Ein Ruck(es) geht durchs Land


Neues aus der Mottenkiste

Diskussionen um Diesel, Feinstaub, Stickoxid, Umweltgifte: Jetzt ist  Bonn auch noch eine der ‚Lead Citys' beim Thema ‚reine Luft' geworden. Lässt man mal den ganzen Etikettenschwindel mit Begriffen und Überschriften (Lead City, Fahrradfreundliche Stadt etc.) weg, bleibt auf jeden Fall viel Luft für Phantomdiskussionen.  

Da feiert denn auch die gute, alte  Hardtbergbahn ihre Wiederauferstehung. Die Bahn hat es zwar nie gegeben, aber sie spukt seit Jahrzehnten in den Köpfen von Planern, Kommunalpolitikern und Stadtaktivisten herum.

Hier geht es jetzt nicht um das Für oder Wider einer solchen Verkehrsverbindung, hier geht es auch nicht um Denkverbote. Es geht darum, wann aus Ideen und Plänen überhaupt Realität werden kann und natürlich um deren Finanzierung. Unter einem zehnjährigen Zeitrahmen läuft da nichts.

Jahrzehntelang wurde diskutiert, Millionen sind in die alten Planungen gesteckt worden. Damals wollte man noch einen Teil der Strecke unter der Poppelsdorfer Allee führen. Jetzt kommt eine oberirdische Trassenführung  ins Gespräch: Vom Hauptbahnhof bis zur Südwache.  Rund 200 Millionen Euro könnte das Projekt für die etwa acht Kilometer Schiene kosten.

„Hierdurch wird eine durchgängige Führung einer Ost-West-Achse von Oberkassel über Beuel und Hauptbahnhof bis in die westlichen Stadtteile möglich", so die Verwaltung.

Doch wo soll die Bahn durch die dicht besiedelten Gebiete fahren? Die Bahn soll das Endenicher Ei passieren und dann ginge es westwärts in sogenannter Mittellage über den Hermann-Wandersleb-Ring bis zur Provinzialstraße Richtung Brüser Berg. Dazu bieten sich vier Varianten an:

 #  Variante A: Über ein Gleisdreieck an der Südunterführung führt die Strecke über Quantiusstraße, Colmantstraße, Endenicher Allee, Wesselbahnweg und Endenicher Straße.

 # Variante B: Über die Nordunterführung folgt die Strecke der Herwarthstraße, der Endenicher Straße – das ist exakt die Strecke der Busse zum Brüser Berg.

 # Variante C: Thomas-Mann-Straße, Rabinstraße, neue Unterführung zur Endenicher Straße bis zur Viktoriabrücke/Wittelsbacherring.

 # Variante D (eingleisig): über die Nordunterführung zu Bachstraße und Beethovenplatz, Endenicher Allee, Wesselbahnweg, Endenicher Straße. Der zweite Streckenast läuft über die Quantiusstraße, Colmantstraße bis zum Beethovenplatz.

Keine Planung ohne Proteste

Da wir uns in Bonn auf einer Bugwelle von Bürgerbeteiligungen befinden, ist schon jetzt vorher zu sehen, dass nach dem St.Florians-Prinzip viele für eine Hardtbergbahn votieren werden, aber bitte nicht vor ihrer eigenen Haustür.

Grundsätzlich sind Bürgerbeteiligungen zwar positiv zu sehen, in ihrer praktischen Ausgestaltung nerven sie aber immer mehr, weil sie längerfristige Verzögerungen und erhöhte Kosten nach sich ziehen. Und um es mal etwas bewusst politisch unkorrekt, aber im Klartext zu formulieren: Teilweise mutiert die eine oder andere Bürgerbeteiligung inzwischen zum „Biotop für Klugscheißer, Moralisten und zweifelhafte Gutmenschen". Dabei fällt auf, dass es sich häufig um identische Personenkreise handelt, denen es weniger um Gestaltung, aber umso mehr um Verhinderung von Projekten geht. 

Einmal im „Feinstaub-Fieber" beflügelt die Phantasie der Umweltschutz-Aktivisten auch Phantomprojekte wie eine Seilbahn zum Venusberg, ein ‚ WasserTaxi‘ auf dem Rhein, ‚Fahrradautobahnen‘ und vielleicht demnächst noch Pferdedroschken als Ersatz für Elektrobusse. Aber da wird Tierschützern schon etwas zur Verhinderung einfallen.

Und alle Umweltaktivisten für den Luftkurort Bonn bestellen weiter heftig bei Amazon und den anderen einschlägig bekannten, Steuern hinterziehenden Versandhändlern und Paketdiensten.

Demokratie kann schon mühsam sein, aber es gibt leider keine bessere Form des Gemeinschaftslebens. Eine funktionierende Demokratie muss die immer größer werdende Zahl verbohrter, inkompetenter und in keiner finanziellen Verantwortung stehenden Bürgerbewegungen aber aushalten. Leider!

Bitte kein Theater ums ‚Kleine Theater'

In der kommenden Woche entscheidet sich die Zukunft des ‚Kleinen Theaters' in Bad Godesberg. Den beiden Bewerber/Interessenten kann sicherlich gute künstlerische Kompetenz zugeordnet werden. Bei der Entscheidungsfindung sollte man aber in Verwaltung und Politik auf eine solides finanzielles Fundament der zukünftigen Theaterleitung verstärkt achten. In diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Interessenten. Man darf gespannt sein auf den sicherlich weise vorausschauenden Vorschlag der Verwaltung.