Bonn Rhein-Sieg


© Schafgans Archiv/ Hans Schafgans

Fehleinschätzung Beethovenhalle

(m.g.) Der Bonner Stadtrat hat im Dezember 2015 beschlossen, 60 Millionen Euro für die Sanierung der Beethovenhalle auszugeben. Zehn Millionen davon sollten durch eine Spendenaktion in der Bürgerschaft gesammelt werden. Da hat sich die Bonner Jamaikakoalition anscheinend mal wieder mächtig verkalkuliert. Wie jetzt bekannt wurde, sind seit dem Spendenaufruf an die Bürgerschaft, gerade einmal 126.000 Euro an Spendengeldern zusammengekommen. 

„126.000 Euro in fast drei Jahren – das muss Ernüchterung bei den Koalitionsfraktionen hervorrufen“, so Dr. Stephan Eickschen, der stellvertretende Vorsitzende und stellvertretende finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. „Ganz offensichtlich haben sie wiederholt die Situation um die Sanierung der Beethovenhalle falsch eingeschätzt. Erst halten sich weder die Kosten- noch die Zeitplanung an den Beschluss von CDU, Grünen und FDP. Die Kosten liegen inzwischen bei über 94 Millionen Euro.“ 

Die Sanierung sollte im Sommer 2018 beendet sein. Tatsächlich werden die Arbeiten frühestens im April 2020 beendet sein. Und jetzt kommt noch die Fehleinschätzung der Möglichkeiten der Bonnerinnen und Bonner hinzu, die Sanierung privat zu unterstützen. 

Die momentan auf 94 Millionen Euro bezifferten Sanierungskosten der Beethovenhalle sind vermutlich noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Die Nachträge bekommen der Projektbeirat und der Rat von der Verwaltung erst vorgelegt, wenn sie tatsächlich von den Firmen nach Ausführung der Arbeiten kalkuliert sind und vorgelegt werden. Nachträge entstehen, wenn es beispielsweise zu Bauverzögerungen kommt oder Mehrarbeiten notwendig werden“, erklärt der Kulturausschussvorsitzende Dr. Helmut Redeker. 

Angelika Esch, stellvertretende Sprecherin im Projektbeirat Sanierung Beethovenhalle, ergänzt: „Die Schallmauer von 100 Millionen Euro ist fast erreicht und wird sicherlich bald schon durchbrochen werden.“ Eine unbekannte Größe in allen Planungen sei die anteilige Umsatzsteuer. „Die uns bekannten Baukosten sind Nettokosten, hierzu muss noch die anteilige Umsatzsteuer addiert werden. Hier hat die Verwaltung immer mit einem recht niedrigen Anteil zwischen ein und zwei Prozent gerechnet. Es weiß aber niemand, ob das Finanzamt diese Zahlen später auch anerkennt. Möglich wäre auch, dass ein höherer Anteil für die Umsatzsteuer angenommen wird. Dann müsste die Stadt nachzahlen. Die 100 Millionen Euro-Schallmauer läge dann wahrscheinlich schon hinter uns. Die Verwaltung hat auf unsere Nachfrage zugesagt, zum Finanzausschuss genauere Erläuterungen zu geben.“ 

Seitens der Stadt heißt es: „Gegenüber der letzten Kostenschätzung tragen vor allem Mehrmengen bei den Rohbauarbeiten, Rückbaumaßnahmen, die Ertüchtigung des Dachraums im Großen Saal und die Betonsanierung zur Kostensteigerung bei. So wurde z.B. bei den sog. HDI-Maßnahmen, bei denen mit Hochdruck Beton in den Boden eingebracht wird, um ihn zu stabilisieren, aufgrund unerwarteter Befunde deutlich mehr Material und Arbeitszeit aufgewendet als geplant. 

Die mit Asbest verkleideten Lüftungskanäle mussten aufwändig in einem Inliner-Verfahren saniert werden, nachdem das einfachere und günstigere Standardverfahren nicht zur Anwendung kommen konnte. Der Dachraum im Großen Saal wird nach Abschluss der Maßnahmen einen Großteil der auf den modernsten Stand gebrachten Klimatechnik aufnehmen. Um das Gewicht tragen zu können, sind u.a. zusätzliche Stahlbauarbeiten erforderlich. Untersuchungen der Betonqualität im Inneren kamen zu dem Ergebnis, dass diese an vielen Stellen nicht ausreichend ist. Darum müssen zahlreiche Wände und Decken saniert bzw. erneuert werden.“

 

10.09.2018