Ein Ruck(es) geht durchs Land


Die "Glorreichen Drei"

Üble Luftnummer von drei Luftpumpen

Ein Angebot und einen Appell zur Flüchtlingshilfe richteten die drei Stadtoberhäupter von Bonn, Düsseldorf und Köln an Kanzlerin Merkel. Sie boten an, in Not geratene Flüchtlinge aufnehmen zu wollen und setzten sich auch dafür ein, die Seenotrettung im Mittelmeer aus humanitären Gründen wieder zu ermöglichen.

 "Wir wollen ein Signal für Humanität, für das Recht auf Asyl und für die Integration Geflüchteter setzen", so Henriette Reker (Köln), Thomas Geisel (Düsseldorf) und Ashok Sridharan (Bonn).

Die drei Gutmenschen erregten bundesweit Aufmerksamkeit und ließen sich gerne für ihre noble Haltung feiern, besonders von denen, die das „Fake-Angebot" nicht durchschaut hatten. Dazu zählten weitere Gutmenschen und Organisationen wie der Deutsche Städtetag. Auf Nachfragen stellte sich nämlich heraus, dass es nicht um zusätzliche Kontingente und neue Fakten ging, sondern die Zuweisung z.B. in Bonn weiterhin über den geltenden Verteilungsschlüssel ablaufen solle. Der Eindruck, die Stadt Bonn sowie Düsseldorf und Köln wollten kurzfristig außerplanmäßige Zusatzkapazitäten schaffen, ist somit falsch. Man wollte lediglich ein „Signal“ setzen.

Das scheint zumindest in anderer Form gelungen: Wenn man schon politisch in diesen schrägen Zeiten nicht mehr viel anzubieten hat, atmet man eben Seifenblasen aus, die schnell zerplatzen und nach denen keiner mehr fragt. Ich nenne das Signal der „Glorreichen Drei“ schlicht unseriös.

„All you need city"

Wer sich schon eine solch dreiste Verballhornung des legendären Beatles-Song „All you need (is) love" leistet, muss sich nach Einstellung seines Zustell-Modellversuchs auch den Spott für das Scheitern gefallen lassen. Was war passiert?

Mit großem Getöse hatte das in Bonn ansässige Transportunternehmen DHL (auch als „Deutsche Post“ bekannt) vor wenigen Monaten angekündigt, dem leidenden Bonner Einzelhandel speziell in der City mit einem Zustelldienst zu helfen. Der Modellversuch des Globalplayers DHL resultierte wohl weniger aus Nächstenliebe zu Bonn, sondern war einfach ein Test.

Die Nachfrage hielt sich sowohl bei Händlern als auch bei der Kundschaft in Grenzen. Vielen Händlern war der „Service" zu teuer, einige Kunden waren auch nicht sonderlich begeistert und DHL erkannte schnell: „Das wird so nichts".

Ach Gott, liebe DHL: Seht zu, dass die Postbriefe weiter täglich ankommen, verdient euer Geld weltweit mit der Auslieferung von Paketen und transportiert weiter Rennwagen über alle Kontinente. Ich will von März bis November Formel-1-Rennen auf dem Sofa gucken und die Vorstellung, dass ihr einen Ferrari oder Mercedes zum nächsten Rennen irgendwo auf der Welt nicht rechtzeitig abgeliefert hättet, ist für mich ein Albtraum.

Auf die Lieferung einer Tube Zahnpasta oder eines halben Hähnchens aus einer Innenstadt-Drogerie oder Braterei kann ich hingegen gerne verzichten. Die City und ihr Handel funktionieren nur durch persönlichen Besuch vor Ort und dafür sind attraktive Angebote des Handels sowie unbeschränkte Zufahrt von ÖPNV und Individualverkehr erforderlich. Beides liegt außerhalb der Kompetenz von DHL.

Absurdes zum Schluss: Bauer sucht Kohle

Die Seifenoper „Bauer sucht Frau" kennen wir aus dem Trash-TV. Nach der jüngsten Hitzeperiode suchen Bauern jetzt auch Kohle, sprich Geld. Sie wollen Entschädigungen und Hilfen für verdorrte Felder, darbendes Vieh und zu erwartende Einkommensverluste dank schlapper Ernten.

Bauern fordern immer Geld und bekommen es auch. Seit jeher werden Agrarsubventionen bezahlt und die EU stellte jetzt schon eine vorzeitige Auszahlung der ohnehin fließenden Gelder in Aussicht, obwohl die Bauern ihre tatsächlichen Verluste noch gar nicht beziffern können. Bauern genießen eine Ausnahmestellung in dieser Republik, sie bekommen nicht nur finanzielle Hilfen, sondern verfügen auch über verschiedene Privilegien. Das hängt irgendwie noch mit dem zusammen, was in unseligen politisch-braunen Zeiten „Reichsnährstand“ genannt wurde.

Ich bin gegen vorzeitige Entschädigung des Ernährungsstandes, nur weil dessen Funktionäre lautstärker als andere ihre Forderungen stellen. Was passiert denn schon, wenn dieses Jahr kaum dicke Kartoffeln geerntet werden? Es werden weniger Chips produziert diese werden auch noch teurer. Das ist gut, dann sinkt vielleicht die Fettleibigkeit manch jugendlicher RTL-Fernsehgucker. Und das Gemüse? Ja, dann verzehren wir doch erst mal die Unmengen von lagernder und vitaminreicher Tiefkühlkost aller Art, damit kommen wir schon über den Winter.

Und die Bauern? Bevor sie endgültig verarmen, legalisieren wir einfach die Nutzung von Agrar-Diesel in ihren privaten Dieselautos. Das ist zwar nur ein kleiner Schritt der Entschädigung, aber auch das erste Betreten des Mondes war ja bekanntlich nur ein kleiner Schritt.