Bonn Rhein-Sieg


Das Ende für die Eislaufbahn „bonnice“?

(m.g.) Dem Amt für Denkmalpflege im Rheinland ist die Eislaufbahn „BonnIce“ ein Dorn im Auge. Zur nächsten Weihnachtszeit soll sie – wenn es nach dem Amt geht – nicht mehr an ihrem jetzigen Standort auf dem Gelände des Alten Zolls in Bonn aufgebaut werden. Dabei erfreut sich die winterliche Freizeitattraktion bei den Bonner großer Beliebtheit. Die dürften aber hoffen, dass sie ihnen erhalten bleibt.

 Auch in diesem Winter ist Otmar Kaiser, Betreiber der Eislaufbahn, zufrieden. Er freut sich über tausende Gäste täglich, die sich bei ihm mit Schlittschuhen auf das Eis wagen. Damit soll aber nächste Jahr Schluss sein. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland spricht sich gegen ein weiteres Betreiben der Eislaufbahn aus und will gegenüber der Stadt Bonn eine entsprechende Empfehlung aussprechen. „Durch die Aufbauten der Eisbahn wird das Koblenzer Tor beeinträchtigt, da sich die Bauten in einer wichtigen Sichtachse auf dieses bedeutende Denkmal befinden“, sagt Elke Hamacher, Gebietsreferentin Bau- und Kunstdenkmalpflege bei dem Amt.

 Das dürfe nicht sein. BONNDIREKT hat bei den Bonner Parteien nachgefragt. Die haben mit dem Standort der Bahn keine Probleme. „Die CDU-Fraktion hofft natürlich, dass der Betreiber von ‚BonnIce‘ auch für die kommende Wintersaison eine Genehmigung zum Betrieb der Eislaufbahn erhält und Bonn so auch zeigen kann, dass Denkmalschutz und ein modernes Stadtleben durchaus vereinbar sind. In der Rheinaue hat es trotz anfänglicher Bedenken schließlich auch geklappt, die zahlreichen Veranstaltungen weiterhin stattfinden zu lassen“, sagt Horst Gehrmann, Geschäftsführer der CDU-Ratsfraktion. „Die Eislaufbahn ist seit vielen Jahren eine beliebte Attraktion in unserer Stadt, wir würden uns freuen, wenn die Bonner Bürgerinnen und Bürger auch im kommenden Winter am Alten Zoll Schlittschuhlaufen können.“

 Herbert Spoelgen, Sprecher der SPD-Fraktion im Unterausschuss Denkmalschutz: „Die SPD-Fraktion sieht keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen dem Denkmalschutz und einer vorübergehenden Nutzung der Rasenfläche am Alten Zoll für die Eislaufbahn. Wichtig ist uns, dass die Nutzung befristet ist und sich die Fläche in den folgenden Monaten erholen kann. Wenn die Fläche also lediglich während der Eislaufsaison belegt ist, sehen wir keine Probleme mit diesem attraktiven Angebot, dass sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet. Wir freuen uns bereits auf die nächste Eislaufrunde im Dezember.“

 „Ich sehe die Eislaufbahn an diesem Standort nicht so kritisch. Er liegt in der Nähe zur Innenstadt und ist insofern gut zu erreichen. Optisch finde ich die Eislaufbahn jedoch nicht ansprechend. Das war am ehemaligen Standort Museumsplatz besser gelungen. Hier sollte unbedingt nachgebessert werden. Die Eislaufbahn sollte vor allem optisch durchlässiger sein. So könnte die Sichtachse Richtung Rhein offenbleiben, was von den Denkmalschützern besonders gefordert wird“, meint Werner Hümmrich, Fraktionsvorsitzender der FDP.

 „Den Standort Stadtgarten hatten wir selbst als Grüne in der BV Bonn als Alternative ins Spiel gebracht, als der Betreiber mit seiner Eisbahn auf den Kaiserplatz wollte. Allerdings ist die optische Gestaltung sehr verbesserungswürdig. Die Anlage ist in den Jahren immer größer geworden und hat sich zu einer mobilen Eishalle entwickelt. Mit einem deutlich gefälligeren und unauffälligeren Erscheinungsbild wäre der Fremdkörpercharakter im historischen Umfeld gegenüber dem Koblenzer Tor schon deutlich zu mindern,“ so Hartwig Lohmeyer, Fraktionssprecher Bündnis 90/Die Grünen.

 Und auch der Einzelhandelsverband will die Eislaufbahn nicht missen. Lockt sie doch Kunden in die Bonner City. „Ich bin für die Eislaufbahn. Sie ist eine attraktive Bereicherung für Bonn. Es bringt für Klein und Groß viel Freude und der Standort ist perfekt. Im Sommer der Hofgarten mit Picknick, Sonnenbad und sportliche Aktivitäten und im Winter die Eislaufbahn. Was die Denkmalschutz Behörde sich dabei denkt, verstehen nicht viele“, sagt Jannis Ch. Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn Rhein-Sieg Euskirchen.

 Das sieht die Stadt Bonn auch so. Auf Anfrage von BONNDIREKT erklärte das Presseamt: „Die Stadtverwaltung beabsichtigt, den Stadtgarten nicht unter Denkmalschutz zu stellen und damit der Empfehlung aus dem Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalpflege nicht zu folgen. Die fachliche Begründung zur Unterschutzstellung reicht Auffassung der Stadtverwaltung nicht aus. Darüber hinaus hat die Stadtverwaltung vor, den Betrieb der Eisbahn für 2019/2020 erneut zu genehmigen. Das Verfahren zur Unterschutzstellung liegt in den Händen der Stadt Bonn. Zuständig ist die Untere Denkmalbehörde. Aufgrund der fachlichen Einschätzung der Stadtverwaltung wird die Stadtverwaltung dem LVR-Amt für Denkmalpflege mitteilen, dass eine Eintragung des Stadtgartens nicht erfolgen wird.“

 Vielleicht ist ein Kompromiss möglich. Denn das Amt für Denkmalpflege im Rheinland wäre schon mit einem geringfügigen Ortswechsel zufrieden. Denn, „gegenüber dem Aufbau der Eisbahn im unteren Bereich des Stadtgartens (Richtung Rhein) gäbe es seitens des LVR-Amts für Denkmalpflege keine Bedenken“, so Elke Hamacher.

10.01.2018