Ein Ruck(es) geht durchs Land


Neuer Rankingplatz für Bonn

In schöner Regelmäßigkeit verbreitet das Presseamt der Stadt Bonn Meldungen über Rankings, in denen die Stadt Bonn ganz vorne oder auf vorderen Plätzen steht. Meist gehören dazu Disziplinen, welche den Bonnern und natürlich den Bonnerinnen ziemlich egal sind wie etwa eine Auszeichnung der Stadt als ‚Europaaktive Kommune‘.

Die Verbreitung dieser Meldungen gehört zum Alltagsjob des Presseamts, welches hier ausdrücklich in Schutz genommen werden soll, es kann sich die Meldungen ja nicht aussuchen, das geht auch anderen Kommunen so. Und wo lag Bonn diesmal wieder auf vorderen Plätzen? Als selbst ernannte ‚Beethovenstadt' natürlich mit der Beethovenhalle, einem echten Aushängeschild der Stadt.

Der Bund der Steuerzahler – durchaus eine Institution, die man auch mit Vorsicht genießen sollte – hat Bonn jetzt  in seinem aktuellen Schwarzbuch für Verschwendung öffentlicher Gelder ‚verewigt' und tituliert die Misere unter "Blamage in Bonn".

Wo liegen die Gründe für die Kostensteigerungen von ursprünglich geschätzten 59,8 auf inzwischen 95 Millionen Euro, die bald Ambitionen für das Guinnessbuch der Rekorde haben?

Der Steuerzahlerbund nennt nicht zu Unrecht die Eile, welche die Bonner Kommunalpolitik bei der Auftragsvergabe vorgegeben hatte. Durch diesen Zeitdruck für die Fertigstellung am 25. Geburtstag Beethovens in 2020 nutzte die Bauindustrie nicht nur unvorhergesehene Zusatzarbeiten, sondern auch die allgemein gute Baukonjunktur und riefen Mondpreise auf. Lesen Sie hierzu weitere Details im BONNDIREKT-Artikel "Beethovenhalle im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler".

Und was sagt die Stadtverwaltung zur Beförderung ins Schwarzbuch?

„Die Darstellung des Bundes der Steuerzahler gibt keinen neuen Sachverhalt wider".  Eine tolle Redewendung, die nur Folgendes bedeutet: Das ist alles richtig und das haben wir ja schon selber gewusst. Es ändert aber nichts an der Blamage und der Tatsache, dass hier mit öffentlichen Mitteln ein Denkmal für politische und verwaltungstechnische Inkompetenz gefördert wird. Befürworter und Gegner einer Renovierung der Beethovenhalle stehen sich da inzwischen auch ziemlich unversöhnlich gegenüber.

Besonders ergiebig mal wieder der Kommentar von Reise-Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der sich als ehemaliger Kämmerer aus Königswinter in Finanzen bestens auskennt: "Die entstandenen Mehrkosten sind für alle Beteiligten hochgradig ärgerlich. Das Projektteam unternimmt jegliche Anstrengungen, um Mehrkostenanmeldungen kritisch zu prüfen und auf das notwendige Mindestmaß zu reduzieren. Aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen und unserem heutigen Kenntnisstand mit der Beethovenhalle werden wir bei künftigen Großprojekten darauf achten, dass genügend Zeit für die Vorbereitung und Realisierung der jeweiligen Baumaßnahme eingeplant wird".

Das hätte man von einer Verwaltung und Politik, die verantwortlich mit den Geldern der Bürgerschaft umgeht schon vorher erwarten können. Und „höchst ärgerlich", Herr Oberbürgermeister, sind nicht nur die von Ihnen so genannten Mehrkosten, sondern auch Ihr ‚Larifari‘-Kommentar dazu.

Wer ist zuerst fertig?

Und so liefern sich Berlin, Köln und Bonn einen edlen Wettstreit, welches Gebäude zuerst komplett fertig wird: Berlin mit seinem Utopia-Flughafen, Köln mit seinem Dom und Bonn mit seiner Beethovenhalle. Ich vermute, dass der Kölner Dom zuerst fertig wird, danach zum 250. Todestag (nicht Geburtstag!) von Beethoven die nach ihm benannte Halle und der Berliner Flughafen wird natürlich nie fertig. Wozu auch?