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Blutdrucksenker Valsartan verunreinigt - Patienten sollten handeln

Die Hiobsbotschaften aus der Pharmaindustrie reißen nicht ab. Erst wird das Schmerzmittel Ibuprofen knapp, weil eine der weltweit sechs Produktionsstandorte ausgefallen ist. Jetzt meldet das Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dass der Blutdrucksenker Valsartan mit der potenziell krebserregenden Substanz N-Nitrosodimethylamin (NDMA) verunreinigt ist. Und das wahrscheinlich seit Jahren. Ein akutes Patientenrisiko besteht laut BfArM nicht. 

Was sollten die Patienten tun?

 „Die Rückrufe von Generika verschiedener Hersteller mit blutdrucksenkenden Wirkstoffen aus China erfolgen vorsorglich. Die Patientensicherheit ist nicht in Gefahr,“ weiß auch Andrea Forst-Raasch, Apothekerin der Hofgarten Apotheke am Bonner Kaiserplatz. „Wichtig ist, dass Patienten ihre Medikamente nicht einfach eigenständig absetzen, sondern immer erst Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker halten. Der Schaden für die sie könnte sonst größer sein, als die möglichen Risiken aus den möglichen und noch nicht genau ermittelten Verunreinigungen. Alternativ gibt es, wenn verfügbar, auch Originalpräparate verschiedener Hersteller, die von den Verunreinigungen nicht betroffen sind. Allerdings werden diese durch die Rabattverträge von den Krankenkassen nicht erstattet.“ Experten bemängeln diese Rabattpolitik schon lange. Die Krankenkassen. sparen zu Lasten der Patienten.

 Die Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO und der EU stufen NDMA als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen ein. In wieweit es krebserregend ist, ist völlig unklar. Betroffen sind die valsartanhaltigen Arzneimittel, deren Wirkstoff von dem chinesischen Wirkstoffhersteller Zhejiang Huahai Pharmaceutical Co. produziert wurden. Arzneimittel, die über den sogenannten Parallelimport in den Verkehr gebracht werden, sind ebenfalls vom Rückruf betroffen, sofern nicht sichergestellt ist, dass die importierten Arzneimittel keinen Wirkstoff von Zhejiang Huahai Pharmaceutical Co. enthalten.

Noch keine Klarheit

 Die Hersteller arbeiten unter Hochdruck an der Identifikation. Sie müssen herausfinden, wann welche Charge bei Zhejiang Huahai Pharmaceutical gekauft wurde. Erst dann ist es möglich, einen Rückruf zu starten. Da Valsartan in verschiedenen Formen verabreicht wird, ist davon auszugehen, dass viele Packungen betroffen sind. Bereits vor sechs Jahren stellte Zhejiang Huahai Pharmaceutical Co seine Produktion um. Daraus schließen Experten, dass der gesundheitsgefährdende Wirkstoff genauso lange auf dem Markt sein könnte. Dazu wollen die zuständigen Behörden jedoch keine Stellung beziehen. Die Europäische Arzneimittelagentur gibt als Grund das laufende Verfahren an. Beim BfArM heißt es, die Länderbehörden seien zuständig.

 

Informationen über Rückrufe, Chargenrückrufe und Chargenüberprüfungen werden von den Arzneimittelkommissionen der Deutschen Apotheker (AMK) und der Ärzteschaft (AkdÄ) den jeweiligen Fachkreisen zur Verfügung gestellt. Der Rückruf der betroffenen Chargen erfolgt derzeit durch die pharmazeutischen Unternehmer, in enger Abstimmung mit den Landesbehörden. Eine Übersicht der von den pharmazeutischen Unternehmen jeweils aktuell an die Arzneimittelkommissionen der Deutschen Apotheker (AMK) übermittelten Rückrufe valsartanhaltiger Arzneimittel ist auf der Homepage der der Arzneimittelkommissionen der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) öffentlich zugänglich. Hier zur Übersicht.