Ruck(es) Kolumnen


Immer wieder samstags...

… kommt die Erinnerung: Zum Beispiel, dass Probleme aller Art früher schneller, mit Sachverstand und Konsenswillen gelöst wurden. Heute widmet sich ein immer größerer werdender Anteil mangelhaft informierter Bevölkerungskreise ermüdenden Diskussionen in einem ständig zur Verfügung stehenden Kommunikationsumfeld, das sie bedienungsleicht von ihrem smartphone aus steuern können. So werden aus sozialen Medien ganz schnell asoziale Medien.

Da wird mit einer ideologischen Brille auf der Nase gnadenlos Unsinn schwadroniert, Fakten werden ignoriert und zum Schluss hilft man sich mit Beschimpfungen auf den Andersdenken, ja vielleicht auch auf eine große Schar von ‚Nicht‘-Denkenden.

Pseudofortschrittliche politische Kreise nennen diese verkommene Diskussionskultur ‚Bürgerbeteiligung‘, welche mitunter in ein ‚Bürgerbegehren‘ mündet und dann in einem Stillstand der Sache endet. Ich nenne das „gefrorene Anarchie“. Als Beispiel in Bonn sei hier mal das ‚Viktoriacarré‘ genannt. Die ursprünglichen thematischen Aktionisten und Brandstifter können sich dabei jederzeit zurückziehen, ohne irgendeiner rechtlichen oder finanziellen Verantwortung zu unterliegen.

Da ist man fast geneigt, die früheren Stammtische besser zu finden: Dort saßen in verqualmten Kneipen an großen Tischen gereifte Klugscheißer und lamentierten über alles, was ihnen nicht gefiel: Was sie gerne besser hätten, aber selber nicht machen wollten. Zum Schluss war die ganze Stammtischbande vom Bier schwindelig, wankte nach Hause und hatte am nächsten Tag den politischen Dünnpfiff des Vorabends vergessen.

So läuft das nicht mehr: Die heutige – ach so kritisch und alternativ angehauchte – Bürgerbewegung trinkt Ingwer-Tee, isst vegane Dinkelkekse, fährt mit dem Einrad von der Bürgerversammlung ohne Licht nach Hause und trennt dort zur Rettung der Umwelt weiße und braune Eierschalen. Andere karren anderntags ihre Brut („Kevin-Ali“ oder „Debbie-Sarah-Aische“) bis vor das Lehrerpult in der Schule, verursachen dabei ein Verkehrschaos und fordern auf dem Nachhauseweg in Bürgerversammlungen bessere Luft und Fahrverbote in der Innenstadt. Auch Irrsinn ist mit Methode erfolgreicher als ohne dieselbe.

Die Stammtischbrüder sind inzwischen an Lungen- oder Leberkrebs verstorben, die Stammtischkneipen haben wegen Unrentabilität geschlossen. Die kritische Bürgerbewegung kauft im Internet, lässt sich von über den Lohn ausgebeuteten Subzustellern mit veralteten Dieselfahrzeugen beliefern und beklagt die Verödung der Innenstädte, an denen natürlich die Händler selbst schuldig sind.

Tja, so läuft das und es wird noch schlimmer: Denn wenn wir in Deutschland etwas anpacken, machen wir es auch gnadenlos perfekt. Trend ist Trend, Vorschrift ist Vorschrift und Gemeinsinn verwandelt sich in gemeinen Sinn.

 So funktioniert unser selbst geschaffenes ‚Biotop für Bekloppte‘ prächtig und wir werden uns bei BONNDIREKT in den nächsten Wochen mit aktuell dominierenden Themen zu diesem Irrsinn mit Lust und Hingabe beschäftigen.

Freuen Sie sich schon jetzt darauf!

Brauchen wir noch eine tägliche Tageszeitung?

Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen, die eine klassische Zeitungs-Printausgabe abonniert haben. Verbliebene wichtige und interessante Beiträge sind auch im Internet zu lesen, gegenwärtig noch kostenfrei, aber auch dies wird demnächst nur noch gegen Bezahlung möglich sein. Je besser recherchiert und hintergründig informierend ein Artikel ist, umso eher kostet dies Geld. SPIEGEL-online macht es gerade vor, die örtlichen Tageszeitungen wollen oder müssen wohl irgendwann folgen.

Das mag man bedauern oder nicht, es gibt Argumente für oder gegen den Niedergang der gedruckten Tageszeitung, aber wird fortschreiten. Wo findet die Tageszeitung denn noch ihre Identität? Die ‚großen‘ Meldungen aus aller Welt werden bei Agenturen hinzu gekauft und sind somit textgleich überall zu lesen. Lokalmeldungen sind häufig einseitig ‚gefärbt‘ (das ist in Bonn mehr eine negative Identität) und wann der Schützenverein seinen König ausschießt steht auch in den die Briefkästen verstopfenden Gratis-Kleinblättern. Wegen ihres reduzierten Formats eignen sich diese ‚Wochengeschwüre‘ nicht mal als Unterlage  zum Kartoffelnschälen, über den redaktionellen Inhalt und die dort verbreitete ‚Grammatik für Arme‘ reden wir erst garnicht.

Fisch wird schon länger nicht mehr in Tageszeitungen eingepackt, dafür gibt es hygienische, verschweißte Folien. Lediglich das Feuilleton und der Lokalsport interessieren noch in einer gedruckten Tageszeitung. Allerdings gehen ja die meisten Sportler kaum ins Theater und Opernfreunde sieht man als Rennradfahrer auch eher selten.  

Und so sinken die Auflagen lokaler Tageszeitungen weiter, während die Berichterstattung immer kleinteiliger und lächerlicher wird. Kürzlich berichtete ‚unser GA‘ lang und breit von einer Dame, die täglich mit ihrem Hund spazieren geht und dabei keinen Abfallbehälter am Wegesrand für die Hinterlassenschaft ihres Kläffers findet. Da muss sie wohl tatsächlich den Hundekot mit nach Hause schleppen. Wir von BONNDIREKT haben aber einen freundlichen Tipp: Nehmen sie doch die lokale Tageszeitung und packen’s da rein!

Schönes Wochenende! Besuchen Sie die Museumsmeile oder bleiben Sie zu Hause und informieren sich im Internet. Und noch was: Kündigt mir nur ja nicht euer GA-Abo. Wir brauchen diese Zeitung noch, wozu auch immer.