Ruck(es) Kolumnen


OB als "Überraschungs-Ei"

Realer Schnee von gestern, Ideen- Schnee von morgen

Wenn es im Rheinland mal schneit – was eher selten vorkommt – bricht sofort der Verkehr zusammen. Der Grund:  Viele Autofahrer reagieren bei vier Flocken Schnee auf der Frontscheibe wie ein Kaninchen vor der Schlange: Sie bewegen sich erst einmal nicht bzw. sie bewegen sich fast nicht mehr. Während sonst Geschwindigkeitsbeschränkungen nach oben nicht eingehalten werden, werden beim Anblick von ein paar weißen Flocken erlaubte Geschwindigkeiten weit unterschritten.

Nun soll dies hier kein Aufruf zum Schnellfahren bei schlechter Witterung werden. In der abgelaufenen Woche lag ja tatsächlich mal etwas Schnee auf der Fahrbahn und da sollte man schon vorsichtiger beim Gas geben sein.

Eigentlich ist mir das auch egal, ich brauchte nur einen thematischen Übergang zu einem anderen Thema und dieser Übergang sieht so aus: Das Schneewetter beherrschte in Bonn die Zeitungsmeldungen, dabei gab es doch genügend anderes zu berichten.

Zum Beispiel über Oberbürgermeister Ashok Sridharan

„Ashok Sridharan macht als Oberbürgermeister eine gute Figur in Bonn“. Das höre ich häufiger und da stimme ich erst einmal zu. Aber: Das gilt eigentlich nur für die unzähligen Fotos, auf denen der stets adrett gekleidete OB häufig neben weniger ansehnlichen Figuren steht. Beim politischen Handwerk sieht Sridharan dann schon weniger gut aus.

Der Bonner OB ist so etwas wie ein kommunalpolitisches ‚Überraschungs-Ei‘. Letzte Woche schoss er aus der Hüfte bei einer Diskussion den Vorschlag ab, den Parkplatz der Rigal’schen Wiese‘ in Bad Godesberg für den Neubau eines Schwimmbads in Bad Godesberg zu nutzen. Damit überraschte er seine eigenen Parteifreunde ebenso wie seine Koalitionspartner.

Ob sein Vorschlag sinnvoll war, soll hier und jetzt nicht beschrieben sein. Interessant an Sridharans verbalem Hüftschuss ist etwas anderes: Dieser OB hat zwar keine Visionen über eine klare Weiterentwicklung Bonns, aber gefällt sich als lokalpolitischer Popstar mit opulenter, fotogener Medienpräsenz.

Mit seiner penetranten Performance lenkt der Bonner OB erfolgreich von seinen Defiziten  bei der Führung einer nur noch wenig motivierten Verwaltung, dem Knistern in der ihn mehrheitlich unterstützenden Ratsfraktion und seiner eigenen Planlosigkeit ab. Pausenlos bläst das Bonner Presseamt Meldungen in die Öffentlichkeit, wo der OB Grußworte spricht, wen er alles trifft und welchen repräsentativen wichtigen Posten er gerade in der großen Welt der Geschwätzigkeits-Gremien erlangt hat. Beispiele gefällig?

 

·         OB-Grußwort bei Tollitäten-Empfang der ‚Bönnsche Chinese‘

·         OB-Grußwort beim Finale der 2. Baskets Grundschul-Challenge

·         OB trifft Erzbischof der Erzdiözese ‚Mutter Gottes von Moskau‘

·         Schornsteinfeger überbringen OB Neujahrswünsche für 2019

·         Bäcker-Innung übergibt Neujahrsbrezel an Oberbürgermeister

·         OB  hospitiert im Bürger*innen-Dienstleistungszentrum 

·         OB Sridharan dankt Sankt-Martin-Darstellern

·         OB Sridharan besucht chinesische Projektpartnerstadt Chengdu

·         OB Sridharan reist zu Klimagesprächen nach San Francisco

·         OB weiht mit D-Jugendmannschaft Kunstrasenplatz ein

·         OB wird Co-Vorsitzender der Fachkommission Integrationsfähigkeit

 

Die Liste könnte über viele Seiten fortgeführt werden, ohne dabei Eindruck zu hinterlassen. Wo nimmt der Mann nur die Zeit her und wann arbeitet er eigentlich konzentriert an den Problemen des Bonner Alltags? Nachts oder überhaupt nicht?

Dabei sind Denkspiele eines Oberbürgermeisters für innerstädtische Entwicklung natürlich nicht nur ausdrücklich erlaubt, das würden wir uns sogar wünschen. Aber unausgegorene Schnellschüsse ohne Realitätssinn bringen Bonn nicht wirklich voran. Es scheint, als wenn Ashok Sridharan lediglich über einen Ideenrucksack mit Windbeuteln verfügt, in den er bei passender und auch unpassender Gelegenheit greift.

Sein gegenwärtiger Arbeitsalltag hingegen scheint vornehmlich auf die Vorbereitung seiner Wiederwahl in 2020 gerichtet zu sein. Das sollten auch seine Parteifreunde in Bonn langsam erkennen und sich mal nach Alternativen umsehen. Vielleicht stehen bis zur nächsten Kommunalwahl aus der bis dann zerbrochenen aktuellen Bundesregierung und dem ministeriellen Unterbau ein paar arbeitslos gewordene Kandidaten zur Verfügung?

Da heißt es dann zugreifen oder auch nicht!?