Bonn Rhein-Sieg


Bonn-Fest: Alles super in der City?

(m.e.) Selbst das Wetter hat mitgespielt. Mehrere 100.000 Menschen haben das Bonn-Fest zum Anlass genommen, der City einen Besuch abzustatten. Weinstände in der Friedrichstraße, ein Markt mit italienischen und französischen Spezialitäten auf dem Münsterplatz und Live-Musik auf dem Marktplatz. Langweilig wurde es nicht und die Gastronomie wird sich gefreut haben. Am Sonntag folgte dann ein verkaufsoffener Tag, an dem sich fast alle Geschäfte beteiligt hatten. Allerdings blieb es in vielen Geschäften trotz mancher Angebote ziemlich leer. Den Besuchern war es eher nach Feiern, Trinken und Essen – nicht nach großangelegter Shoppingtour.  Am ehesten profitierten noch die bekannten Ketten vom Publikumsansturm, denn ein günstiges Teil geht immer.

Schon während des Beethovenfestes gab es eine Kampagne des Einzelhandels – zumindest auf Plakaten. Unter www.Hier-finden-wir-Stadt.de warben Bonner Einzelhändler für ihr Angebot. Wer sich weiter informierte, musste allerdings feststellen, dass dieses Portal ein Blindgänger ist, das niemand interessiert. Nachdem die DHL ihren Versuch, ein Portal für Einzelhändler aufzubauen schnell wieder einstellte, bleibt die Frage, welche Zukunft die Bonner City hat. Auffallend ist, wie oft Geschäfte schließen. Eine Erfahrung, die spätestens zu Beginn des Jahres 2019 wieder unübersehbar wird.

Der City und ihren Managern fehlt eine Antwort auf die Frage, wie man dem Online-Handel und der Abwanderung der Käufer begegnen kann. Dabei gibt es längst Konzepte, über die man nachdenken sollte. Denn auch der Online-Handel sucht nach Konzepten für den stationären Handel (z.B. Amazon). Bekannte Marken eröffnen Stores, wo es nicht nur um den Abverkauf geht, sondern eher das Prinzip Showroom im Vordergrund steht. IKEA denkt über städtische Shops nach. Zuletzt ließ Karstadt aufhorchen. Der Unternehmer Benko hat es geschafft, wieder Gewinn auszuweisen. Als neuer Mehrheitsgesellschafter der Kaufhof-Kette will er nun ebenfalls den Return schaffen. SIGNA ist außerdem einer der größten Einzelhändler in Deutschland mit einem interessanten Portfolio. Gleichzeitig steht er auch bei vielen im Verdacht mehr auf die Immobilien zu setzen. Trotzdem lohnt sich der Blick darauf,  wie sich der Einzelhandel heute aufstellen muss.

Also, alles super:? Im Moment vielleicht oder auch nicht. Nur die Zukunft muss auch von der Bonner Politik aktiv gestaltet werden. Es geht darum, den Standort zu stärken und Arbeitsplätze zu erhalten. Dafür braucht es Ideen und eine Strategie. Ein schönes Fest mit Wahnsinns-Besucherzahlen, die keiner Nachprüfung stand halten, reicht da nicht.

08.10.2018