Bonn Rhein-Sieg


Zahlen bitte!

Finanzskandal hat zwei Gesichter

Das Erzbistum Köln hat jetzt einen Wirtschaftsprüfbericht der Jahre 2015-2017 über die Bonner Münsterpfarrei vorgelegt und spricht im Zusammenhang mit dem  sogenannten Finanzskandal von einem „in Ausmaß und Höhe singulären Fall“. Bei einer solchen Wortwahl über die Affäre fragt man sich zuerst einmal: „Was  will uns das Erzbistum damit eigentlich sagen?“

Gab es so einen Fall noch nicht? Wir wissen es nicht und werden es wohl auch nie erfahren. Berichte über Finanzen der katholischen Amtskirche sind ähnlich nebulös wie das Herbstwetter in London, wo sich vor vielen Jahren ein Banker aus dem Vatikan an einer Themsebrücke erhängte.

So etwas werden wir an einer Rheinbrücke wohl nicht erleben, das entspricht einfach nicht rheinischer Mentalität. Lieber wird partiell etwas unter den Teppich gekehrt, wo traditionell schon viel Skandalstaub aus anderen kirchlichen Skandalen ruht.

Im Bonner Fall geht es um die großzügige Auslegung zweckgebundener Mittel. Oder anders formuliert: Heiligt der Zweck die Mittel oder heiligen die Mittel den Zweck?

Fragen über Fragen, die man schon beantworten könnte, die aber keiner erschöpfend beantworten will. Zum Beispiel Fragen wie diese:

      #  Wie kann man aus langfristigen Anlagen kurzfristigen, zweckentfremdeten Geldtransfer generieren?

      #  Wer ist auf diese Idee gekommen, wer hat sie vorbereitet und umgesetzt?

      #  Wer ist sonst noch zur Verantwortung gezogen worden?

      #  Warum wurde so spät geprüft?

      #  Wie viele Mitwisser gab es schon vorher in Bonn und in Köln?

      #  Wusste Schumacher eigentlich, was er da unterschreibt?

      #  Ließ man mit der verspäteten Prüfung den ehemaligen Stadtdechanten extra in die Falle laufen, weil er der ‚Kölner Inquisition‘ in anderen kirchlichen Bereichen zu unbequem geworden war?

Die Schadenhöhe selbst tritt dabei fast in den Hintergrund, besonders unter dem Aspekt eines vom Erzbistum selbst erwarteten Überschusses allein aus Kirchensteuerbeträgen in Höhe von 646 Mio. Euro für 2019. Wie dies bei stetig sinkenden Kirchenaustritten errechnet wurde, bleibt zunächst einmal (Beicht)-geheimnis der Kölner Rechenkünstler.

Der Schaden dieser Affäre für das Image der Kölner erzbischöflichen Verwaltung ist größer als der Amtsverlust von Wilfried Schumacher. Es ist der Vertrauensverlust in diesen Apparat, der sich aus Steuergeldern und vielen sonstigen Zuwendungen, Erträgen und Kleinspenden finanziert und von außen geforderte Transparenz in kirchlichen Finanzfragen als nahezu unanständig empfindet.  

Mit der Vorlage des Berichtes seien zunächst einmal die Zahlenergebnisse benannt, verkündet das Erzbistum. Die Bewertung erfolge in einem weiteren Schritt. Da darf man gespannt sein, weil die Art der Berichtspräsentation schon sofort wieder Bewertungen nach sich gezogen hat nach dem Motto: Die Schuld liegt allein in Bonn und nicht im „hillije Kölle“.  

Wir werden uns in Bonn den Bericht genau anschauen und wer sich schon mal mit den offiziellen Finanzzahlen etwas intensiver beschäftigen möchte, dem empfehlen wir folgende Links:

www.erzbistum-koeln.de/finanzbericht2017

und

www.erzbistum-koeln.de/wirtschaftsplan2019