Bonn Rhein-Sieg


Bereits jetzt ist es schwer, in der Südstadt einen Parkplatz zu ergattern.

Parkplätze werden immer mehr zur Mangelware

(m.g.) Sie werden immer weniger, die Parkplätze in der Bonner City. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. So ist Parken rund um den Hauptbahnhof eine Glückslotterie geworden. Durch die Großbaustelle neben und über dem Bonner Loch sind fast 300 Stellplätze den Bauarbeiten gewichen. 

Und am Rheinufer sieht es auch nicht besser aus. In bester Rheinlage neben der Beethovenhalle will die Landmarken AG ein Hotel bauen. Diesem Bauvorhaben fielen weitere 50 Parkplätze für Autos zum Opfer. So wird das Shoppen mit dem Auto in der Bonner Innenstadt mehr und mehr zum Horrortrip. 

Aber der größte Parkhammer soll erst noch kommen. Stolz werden seitens der Stadt die Pläne für den Bundeskanzlerplatz präsentiert. „Die AIRE Bundeskanzlerplatz Verwaltungs GmbH will dort drei Baukörper unterschiedlicher Höhe bauen, wobei ein Hochpunkt das städtebauliche Bild bestimmen wird. Dieses Gebäude wird zwischen 60 und 101,5 Metern (das wären 28 Stockwerke) hoch sein. Es sollen mehr als 4700 neue Arbeitsplätze entstehen können, für die bis zu 1000 Parkplätze in einer neuen Tiefgarage geschaffen werden“, heißt es aus dem Rathaus. 

101,5 Meter hoch, sehr imposant. Noch imposanter sind aber die anderen Zahlen. Während 4.700 neue Arbeitsplätze am Bundeskanzlerplatz entstehen, sind für die vielen Angestellten aber nur 1.000 Parkplätze geplant. Außerdem sollen in der Erdgeschoss-Zonen des Bundeskanzlerplatzes öffentlichkeitsbezogene Nutzungen wie zum Beispiel ein Café oder ein Restaurant und gegebenenfalls ein Lebensmittelmarkt mit maximal 800 Quadratmetern Verkaufsfläche realisiert werden. 

Also stehen für rund 4.700 Menschen, die dort ihren Arbeitsplatz haben werden, und die Besucher, die zum Shoppen oder auf einen Kaffee kommen, gerade mal 1.000 Parkplätze zur Verfügung. Das klingt nach programmiertem Chaos und sorgt bei so manchen Bonnern für Sorgen. Wie zum Beispiel bei den Bewohnern in der Südstadt. Wie einige BONNDIREKT erklärten, befürchten sie, dass ihre Nachbarschaft zu Ausweichparkzone für den Bundeskanzlerplatz wird. Und bereits jetzt ist es schwer, in der Südstadt einen Parkplatz zu ergattern. 

Wie es scheint folgen die Stadtplaner den Ideen von renommierten Verkehrsplanern, wie zum Beispiel Prof. Dr. Heiner Monheim. Sie sagen, „jeder Parkplatz in einer City ist einer zu viel, der nur Autos in die Stadt lockt“. Vielmehr solle der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden, so dass private PKWs für den Besuch einer Innenstadt überhaupt nicht mehr nötig sind. Schön und gut. Aber während Autofahrer von der Bonner Innenstadt immer stärker abgeschreckt werden, fehlen die Alternativen für einen Besuch der City. Einem täglichen Ansturm von über 5.000 Menschen auf den Bundeskanzlerplatz ist die Bonner ÖPNV-Struktur Bonns derzeit bestimmt nicht gewachsen. Da macht doch jeder, der nicht muss, einen großen Bogen um die Bonner City.

06.11.2018