Bonn Rhein-Sieg


Nadelöhr Fritz-Tillmann-Straße Parkplätze und Gastronomie ent-fallen? Schulweg zur OGS kreuzt. Bild: Stefan Rausch

Südstadt wehrt sich gegen Erweiterung des Cityrings

(m.g.) Es macht sich Unruhe breit in der beschaulichen Bonner Südstadt. Denn mit der Beschaulichkeit könnte es bald vorbei sein. Auf Wunsch der Jamaika-Koalition und der SPD prüft die Stadtverwaltung Bonn derzeit die Realisierbarkeit einer Erweiterung des bisherigen Cityrings. Jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gegen die Erweiterung gegründet. 

„Wir sind keine Wutbüger“, stellt Stefan Rausch, Sprecher der Initiative, klar. „Wir wollen das sachlich im Gespräch mit den Politikern klären. Schließlich ist eine solche Verlängerung im Masterplan der Stadt nicht vorgesehen.“ Und aus seiner Sicht hat eine solche Verlängerung unangenehme Auswirkungen auf die Lebensqualität in der Südstadt. „Viele Anwohner wissen noch überhaupt nichts von einer möglichen Verlängerung“, so Rausch. „Und wenn wir ihnen davon erzählen, sie sie entsetzt.“ 

Die Verlegung des Cityrings durch die Südstadt lehnt die Bürgerinitiative kategorisch ab. Rausch: „Denn durch eine Erweiterung des Cityrings würde der durch das Koblenzer Tor, über die Adenauer Allee und die Straße Am Hofgarten, über die Fritz-Tillmann-Straße und Kaiserstraße führen. Aber nicht nur diese Straßen werden betroffen sein, sondern viele weitere Straßen in der Südstadt, die als Ausweichstraßen bei den absehbaren Staus genutzt werden.“ Dadurch sei Stau und Verkehrslärm vorprogrammiert. 

Auf Anfragen von BONNDIREKT bestätigt die Stadt Bonn die laufende Prüfung der Verlängerung. „Die Stadt prüft derzeit eine erweiterte Variante des Cityrings, weil der Rat sie damit im Ratsbeschluss vom 7.Mai beauftragt hat. Die Ergebnisse soll die Verwaltung den politischen Gremien bis Ende 2018 vorlegen“, heißt es. Dabei will die Stadt auch auf den Wunsch der Bürgerinitiative nach einem Dialog mit der Politik eingehen. „Die Stadt will das Thema mit den betroffenen Interessenverbänden des örtlichen Handwerks und der Wirtschaft, den Stadtwerken, Interessensvertretern der verschiedenen Verkehrsarten, dem Behindertenverband sowie der Universität erörtern.“ 

Seitens der vor kurzem gegründeten Bürgerinitiative in der Südstadt muss sich die Stadt etwas zu den folgende 13 Punkte anhören: 

1. Die Verlängerung des Cityrings erzeugt eine grundsätzliche Erhöhung der Umweltbelastung. Angesichts der Klage aus Brüssel wegen zu hoher Abgasbelastung in den Städten sollte die Stadtverwaltung Bonn alles tun, um die Abgas-Belastungen zu reduzieren, statt sie zu erhöhen. 

2. Bonn hat nur eine größere innerstädtische Grünfläche, auf der sich regelmäßig viele Menschen, oft Jugendliche und Kinder, viele Sporttreibende (auch Schulsport)  oder einfach Ruhesuchende aufhalten und ausgerechnet diese grüne Insel mit großem, gut besuchten Kinderspielplatz will man nun rundherum mit Abgasen von Autoschlangen massiv belasten. 

3. Am Hofgarten Richtung Süden stauen sich PKW, die aus der Marktgarage und künftig zusätzlich Uni-Garage ausfahren. Sie träfen an der Ecke Am Hofgarten/Fritz-Tillmann Straße auf die Schlangen von PKW, die sich auf dem neuen Cityring Richtung Kaiser Straße bewegen. Verkehrschaos ist hier absehbar und vorprogrammiert. Man hätte es aus der zurückliegenden Zeit der Sperrung der Maximilianstrasse bereits lernen können, dass die Straßen rund um den Hofgarten und in der Südstadt besonders stauempfindlich sind und größeren Verkehrsbelastungen nicht standhalten.

 4. Die Straße "Am Hofgarten" wird von Schulkindern der Münsterschule vom Hofgarten kommend überquert, um in die Straße Maarflach zu gelangen. Die bisherige Situation ist bereits wenig kinderfreundlich, da nicht einmal ein Zebrastreifen am Überweg auf der Straße angebracht wurde. Das Einzige, was man bisher für die Kindersicherheit unternommen hat, ist eine 30 km/h Anordnung an der Straße anzubringen, an die sich aber fast niemand der Autofahrer hält. Und nun soll dieser katastrophale Zustand durch einen vielbefahrenen Cityring weiter verschärft werden, statt gerade da eine notwendige Verkehrsberuhigung durchzusetzen und den Schutz der Kinder zu gewährleisten. 

5. Schülerwanderungen sind derzeit auch zum Beethovengymnasium über die Adenauer Allee und zur OGS über die Fritz-Tillmann-Straße zu verzeichnen. Auch das wird dann künftig nicht entspannter, sondern wegen des hohen Verkehrsaufkommens auf dem Cityring angespannter verlaufen. 

6. Auch die enormen Studentenströme, die vom Uni Hauptgebäude über den Hofgarten durch die Lenné- oder Dyroffstraße zur Mensa oder den Instituten wandern. Alle müssten dann künftig den vielbefahrenen City Ring kreuzen. Die Gefahr für Schüler und Studenten würde unnötig erhöht werden. 

7. Seit seiner Eröffnung werden im Arithmeum regelmäßig Konzerte veranstaltet und als Mitschnitte oder live im Radio gesendet. Diese sehr erfolgreiche Konzertserie »concerto discreto« würde durch den Verkehr des City-Rings massiv gestört. Sie wird nach Auskunft des Arithmeums dann nicht mehr stattfinden können. 

8. Das bisher ruhige Wohngebiet der Südstadt wird durch Lärm und Abgase nicht mehr lebens-wert. Die geplanten Einbahnstraßenregelungen „Am Hofgarten“ Richtung Süden und in der Fritz-Tillmann-Straße ändern daran nichts. Im Gegenteil die absehbaren Staus werden viele verleiten, auch die an den Cityring angrenzenden Straßen zur Umgehung der Staus zu nutzen. Hier sind voraussicht-lich die Lennéstraße, die Nassestraße, die Riesstraße, die Dyroffstraße und weitere betroffen. Alle sind bisher ruhige Wohnstraßen. Möglicherweise fallen auch Parkplätze in der Fritz-Tillmann-Straße weg. 

9.  Die erst eingerichtete Fahrradstraße „Dyroffstraße/Riesstraße“ würde den Cityring kreuzen. Gefährliche Situationen sind vorprogrammiert. 

10. Der wunderbare Blick von der Uni über den Kaiserplatz zum Poppelsdorfer Schloss würde durch eine Fahrzeugkaravane auf dem Cityring zerschnitten und ein historisch-kulturell gewachsenes Raumgefüge verschlechtert, statt verbessert. 

11. Die beiden Cafés „Sahneweiß“ in der Kaiserstraße und „Café Orange“ in der Fritz-Tillmann-Straße sind besonders mit ihren Außenbereichen betroffen. Beides Bonner Institutionen und sehr beliebt. 

12. Das Centro Hotel Residence in der Kaiserstraße wird ebenfalls unter der verstärkten Lärm- und Abgasbelastung leiden. 

13. Die Caritas in der Fritz-Tillmann-Straße betreut viele in der Mobilität eingeschränkte Personen. Das dürfte an der künftig stark befahrenen Straße nicht ungefährlich sein.

  

30.07.2018