Bonn Rhein-Sieg


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Bonn: Etappe mit zweifelhaftem Mehrwert

(m.g.) In Bonn fehlt es an allen Ecken und Enden an Geld. Aber Etappe der Deutschland-Tour zu sein, kann man sich leisten. BONNDIREKT hat bei der Stadt nachgefragt, was es Bonn gekostet hat, Teil des Radsportereignisses zu sein. 

Seitens der Stadt heißt es: „Der Rat hatte in seiner Sitzung am 11. Mai 2017 beschlossen, für die Durchführung der Deutschland Tour in Bonn finanzielle Mittel in Höhe von 200.000 Euro bereitzustellen. Gleichzeitig hatte der Rat beschlossen, in Höhe von mindestens 100.000 Euro eine Refinanzierung über Sponsoren zu erreichen.“ Das sei auch gelungen, so dass die Veranstaltung die Stadt 100.000 Euro gekostet hat. 

Eine geringe Summe könnte man meinen. Aber für durchgehend geöffnete Freibäder während des diesjährigen Hitzesommers waen anscheinend nicht genügend finanzielle Mittel vorhanden. So musste das Freibad in Rüngsdorf am 11. Und 12. August geschlossen bleiben, aufgrund von Mangel an Personal, für das nicht genügend Geld vorhanden war. Bereits zu Beginn der Saison hatte die Stadt angekündigt, dass das Personal in den Bädern knapp ist. 100.000 Euro hätte das Badepersonal für zwei Tage bestimmt nicht gekostet. 

Noch schlimmer sieht es im Bereich Kultur aus. Die freie Kulturszene droht finanziell auszutrocknen. Fast alle Akteure haben die Stadt wegen steigender Kosten dringend um Erhöhung ihrer Zuschüsse gebeten. Sei es das Haus der Springmaus, die Videonale, die Brotfabrik, das Theater Central, Pantheon oder das JazzFest Bonn. Sie alle benötigen Geld, um ihren Betrieb aufrecht zu halten. Auf rund 377.000 Euro summiert sich der ungedeckte Mehrbedarf der freien Szene ab 2019 nach Angaben der Stadt Bonn. 

Doch dafür will die Stadt kein Geld ausgeben. Lieber 100.000 Euro zahlen, um Etappenziel zu sein. Einen Mehrwert scheint die Investition jedoch nicht erbracht zu haben. Abgesehen von ein bisschen Publicity in der ARD Sportschau. Denn wie der Bonner Einzelhandelsverband wissen lässt, ging die Deutschland-Tour am Bonner Einzelhandel vorbei. Vielmehr hat sie den Bonner Geschäften geschadet. 

Denn aufgrund der Tour mussten wichtige Zufahrtsstraßen zur Innenstadt für zwei Tage gesperrt werden. „Das schreckte möglich Kunden davon ab, zum Shoppen in die City zu kommen, da auch Zufahrten zu Parkgaragen betroffen waren. Die Einzelhändler zahlten dafür mit Umsatzeinbußen, genauso wie die Betreiber der betroffenen Parkhäuser.“ Nur die Gastronomie habe von der Tour profitiert. 

„So sehr der Einzelhandelsverband den Imagegewinn für Bonn durch die Sportveranstaltung begrüßt, so sehr wünscht sich der Verband auch, bei der Planung ähnlicher Großereignisse in der Zukunft mit einbezogen zu werden. Auf diese Weise können alle Beteiligten profitieren“, sagt Jannis Ch. Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn Rhein-Sieg Euskirchen.

 07.09.2018