Ruck(es) Kolumnen


Kleines Theater mit großem Theater

Das Kleine Theater in Bad Godesberg startet die „Post-Walter-Ullrich-Epoche“ gleich mit einem dramaturgischen Knaller im Shakespeare-Format: Das Quartett um den ehemaligen Bonner Theaterintendanten Klaus Weise hat sich hoffnungslos untereinander verkracht. Zu Mordanschlägen ist es zwar bisher nicht gekommen, aber verbale Attacken können mitunter ja noch grausamer sein.

Was ist passiert? Wir wissen es nicht genau und deshalb ist spekulieren erlaubt. Da bewegen wir uns mit einer Urteilsfindung quasi im politischen Raum: Wer nichts Genaues weiß, kann sich trotzdem eine Meinung erlauben. So etwas ist bei Facebook übrigens Alltagsgeschäft.

Es ging ursprünglich um Kauf oder Pachtung des Kleinen Theaters. Nach langen Diskussionen entschied sich die Politik für Verkauf, der klamme Stadtsäckel dürfte die Entscheidung erleichtert haben.

Jetzt plötzlich Theater-Theater: Die eine Hälfte der Käufergruppe steht wohl mehr auf künstlerische Leistung und Erhalt einer Bad Godesberger Identität, die andere Hälfte will langfristig Geld verdienen. Ein Programm muss auch her und das erfordert Arbeit. Dafür ist Klaus Weise sicherlich der richtige Mann und verlangt deshalb  - ein eher bescheidenes - Honorar. Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Ich kenne aktuell keinen Theaterintendanten, der ehrenamtlich für ‚Gottes Lohn‘ arbeitet.

Der anderen Käuferhälfte, die Geld investiert, geht es um Verzinsung und mit dem Verkauf des Theaters als Immobilie in fernerer Zeit wäre sicherlich frisches Geld zu machen. Da schmälert ein Intendantenhonorar über Jahre in der Schlussabrechnung sicherlich den Profit.

Jetzt ist der Krach da und jede der beiden Hälften möchte gerne alleine weiter machen. Dazu braucht die eine Hälfte zusätzliches Geld und die andere Hälfte künstlerische Kompetenz. Ergebnis: Man steht sich geladen gegenüber, es ist ‚High-Noon‘ wie im Wilden Westen.

Wie geht es weiter? Auch das wissen wir nicht, aber da spekulieren wir jetzt mal nicht. Wir warten ab und wenn unser Kommentar nichts als Spekulation ist, dann wäre es schön, wenn die Beteiligten mal mit der Wahrheit heraus kämen. Auf jeden Fall hat die Theaterposse schon jetzt einen hohen Unterhaltungswert.

Was will ein gelungenes Boulevard-Theater mehr?