Bonn Rhein-Sieg


Zurich vergrault Mieter: Unmut in der Kaiserpassage wächst

(m.g.) Der Frust sitzt tief bei den Geschäftsinhabern in der Bonner Kaiserpassage. Das wurde bei einem Krisentreffen der Mieter mehr als deutlich. Der Unmut richtet sich gegen die Zurich Gruppe, Eigentümerin der Immobilie, und gegen den Verwalter des Gebäudes, die Deutsche Gesellschaft für Immobilienmanagement mbH (DGIM) aus Düsseldorf. 

Fazit der Mieterversammlung: Die Kaiserpassage verödet zusehends. Immer mehr Mieter ziehen mit ihren Geschäften aus und keine neuen kommen nach. Und wenn man die Telefonnummer anruft, die auf den „Zu-Vermieten-Schildern“ in der Passage angegeben ist, landet der Anrufer bei einem Mitarbeiter der DGIM, der von nichts weiß. 

Jetzt will die Zurich Gruppe auch den Sicherheitsdienst für die Kaiserpassage einstellen. Und auch der Hausmeister ist nicht mehr erreichbar. Daher befürchten die verbliebenen Ladenbesitzer, dass ihre Passage wieder zur Anlaufstelle Nummer Eins für die Obdachlosen der Innenstadt wird. Ganz bestimmt kein Imagegewinn für den Einzelhandelsstandort Bonn. 

Die Zurich, so die einhellige Meinung der Mieter, scheint als Eigentümerin das Interesse an der Immobilie verloren zu haben. So wird auch bemängelt, dass Leistungen seitens der Zurich Gruppe, die im Mietvertrag fest verankert sind, einfach nicht mehr erbracht werden, wie zum Beispiel die Fensterreinigung von Arztpraxen. Daher prüfen einige Ladenbesitzer jetzt mögliche Mietminderungen. 

Bereits Ende letzten Jahres verärgerte die Zurich die Ladenbesitzer der Kaiserpassage. Plötzlich und unerwartet verschlossen sie abends und an Sonn- und Feiertagen die Zugänge zur Kaiserpassage. Die Schließung hatte zur Folge, dass die Bonner seitdem nur noch tagsüber durch die Passage bummeln können, wodurch die verbliebenen Geschäfte weiter an Aufmerksamkeit verlieren. Ärzte, die Notdienst haben, müssen ihre Patienten gar durch die Tiefgarage lotsen, um an Wochenende in die Praxis zu kommen. Und für Gastronomen wurde die Passage so zu einem unbrauchbaren Standort. So ist das Café Giornale seitdem geschlossen. 

Bei der Stadt heißt es zu dem Problemstandort, dass sie in „Kontakt mit der Eigentümerin steht und es auch schon Gespräche gab, in denen sich darüber ausgetauscht wurde, wie die Situation verbessert werden kann.“ Angeblich „wurde von der Zurich Gruppe ein externes Büro beauftragt, ein Konzept zur Wiederbelebung der Kaiserpassage zu erarbeiten“, so das Presseamt der Stadt Bonn. 

Die DGIM wollte auf Anfrage von BONNDIREKT keine Stellungnahme abgeben und verwies auf die Eigentümerin, die Zurich Gruppe. Dort heißt es, dass sie von dem inoffiziellen Krisentreffen der Mieter nichts gewusst hatte, sodass auch kein Vertreter des Eigentümers teilgenommen hat. „So ist beispielsweise die Behauptung, dass der Sicherheitsdienst ‚abgeschafft werden‘ soll, für uns nicht nachvollziehbar“, schreibt Bernd O. Engelien, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Zurich Gruppe. 

„Zurich Versicherung für alle, die wirklich lieben“ heißt der Slogan der neuen Werbekampagne der Schweizer Versicherung. Der Spruch scheint aber nicht für die Mieter von eigenen Immobilien zu gelten. Denn, bei denen wird aus Liebe zum Standort immer mehr Frust.

14.09.2018