Bonn Rhein-Sieg


Filialsterben in Bonn – nicht gut für die Alten

(m.g.) Das große Filialsterben geht weiter in der Bonner Region. Das zeigt nicht nur der Beschluss der Kreissparkasse Köln / Bonn, 45 Filialen zu schließen, von denen alleine 16 im Rhein-Sieg-Kreis betroffen sind. Auch Postfilialen droht die endgültige Schließung, wie zum Beispiel in Bonn Beuel.

Wenn man bei der Bonner Geschäftsstelle der Deutschen Seniorenliga e.V. anfragt, heißt es dort, „das ist nicht schön.“ So sieht das auch Klaus Münchrath, Der 76-Jährige lebt in Alfter, wo die Filiale der Kreissparkasse geschlossen und mit der in Oedekoven zusammengelegt werden soll. „Für mich ist das überhaupt nicht gut“, so der Senior und ehemalige Ingenieur.

„Ich wohne direkt in der Nähe und kann meine Bankgeschäfte einfach und problemlos in der Filiale abwickeln. Damit ist jetzt bald Schluss.“ Online-Banking sei nicht so seines, und am SB-Terminal fühle er sich auch nicht wohl. „Das ist unangenehm. Meine Tochter meinte, wir kriegen das schon hin. Aber die Möglichkeit, einfach zum Bankschalter zu gehen, wird mir gehörig fehlen.“

Das Sterben der Filialen in Deutschland nimmt aber gerade erst an Fahrt auf. In Deutschland sind in den letzten Jahren rund 17% aller Banken verschwunden. Das Beratungsunternehmen EY zeigt in einer Studie, dass 85% der befragten Bankinstitute davon ausgehen, dass die Anzahl der Filialen bis 2020 noch deutlich weniger wird.

Laut einer Studie der Förderbank KfW liegt der Hauptgrund hierfür bei der Digitalisierung und dem Kostendruck. „Für die ältere Generation ist das ein Problem“, kritisiert Wolfgang Speck, Vorsitzender der DBB Beamtenbund und Tarifunion Bundesseniorenvertretung. „Je älter die Kunden sind, desto weniger sind sie mit Computern und Smartphones vertraut“, so Speck. „Ebenso sinkt mit zunehmendem Alter das Vertrauen in die Sicherheit des Online-Bankings, von den technischen Hürden und den Unsicherheiten in der Bedienung ganz zu schweigen.“

Was bleibt, seien die Geld- und Serviceautomaten der Banken. Aber auch hier gebe es Berührungsängste: „Besonders Beihilfeberechtigte, die viele Überweisungen zu tätigen haben und ihr Konto regelmäßig auf Erstattungen hin kontrollieren müssen, sind auf die Filiale oder zumindest auf einen gut erreichbaren, einfach zu bedienenden Geldautomaten angewiesen“, so Speck weiter. Aber auch hier hätten viele Ältere Angst, Fehler zu machen, die, einmal passiert, ohne Filialmitarbeiter nur schwer wieder zu beheben seien.

09.07.2018