häufig von Schreibfehlern strotzenden online-Berichte anschaut, stolpert z.B. im EXPRESS permanent über einen Berichtsmüll von Fernseh-Seifenopern („Bachelor / Bauer sucht Frau / GZSZ") oder Meldungen über das Liebesleben irgendwelcher hirnfreier Schlagersternchen. Wer liest das? Wir wissen es nicht und wollen es eigentlich auch nicht wissen.

Aber ich verspreche Ihnen: Ob Helene Fischer sich den Arm verrenkt hat,  warum Dieter Bohlen im Restaurant selten bezahlt oder welches Dessous-Model seinen Schulabschluss gerade nachholt, werden Sie auf BONNDIREKT niemals lesen. Das haben wir nicht vor und auch nicht nötig.

Da beschäftigen wir uns lieber mit geschlossenen Frittenbuden. So viel Niveau muss sein!

Sonniges Wochenende!