Bonn Rhein-Sieg


Stadt Bonn

Gewerbeflächen: Weg mit den kommunalen Grenzen

(m.g.) Es ist eng in Bonner Raum. Viel zu eng aus der Sicht der Unternehmen. Sie verzweifeln bei der Suche nach Flächen für die Erweiterung ihres Standorts in Bonn oder dem Rhein-Sieg-Kreis. Und nicht wenige auswärtige Unternehmen winken ab, wenn sie über eine Ansiedlung ihres Gewerbes im Bonner Raum nachdenken. Es fehlt einfach an genügend Gewerbeflächen. 

Und falls doch eine geeignet Gewerbefläche gefunden wird, kommen die langsamen Mühlen der Bürokratie hinzu. Wie eine Umfrage der IHK kürzlich ergeben hat, klagen ortsansässige Betriebe über die langen Bearbeitungszeiten für die Ausweisung von Gewerbeflächen oder Baugenehmigungen. Mittlerweile hat sich das Problem bis zu den Verantwortlichen in der Bürokratie herumgesprochen, so dass die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis ein Gewerbeflächenkonzept bei der Büro Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH in Auftrag gegeben haben. 

Jetzt liegt das Ergebnis vor. Und was lange Zeit vermutet wurde, hat das Gutachten jetzt bestätigt: In der gesamten Region gibt es erheblich zu wenig verfügbare Gewerbe- und Industrieflächen (GIB-Flächen), um die anhaltend hohe Nachfrage durch die Wirtschaft decken zu können. Insgesamt haben Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis einen Bedarf an GIB-Flächen von 684 Hektar; diesem stehen Flächenreserven von lediglich 338 Hektar gegenüber. Der deutliche Fehlbedarf von 346 Hektar betrifft vor allem Grundstücke für die Industrie (Bedarf: 269 ha; Reserve: 41 ha), aber auch für das Gewerbe (Bedarf 415 ha; Reserve: 297 ha).

 Aufgrund der geografisch bedingten Begrenzung durch Rhein und Bergisches Land sowie der schon weit fortgeschrittenen Verdichtung wird man hier insbesondere den industriellen Flächenbedarf nicht mehr decken können. „Noch gravierender ist das Defizit in der Bundesstadt Bonn“, heißt es in dem Konzept. „An diesen Ergebnissen wird deutlich, dass Bestandssicherung und Bestandsentwicklung von Betrieben nicht mehr alleine in kommunaler Eigenregie erfolgen kann. Sie muss zunehmend in regionaler Zusammenarbeit betrieben werden. Interkommunale Zusammenarbeit ist hier gefragt“, heißt es hierzu bei der Stadt Bonn. 

Das Denken in kommunalen Grenzen sei Vergangenheit. „Konkretes Ergebnis des nun erstmals für die Stadt Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis vorliegenden gemeinsamen Gewerbeflächenkonzeptes ist der Vorschlag, das in Bonn bestehende Defizit von 173 Hektar planerisch auf das Gebiet des Rhein-Sieg-Kreises zu übertragen und die dem Kreis zusätzlich zufallenden Flächen als sogenannte ‚interkommunale Gewerbegebiete‘ zwischen der Stadt Bonn und der jeweiligen Standortkommune des Kreises zu entwickeln“, so die Stadt weiter. 

In einem nächsten Schritt müsse nun möglichst viele der ermittelten Potenzialflächen für Gewerbe und Industrie im Rahmen der Neuaufstellung des Regionalplanes planerisch abgesichert werden. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Mühlen der Bürokratie schneller mahlen, im Sinne des Wirtschaftsstandorts Bonn-Rhein-Sieg. 

08.10.2018