Bonn Rhein-Sieg


Jannis Ch. Vassiliou (vorne), Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn Rhein-Sieg Euskirchen.

Einzelhandel: Schlag ins Kontor – Hoffen auf Weihnachtsendspurt

(m.g.) Dank steigender Einkommen bei niedriger Inflation sind die Verbraucher im Moment flüssiger als in den vergangenen Jahren. So steht ihnen dieses Jahr mehr Geld zur Verfügung, um es für Geschenke auszugeben. Das könnte gut für die Bonner Einzelhändler sein. BONNDIREKT hat mit Jannis Ch. Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn Rhein-Sieg Euskirchen, gesprochen. 

Herr Vassiliou, wie zufrieden ist der Einzelhandel mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft?

Die Vorweihnachtszeit ist für den Einzelhandel die wichtigste Zeit im Jahr. Den größten Teil seines Umsatzes macht der stationäre Einzelhandel in den Wochen und Tagen vor dem Fest. Bisher sind die Einzelhändler mit dem Weihnachtsgeschäft noch nicht zufrieden. Die Zahlen könnten besser sein. Bereits das erst Adventswochenende verlief eher schleppend. Allein den Online-Handel dafür verantwortlich zu machen, wäre etwas zu kurz gegriffen. Wir hoffen jetzt auf einen Endspurt am letzten Adventswochenende.

 Wie ist das zu verstehen, der Online-Handel gilt doch als stärkster Konkurrent für den stationären Einzelhandel?

Das ist richtig, wir spüren den Druck durch Amazon und Co., aber auch die Situation vor Ort macht uns zu schaffen. Für die Einzelhändler in Bonn sind die verkaufsoffenen Sonntage in der Bonner City ein wichtiger Bestandteil ihres Geschäfts. Einer der wichtigsten ist der verkaufsoffene Sonntag am zweiten Adventswochenende. In Bonn war dieser über die letzten Jahre hinweg eine liebgewonnene Tradition, für Händler und Kunden gleichermaßen. Und jetzt hat die Gewerkschaft ver.di erfolgreich gegen den verkaufsoffenen Sonntag am 9. Dezember in der Bonner Innenstadt geklagt. Auch eine Beschwerde der Stadt Bonn konnte das nicht mehr verhindern. Das ist für uns Einzelhändler natürlich ein Schlag ins Kontor und hat für viele lange Gesichter gesorgt.

 Hätte man diese Klage abwenden können?

Aus unserer Sicht schon. Da muss man nur nach Köln schauen. Dort hat ver.di auch gegen den verkaufsoffenen Sonntag am dritten Adventswochenende geklagt und die Klage wurde abgewiesen. Die Grundlage für die Klage war die gleiche wie in Bonn. Die Gewerkschaft bemängelte die Unverhältnismäßigkeit von Veranstaltungsfläche – also Weihnachtsmarkt – und Verkaufsfläche des Einzelhandels. Die sah das Landesgericht Köln in Köln nicht gegeben, aber in Bonn schon. Hätten die Verantwortlichen in Bonn den Weihnachtsmarkt um die Fläche des Kaiserplatzes erweitert, wäre auch bei uns die Verhältnismäßigkeit gegeben gewesen, und der verkaufsoffene Sonntag hätte stattfinden können. Das muss nächstes Jahr besser geplant werden, so dass der traditionelle verkaufsoffene Sonntag zum zweiten Advent weiterhin Bestand hat.

 Mittlerweile graut es Bonnern, aber auch Auswärtigen davor, mit dem Auto in die Bonner City zu kommen. Hat das Auswirkungen auf den Einzelhandel?

Auf jeden Fall. Durch die jetzige Verkehrssituation in Bonn gehen den Einzelhändlern sicherlich Kunden verloren. Das fängt schon bei der Kappung des City-Rings an. Das derzeitige Verkehrskonzept ist reines Stückwerk. Der Verkehrsplanung fehlt ein ganzeinheitlicher Ansatz, die verschiedenen Maßnahmen greifen nicht ineinander, was negative Auswirkungen auf die ganze Stadt habe, wie zum Beispiel ein Rückgang der Besucher in der Bonner City. Am Kaiserplatz und Bahnhof müssen die Leute wieder frei vorbeifahren können, also auch vom Süden kommend. Die veränderte Situation auf dem City Ring am Kaiserplatz verursache zusätzliche Staus. Und der Kreisverkehr am Alten Friedhof ist seit der Reduzierung der Fahrbahnen ständig verstopft. Wir brauchen Park & Ride Parkplätze, so dass mögliche Kunden den öffentlichen Nahverkehr mehr nutzen, um in die City zu kommen. Und für diejenige, die mit dem Auto kommen, muss eine vernünftiges Verkehrs- beziehungsweise Parkleitsystem geschaffen werden, damit das Parken in der Innenstadt kein Alptraum ist.

21.12.2018