Bonn Rhein-Sieg


Beethovenhalle_© Schafgans Archiv Hans Schafgans

Beethovenhalle im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler

(m.g.) Glückwunsch an die Stadt Bonn. Sie hat es jetzt mit der Sanierung der Beethovenhalle in das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft. Dort heißt es: „Die ursprünglich vorgesehenen rund 60 Mio. Euro für die Sanierung wurden längst überschritten. Im September 2018 passte die Stadt die Kostenprognose noch einmal an: Jetzt geht man von 94 Mio. Euro aus und will im April 2020 fertig sein. Der „Verein Bürger für Beethoven“ nennt die Kostenexplosion und die verspätete Fertigstellung eine kommunalpolitische Blamage“. 

Grund für die Verteuerung waren laut Schwarzbuch die Tatsache, dass es  nur wenige Firmen gab, „die sich um Aufträge bewarben. Der fehlende Wettbewerb machte die Sanierung noch teurer, denn auch die Baufirmen kannten den Zeitdruck mit Blick aufs Beethovenjahr. Keine gute Verhandlungsposition für die Stadt: Die eingereichten Angebote lagen deutlich höher als kalkuliert. Zu allem Überfluss krachte es dann noch zwischen der Stadt und dem Architekten“. 

Mitte Februar 2018 ließ die Stadt verlauten, dass es gravierende Schwierigkeiten mit dem Baugrund und massive Statikprobleme gebe. Bei der Kampfmittelsondierung sei man auf nicht definierbares Metall gestoßen, das aufwendige Spezialuntersuchungen nach sich zog. Generell sei die Bausubstanz der Halle schlechter als erwartet. Auch hier waren spezielle, zeitaufwendige Maßnahmen nötig. 

Stellungnahme der Stadt Bonn zum Schwarzbuch-Eintrag:

„Die hauptsächlichen Gründe für die gestiegenen Baukosten liegen in der derzeitigen konjunkturellen Lage begründet. Auf die insgesamt über 60 Einzelausschreibungen, die aufgrund der Regelungen des § 97 Absatz 4 GWG erforderlich sind, gehen teilweise keine oder nur ein oder zwei Angebote ein. Da auch den Anbietern die fehlende Konkurrenzsituation aufgrund der allseits vollen Auftragsbücher bekannt ist, fallen die Angebotspreise derzeit deutlich über den errechneten Kosten aus. Möchte man keinen Baustopp und damit Mehrkosten auslösen, sind gewisse Überschreitungen der errechneten Kosten unvermeidlich hinzunehmen. 

Entscheidet man sich dafür, eine Ausschreibung aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit durch deutlich überteuerte Angebotspreise aufzuheben, entsteht dadurch ein unvermeidlicher Zeitverzug, in dem nicht konstruktiv am Projekterfolg in diesem Teilsegment weitergearbeitet werden kann. Da die Arbeiten sich in einem so komplexen Bauwerk aber gegenseitig bedingen und zeitlich perfekt aufeinander abgestimmt werden müssen, führt der Ausfall oder die Verzögerung eines Gewerkes sofort zu Verzögerungen und damit Mehrkosten bei nachfolgenden Gewerken, die auf die Vorarbeiten angewiesen sind. Auch dadurch entstehen neue Zeitverzüge und Kostensteigerungen.“ 

 

06.11.2018