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Kitas: Erzieher verzweifelt gesucht

(m.g.) Blättert man durch die Stellenanzeigen für Bonn und Umgebung, stellt man fest, dass viele Kitas Stellen für Erzieherinnen und Erzieher ausschreiben. Also für Fachpersonal, welches die Kinder in den Kindertagesstätten professionell betreut. Es scheint ein Mangel an geeigneten Kandidaten zu geben. 

BONNDIREKT hat nachgefragt. Vanessa Machill, Leiterin der Kindertagesstätte Junge Wilde e.V. in Bonn, kann das nur bestätigen. „Es herrscht auf jeden Fall ein Mangel an Erzieher und Erzieherinnen. Vor allem gute findet man selten. Das ist ein Problem in ganz Bonn und ich kann nur hoffen, dass es besser wird“, so Machill. In anderen Kitas Bonns hört man das Gleiche. Wie zum Beispiel beim Vorstand der Kita Lilliput. „Wir schaffen es einfach nicht, die vorgegebene Stundenzahl zu erfüllen. Es fehlt an Personal.“ 

Auch für Udo Stein, Leiter des Jugendamtes der Stadt Bonn, ist der Fachkräftemangel ein Problem. „Wie in den meisten Städten und Gemeinden des Landes ist es auch in Bonn schwierig, qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher für die Kindertageseinrichtungen zu gewinnen. Dies gilt auch für die Kindergärten in städtischer Trägerschaft. Freie oder neue Stellen können nicht immer sofort besetzt werden. Der Aufwand zur Personalgewinnung ist sehr viel höher, als früher." 

Zum Teil ist der Mangel an Erzieherinnen und Erzieher ein gesellschaftliches Problem. Der Beruf wird den Menschen einfach nicht richtig anerkannt. Das ist ein Ergebnis einer von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Umfrage zu dem Thema. Bis 2025 drohe bundesweit eine Fachkräftelücke von rund 300.000 Beschäftigten – etwa ein Viertel davon im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW. 

Die Politik geht das Problem falsch an, meint der Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Sie plant an der Realität vorbei. Wenn dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz und dem proklamierten Ansinnen, Kitaplätze beitragsfrei anzubieten, die finanzielle Grundlage verweigert wird, ist das politische Augenwischerei“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, die Ergebnisse der Umfrage. 

Laut Bertelsmann Stiftung würden sich die jährlichen Gesamtkosten für Qualitätsausbau und Beitragsfreiheit für Kitas auf 15,3 Milliarden Euro belaufen. Zugesagt sind für die aktuelle Legislaturperiode vom Bund allerdings insgesamt nur 3,5 Milliarden Euro. 

„Es braucht von der Politik vor allem massive Investitionen in die Qualität von Kitas im Sinne einer hochwertigen und bedarfsgerechten Bildung. Das fordern Eltern, wie die aktuelle Umfrage zeigt, als auch Erzieherinnen und Erzieher unisono. Wir brauchen bessere Betreuungsschlüssel, qualifiziertes und angemessen bezahltes Personal und eine bedarfsgerechte Betreuung“, kommentiert Beckmann.

 

01.08.2018