Gesundheit


Spahn: Kassen sollen Fettabsaugen zahlen

(m.g.) Viele Menschen in Deutschland, leiden unter einem Lipödem. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Fettverteilungsstörung, die in erster Linie Frauen betrifft und sehr schmerzhaft ist. Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen sieht das Fettabsaugen als ein sicheres und nachhaltiges Verfahren zur Behandlung des Lipödems. Die Gesellschaft begrüße daher einen Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn. Dieser sieht vor, dass betroffenen gesetzlich versicherten Patienten diese Behandlung von ihren Krankenkassen zukünftig bezahlt wird. Das Problem: Bislang fehlt es an wissenschaftlichen Studien, die einheitliche Kriterien für die Diagnose definieren. 

BONNDIREKT sprach mit Dr. Kay-Hendrik Busch, Leitender Arzt der Abteilung Plastische, Rekonstruktive und Ästhetischen Chirurgie am Bonner Johanniter Waldkrankenhaus. „In Deutschland leiden 3,4 bis 4 Millionen Frauen unter einem Lipödem“, sagt Dr. Busch. „Alleine in unserer Abteilung behandeln wir im Jahr rund 200 Patienten. Bislang müssen Patienten die Kosten für die Liposuktion bzw. das Fettabsaugen selbst zahlen.“ Grundsätzlich begrüßt Dr. Busch den Vorstoß von Jens Spahn, sieht aber auch Probleme. 

„Ein Lipödem tritt in erster Linie an den Extremitäten und hier vor allem an den Beinen auf“, so Dr. Busch. „Das ist für die Patientin sehr schmerzhaft. Durch Fettabsaugen kann der Druck in dem betroffenen Fettgewebe abgebaut und damit die Schmerzen stark reduziert werden.“ Das führe nach der Behandlung zu einer verbesserten Lebensqualität bei den behandelten Frauen, da sie wieder normal am Leben teilnehmen können.

 Aber die ganze Sache hat einen Haken. „Es gibt keine genaue wissenschaftliche Definition dafür, wann ein Lipödem vorliegt“, sagt Dr. Busch. „Es ist damit schwer abzugrenzen von normaler Fettleibigkeit oder einer Fettsucht. Und solange keine genaue Definition vorliegt, weigern sich Krankenkassen, das Fettabsaugung zu bezahlen.“

 Beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wurde bereits ein Definitionsvorschlag eingereicht. Der G-BA ist vom Gesetzgeber beauftragt, zu entscheiden, welchen Anspruch gesetzlich Krankenversicherte auf medizinische oder medizinisch-technische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden haben. Im Rahmen eines strukturierten Bewertungsverfahrens überprüft der G-BA deshalb, ob Methoden oder Leistungen für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung der Versicherten unter Berücksichtigung des allgemein anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse in der vertragsärztlichen und/oder stationären Versorgung erforderlich sind.

 Der G-BA konnte sich aber bisher nicht auf eine Definition festlegen. Daher wurde eine Studie zur Erprobung der Liposuktion (Fettabsaugung) bei Lipödem beschlossen. Mit Hilfe der Studie sollen dringend benötigte Erkenntnisse über die Vor- und Nachteile der Liposuktion gegenüber einer alleinigen nichtoperativen Behandlung gewonnen werden. „Das Problem im Aufbau der Studie ist, dass sie nur zeigen wird, dass Fettabsaugen bei den betroffenen Menschen zur Schmerzreduktion führt. Aber einer genauen wissenschaftlichen Definition eines Lipödems kommen wir damit nicht näher“, erklärt Dr. Busch.

 „Mittlerweile beobachten Experten das Auftreten von Lipödemen nicht mehr nur an Extremitäten, sondern auch am Gesäß oder dem Bauch, betont Busch. Für viele Frauen, die unter einem Lipödem leiden, aber nicht über das nötige Geld verfügen, wäre es auf jeden Fall ein Segen, wenn man sich bald auf einheitliche Diagnosekriterien einigen und die Krankenkassen die Kosten für den Eingriff übernehmen würden.

28.01.2019